Interview „Handel in Zeiten der Digitalisierung“

Werden sich die Grenzen von E-Commerce und stationärem Handel auflösen?

| Redakteur: Georgina Bott

Was wird sich in Zeiten der Digitalisierung für den stationären Handel verändern? Christoph Brem ist überzeugt, dass der stationäre Handel nicht mit dem Online Handel konkurriert, sondern zunehmend verschmilzt.
Was wird sich in Zeiten der Digitalisierung für den stationären Handel verändern? Christoph Brem ist überzeugt, dass der stationäre Handel nicht mit dem Online Handel konkurriert, sondern zunehmend verschmilzt. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Der Onlinehandel wächst nach wie vor und stellt den stationären Handel vor Herausforderungen. Um in Zeiten der Digitalisierung dem Handelssterben zu entgehen, müssen Einzelhändler die Vorteile des E-Commerce nutzen.

Der stationäre Handel konkurriert nicht mit dem Online Handel, sondern sie werden zunehmend verschmelzen – davon ist Christoph Brem, Gründer und Geschäftsführer von INVENTORUM überzeugt. Er hat rund 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Consulting, Business Development und Unternehmenssoftware und beschäftigt sich hauptsächlich mit Themen, wie digitale Innovationen für den Einzelhandel, Zukunft des E-Commerce und digitale Transformation des Handels. Seine Vision ist es, dem lokalen Einzelhandel den Einstieg zur Digitalisierung zu ebnen, um für die Verbindung des Internets mit dem stationären Handel gewappnet zu sein.

Uns hat er im Interview einen Einblick in die Zukunft des stationären Handels aus seiner Sicht gegeben und darüber gesprochen, wie Einzelhändler mit Hilfe von innovativen Softwaresystemen ihre Kanäle sinnvoll miteinander verknüpfen können.

Herr Brem, Ihre „Mission“ ist es, dem Einzelhandelssterben entgegenzuwirken und stattdessen durch innovative Ideen mit dem E-Commerce zu verschmelzen. Wie können Einzelhändler aus Ihrer Sicht von der Digitalisierung profitieren?

Christoph Brem: Der Handel insgesamt wächst nach wie vor, nur verschieben sich die Wege, wie Handel betrieben wird. Für Einzelhändler birgt die Digitalisierung großartige Chancen, denn die Produkte schlummern in den Läden und warten nur darauf, von Kunden entdeckt zu werden. Da 75 Prozent der Konsumenten online suchen, müssen die Produkte online verfügbar gemacht werden. Dadurch steigt die Chance, sowohl im Laden vor Ort als auch über das Internet zu verkaufen oder zumindest gefunden zu werden. Mehrere Vertriebskanäle zu nutzen birgt enorme Chancen den Verkauf voranzutreiben. Mit der Digitalisierung steigen auch die Möglichkeiten für Einzelhändler, für sich zu werben. Einen weiteren Bonus, den ich sehe, ist die Chance, auf Austausch-Plattformen oder in Foren aktiv zu werden, um so neue Kontakte und Vernetzungen zu etablieren.

Christoph Brem ist Gründer und CEO von INVENTORUM, einer SaaS Lösung für den Point of Sale, welche eine intuitive Digitalisierung des örtlichen Einzelhandels ermöglicht.
Christoph Brem ist Gründer und CEO von INVENTORUM, einer SaaS Lösung für den Point of Sale, welche eine intuitive Digitalisierung des örtlichen Einzelhandels ermöglicht. (Bild: Foto Blumrich)

Eine Verbindung von E-Commerce und stationärem Handel bringt sicher einige Schwierigkeiten mit sich. Was sind die drei größten Herausforderungen für die Händler?

Hier kommt es immer darauf an, aus welcher Perspektive ich den Handel betrachte. Es gibt sowohl lokale Händler, die sich online positionieren wollen als auch jene, die den umgekehrten Weg gehen möchten, also bereits einen Onlineshop betreiben und nun ein lokales Geschäft eröffnen. Sie alle stehen vor Herausforderungen. Für alle gilt: die Synchronisation zwischen den Vertriebskanälen zu gewährleisten und entsprechend umzusetzen.

Diese Koordination betrifft zum Beispiel die Warenwirtschaft: Die Verfügbarkeit von Produkten muss online und offline in Echtzeit angezeigt werden, denn es kann auch sein, dass ein einzelnes Produkt online verkauft wurde und eigentlich ausverkauft ist, obwohl es noch im Regal liegt. Außerdem müssen dann entsprechende Lieferprozesse eingeleitet werden. Diesen Schritt betrachten die meisten mit unbegründeter Furcht. Hier setzen All-in-One-Systeme wie INVENTORUM an, die entsprechende Integrationen oder Schnittstellen bieten, um den Spagat zu schaffen. Es muss ohne großen Aufwand möglich sein, den ersten Schritt zu gehen und Produkte online in einen Onlineshop zu stellen.

Weiterhin muss man sich mit neuen Systemen beschäftigen, das bedeutet für viele eine gewisse Hürde, denn Softwareinstallationen und -nutzung waren in der Vergangenheit teuer und aufwändig. Darauf haben Viele keine Lust und auch wenig Zeit. Deshalb muss man den Einzelhändlern einfach zu bedienende Software zur Verfügung stellen.

Außerdem gelten sowohl im Internet als auch im stationären Handel mehr und mehr strengere Rechtsgrundlagen, wie die seit 1.1.2017 geltende Kassenverordnung des Finanzamts nach GoBD. Mit diesen Anforderungen muss ich mich als Händler auseinandersetzen und zwangsläufig konform sein.

Research Online, Purchase Offline (ROPO-Effekt) – immer mehr Kunden im B2B kaufen nach diesem Prinzip ein. Welche Maßnahmen müssen stationäre Händler ergreifen, um von diesem Effekt zu profitieren?

Zunächst einmal muss ich mein System grundsätzlich optimieren, um die Kunden am Ende besser bedienen zu können. Diese Grundlagen sind wichtig, denn darauf kann der E-Commerce und der damit verbundene ROPO-Effekt aufbauen. Zunächst müssen Kasse, Buchhaltung, Warenwirtschaft und die Kundenverwaltung digital erfasst und die Arbeitsabläufe optimiert werden.

Danach kann man sich um die Anbindung an den E-Commerce widmen. Händler müssen ihre Produkte auch online anbieten, dafür benötigt es einen eigenen Onlineshop oder ich muss die Produkte über ein Portal anbieten können. Außerdem sollten Einzelhändler ihre eigene Sichtbarkeit bei Google stärken, da die meisten Leute diese Suchmaschine nutzen. Deshalb sollte man als Minimum einen Eintrag bei Google haben und darauf achten, dass die Öffnungszeiten und Angaben aktuell sind. Denn nur so kann ich leichter gefunden werden.

Als dritten Schritt kann ich als Händler überlegen, welche Portale und Plattformen ich nutzen will. Dazu schaue ich, welche zu mir als Händler passen. Dieser Schritt erhöht die eigene Reichweite.

Als einen letzten Schritt kann ich schauen, ob ich mein Sortiment erweitere, indem ich zum Beispiel in Verbindung mit dem Hersteller gehe. Wichtig ist immer, es dem Kunden so leicht wie möglich zu machen und sich in ihn hineinzuversetzen. Dabei ist das wichtigste Kriterium, dass die Ware für den Kunden verfügbar ist und er davon auch erfährt, weil er das Produkt zum Beispiel im Onlineshop gesehen hat. Denn wenn der Kunde weiß, dass er sich nicht umsonst auf den Weg in die Stadt macht, dann nimmt er den Weg auch auf sich.

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