Virtual Reality

Crash-Kurs in die virtuelle Welt

| Autor / Redakteur: Patrick Ensslin / Georgina Bott

Der Blick durch die virtuelle Brille – das ist für viele noch ein Grauzone, dabei können gerade Unternehmen im B2B Virtual Reality für sich nutzen.
Der Blick durch die virtuelle Brille – das ist für viele noch ein Grauzone, dabei können gerade Unternehmen im B2B Virtual Reality für sich nutzen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

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Über VR wird in letzter Zeit viel geredet – und das zurecht. Das Medium hat riesiges Potenzial für Storytelling und Engagement im B2B. Der Weg für Marken, sich dieses Potential zu Nutze zu machen, ist nicht ganz selbsterklärend.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die damit im Zusammenhang stehenden Begriffe oft nicht trennscharf zueinander verwendet werden. Für alle, die sich für das Thema interessieren und sich darin vielleicht ein bisschen verloren fühlen, hier ein kurzer Crash-Kurs in die virtuelle Welt.

Augmented Reality (AR) – Reale Welt, virtuelle Objekte

Unter AR versteht man das Anreichern der realen Welt mit virtuellen Objekten. Oft werden diese nur beim Blick durch die App-Kamera eines Smartphones oder Tablets sichtbar, und so kann dann auch damit interagiert werden. Meisterhaft vorgeführt von IKEA mit ihrem 2014er Katalog und der dazu gehörigen App.

Mixed Reality – Liebesgrüsse aus Redmond

„Mixed Reality“ ist der Begriff, den Microsoft verwendet, wenn sie eigentlich das gleiche beschreiben, oft im Zusammenhang mit ihrem AR-Headset Hololens. Diese wird getragen wie eine Brille und beherbergt in ihrem Gestell eine ganze Reihe von Sensoren und Kameras, die weiterführende Interaktionen wie zum Beispiel Gestensteuerung erlauben. Hier bieten sich äußerst spannende Industrie-Anwendungen, zum Beispiel im Schulungsbereich.

Virtual Reality – Reise in eine virtuelle Welt

Von VR ist dann die Rede, wenn der User komplett in die virtuelle Welt eintaucht. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen Welten, in denen sich der User bewegen und/oder interagieren kann, und rein passiven Erlebniswelten wie zum Beispiel das 360° Video. Für beides braucht man aber ein VR Headset.

VR Headsets – zwei Lager und der grosse Unterschied

Man kann die heute verfügbaren Headsets grob in zwei Gruppen teilen: Gruppe eins setzt auf ein einzulegendes Smartphone, das oft in Bezug auf Bildqualität und Rechenpower gerade so knapp ausreichend ist. Unscharfe Bilder oder stotternde Darstellung sind die Folge. Dafür sind die Headsets preislich attraktiv, ein Google Cardboard gibt es oft sogar als Werbegeschenk.

Gruppe zwei setzt hingegen auf den Anschluss eines Computers mit starker Grafikkarte. Das bedeutet eine bessere Bildqualität und flüssigere Darstellung – und erlaubt durch den Einsatz externer Tracker dem User zudem, innerhalb eines gesteckten Rahmens in der Virtuellen Realität herumzulaufen und diese mit speziellen Controllern zu manipulieren.

Und genau darin liegt auch der grundliegende Unterschied zwischen passiver und interaktiver VR. Als Content Creator muss man sich entscheiden zwischen fotorealistischer Anmutung oder freien Interaktionsmöglichkeiten.

VR Content – wieder zwei Lager, wieder Unterschiede

Die verschiedenen VR-Welten: passives konsumieren von 360° Video und aktives Manipulieren der interaktiven VR-Welt mit den Vive-Controllern.

Vorteile von 360° Video
Beides hat seine Vor- und Nachteile. Das 360° Video wirkt dann besonders eindrucksvoll, wenn die Personen im Film direkten Blickkontakt mit dem User aufbauen. Die Präsenz und Nähe, die dabei entsteht, schafft ein unglaublich hohes Level an Empathie und Emotionalität. Ideal um Geschichten zu erzählen, in denen der User mitfühlen soll.

Vorteile von interaktiver VR
Interaktive VR hingegen schafft ein Gefühl von Partizipation und Einfluss, das der User im anderen Fall nicht hat. Ideal, um den User in eine virtuelle Welt einzuladen und ihn erkunden zu lassen. Oft sieht man den User nicht als Zuschauer, sondern als Gast, und sich selbst als Gastgeber.

Best of both worlds?
Es gibt aber auch schon erste Mischformen aus 360° Video und begehbarer Welt, zum Beispiel in Form der Photogrammetrie. Durch ein aufwendiges Capturing-Verfahren mit einem guten Dutzend Kameras gleichzeitig wird der Schauspieler als dreidimensionales Objekt erfasst und als bewegtes 3D-Hologramm in einen virtuellen Raum platziert, in dem sich der Gast bewegen kann. Das wirkt momentan noch wenig fotorealistisch und ist mit immensem Aufwand verbunden, gibt aber einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt.

Fazit

Die kommenden Jahre werden spannend. Die Aufnahmetechniken für 360° Video werden immer besser und günstiger, die technische Hürde und der zeitliche und finanzielle Aufwand in der Produktion und Postproduktion sinkt. Der Sweet Spot für Marken, wo Virtual Reality noch einen gewissen Novelty-Faktor ausstrahlt und trotzdem finanziell erschwinglich ist, steht unmittelbar bevor. Und Marken, die ihre Anspruchsgruppen in eine immersive Welt einladen möchten, haben mit Virtual Reality ein mächtiges Werkzeug an der Hand für ein bisher unerreichtes Maß an Emotionalität und Empathie im Storytelling. Und damit die Chance, eine Brand Experience abzuliefern, die nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Patrick Ensslin ist Brand Experience Director und Member of the Executive Board bei Hotz Brand Consultants.
Patrick Ensslin ist Brand Experience Director und Member of the Executive Board bei Hotz Brand Consultants. (Bild: Hotz Brand Consultants)

Über den Autor

Als erfahrener Experte in der audiovisuellen Markenentwicklung mit langjähriger Erfahrung im Corporate-Branding-Bereich verantwortet Patrick Ensslin bei Hotz Brand Consultants die Konzeption und Kreation einzigartiger Markenerlebnisse auf allen denkbaren Marken-Touchpoints.

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