Weltwirtschaft 4.0

Protektionismus wirft den B2B-Handel zurück

| Autor / Redakteur: Christian Lanng / Georgina Bott

Das Thema, das die Weltwirtschaft aktuell und in den kommenden Jahren bestimmen wird, ist verantwortungsvolle Führung. Dies ist jedoch nicht nur ein Job für Diplomaten und Politiker, sondern vor allem für Unternehmer.
Das Thema, das die Weltwirtschaft aktuell und in den kommenden Jahren bestimmen wird, ist verantwortungsvolle Führung. Dies ist jedoch nicht nur ein Job für Diplomaten und Politiker, sondern vor allem für Unternehmer. (Bild: gemeinfrei)

Die Globalisierung wird weltweit zunehmend hinterfragt, von immer mehr Ländern wird ein stärkerer Protektionismus gefordert. Doch es wäre fatal, die gewachsenen Verbindungen zu kappen, von denen beispielweise der globale B2B-Handel lebt.

Der globale Handel verändert sich wie nie zuvor: US-Präsident Trump kündigt nahezu wöchentlich Maßnahmen an, die den Welthandel einschränken. Gleichzeitung werden die Einzelheiten für die Ausgestaltung eines harten Brexit diskutiert und damit auch die Folgen für die globalen Handelsabkommen. Der chinesische Präsident Xi Jinping kündigte jüngst den Übergang zu einem global ausgerichteten China an, der durch die Investition von 140 Milliarden Dollar in die Hochgeschwindigkeitszugstrecke „One Belt, One Road“ unterstrichen wird. Diese soll China noch enger mit Europa verbinden und den Handel stärken.

B2B- und B2C-Geschäfte profitieren vom freien Handel

Angesichts dieser Entwicklungen sprechen einige bereits über den Peak der Globalisierung oder den Peak des Welthandels, und dass die Globalisierung zurückgehen wird. Dem widerspreche ich deutlich. Die Welt hat sich in den letzten 4.000 Jahren zunehmend globalisiert, und moderne Technologien wie Internet, Blockchain und digitaler Handel verbinden uns stärker als je zuvor. Globalisierung und Welthandel sind nicht zurückzudrehen. Käufer erwerben und beziehen Waren aus vielen verschiedenen Ländern – unterstützt von modernsten Technologien. Wenn überhaupt, ist die Globalisierung eher persönlicher geworden, stärker miteinander verbunden und eingebettet in unser tägliches Leben. Während einige der Meinung sind, dass der aufstrebende Populismus rund um den Globus mit mehr Isolation und De-Globalisierung zu bekämpfen ist, haben wir eine andere Antwort: Den verantwortungsbewussten Einsatz modernster Technologie. Die Welt wird zunehmend globalisiert, weil die Technologie drei Dinge geschaffen hat, die die Welt vorher nicht gekannt hat: eine intelligentere lokale Produktion, eine neue Schöpferwirtschaft und digitale Plattformen.

Ein Beispiel: Noch vor zehn Jahren war der Stückpreis von 1.000.0000 Schuhen 100 Mal niedriger als jener für die Herstellung von 1.000 Schuhen. Mit den heute üblichen Produktionsmethoden, Robotik, additiver Fertigung und 3D-Druck sind die variablen Kosten für die Herstellung einer kleinen Charge Schuhe etwa gleich groß wie die einer großen. Mit anderen Worten: Wir können Waren entlang der Zeitachse produzieren, wie und wo wir sie benötigen. Dadurch ist bereits heute eine neue Generation von „kleineren“ Herstellern entstanden.

Technologie schafft neue Möglichkeiten

Neue Technologien ermöglichen Entwicklern und Unternehmen auf Plattformen wie Kickstarter, neue Produkte zu entwerfen und schnell von neuen Finanzierungsmodelle zu profitieren. Während die erste Technologisierungswelle zur Massenindustrialisierung und zur Massenglobalisierung führte, ermöglichen neuere Technologien die Schaffung einer nachhaltigeren Globalisierung durch lokal verteilte Produktion, Recycling von Materialien und die Stärkung einer Schöpferwirtschaft. Die Demokratisierung von Wissen und Handel über das Internet und andere Technologien machen es Gründern möglich, ihre Waren zu kreieren und zu produzieren – und sie auch weltweit zu verkaufen. Digitale Plattformen aller Art sind überall auf der Welt entstanden und revolutionieren die Wirtschaft. Die wohl erfolgreichsten Beispiele hierfür sind Airbnb, Netflix, Spotify und Uber. Deren wirtschaftliche Aussichten sind vielversprechend: Die Unternehmen werden weiterwachsen, weil es auf der Kunden- und Anbieterseite immer mehr Teilnehmer gibt. Dienste, die über diese Plattformen angeboten werden, sprengen unsere früheren Vorstellungen einer schrittweisen Einführung, denn sie sind bereits heute tief im Leben vieler Menschen verwurzelt und ihr Wert wird mehr als die Summe ihrer Einzelteile sein. Daher bin ich der festen Überzeugung, dass sie auch weiterhin kräftig wachsen werden.

Verantwortungsvolles Unternehmertum für eine bessere Zukunft

Das Thema, das die Weltwirtschaft aktuell und in den kommenden Jahren bestimmen wird, ist verantwortungsvolle Führung. Dies ist jedoch nicht nur ein Job für Diplomaten und Politiker, sondern vor allem für Unternehmer. Wir setzen uns dafür ein, offenere, zugänglichere und nachhaltigere Lieferketten zu schaffen und diskutieren, wie wir die Zukunft der Weltwirtschaft zum Besseren führen können. Dies erfordert eine Rückbesinnung darauf, wie wir sowohl Politik als auch Technologie gestalten. Wir dürfen uns nicht nur auf einfache Dimensionen – beispielsweise reine Kostensenkung und maximalen Profit – konzentrieren. Politiker und Wirtschaftslenker sollten sich drauf konzentrieren, wie wir gemeinsam echte Werte für die Gesellschaft als Ganzes schaffen können. Dies wird nicht einfach sein, da wir unter anderem auch das bestehende Firmenparadigma für die Gestaltung von Lieferketten hinterfragen müssen. Die gute Nachricht ist, dass viele Unternehmen, insbesondere im B2B-Bereich, diese Reise bereits angetreten haben.

Christian Lanng ist Gründer und CEO von Tradeshift.
Christian Lanng ist Gründer und CEO von Tradeshift. (Bild: Tradeshift)

Über den Autor

Christian Lanng ist Gründer und CEO von Tradeshift. Er verfügt über zehn Jahre Erfahrung im Umgang mit Mobile Services, E-Business und Payment-Systemen. Tradeshift hat eine globale B2B-Plattform entwickelt, die Unternehmen hilft, effizienter zusammenzuarbeiten. Sie verwendet cloudbasierte Technologien, um Abläufe wie Rechnungsstellung, Workflow und Lieferantenfinanzierung zu verbessern.

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