Agil werden, digital denken und Disruptives wagen – Teil 2

4 Vorgehensweisen, die B2B-Anbieter von Startups lernen können

| Autor / Redakteur: Anne M. Schüller / Georgina Bott

Sind arbeiten mit agilen Methoden, sind in der digitalen Welt zuhause und wagen Disruptives: die Millennials. Und wer die Zukunft erreichen will, muss fit und attraktiv sein für die Lebenswelt dieser Generation.
Sind arbeiten mit agilen Methoden, sind in der digitalen Welt zuhause und wagen Disruptives: die Millennials. Und wer die Zukunft erreichen will, muss fit und attraktiv sein für die Lebenswelt dieser Generation. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Mehr zum Thema

Die Digitalisierung dreht sich inzwischen derartig schnell, dass man ihr kaum noch mit eigenen Bordmitteln Herr werden kann. Trotz digitalem Wettrüsten sind traditionelle Unternehmen meist viel zu langsam. Startups und ihre Impulse sind deshalb geradezu unentbehrlich.

Startups und ihre Erfolge haben fast immer mit Software, Daten, Algorithmen, neuesten Technologien, Communitys, Plattformen und Netzwerkeffekten zu tun. Sie beschäftigen sich zuvorderst mit Problemstellungen, die durch digitale Ideen gelöst werden können. Co-kreativ nutzen sie die „Weisheit der Vielen“ und integrieren dankbar jede hilfreiche Idee, ganz egal, von welcher Seite sie kommt. Herkömmliches wird radikal infrage gestellt und Vorhandenes neu kombiniert. Experimentell suchen sie nach Neuentwürfen und besseren Lösungen als die, die es am Markt bereits gibt.

Wie B2B-Anbieter von innovativen Startups lernen können

Agil werden, digital denken und Disruptives wagen – Teil 1

Wie B2B-Anbieter von innovativen Startups lernen können

13.07.17 - Die Generation der Millennials und ihre Startup-Gründer treiben die Wirtschaft mit atemberaubendem Tempo voran. Etablierte Unternehmen können viel von ihnen lernen – und gemeinsam mit ihnen erfolgreich sein. lesen

Sie wollen etwas Bedeutungsvolles erschaffen. Dabei sind sie unglaublich flott unterwegs. Sie probieren alles Mögliche aus und kalkulieren das Scheitern mit ein. „Beim nächsten Mal machen wir eben bessere Fehler”, sagen sie heiter. „Start many, try cheap, fail early”, heißt bei Google dieses Prinzip: Viele Projekte starten, sie mit kleinen Mitteln im Markt testen, Flops schnell erkennen und eliminieren. Fehler werden in der digitalen Welt als Lernfelder gefeiert. Fuckup-Nights, bei denen Gründer von ihrem epischen Scheitern berichten, sind groß im Trend. Jeder kann dort klüger werden.

Was Etablierte von Startups lernen können

Kooperationen mit Startups können Keimzellen für eine Digitalisierung der Geschäftsmodelle und Katalysatoren für den Wandel der Unternehmenskultur sein. Was tradierte Organisationen zum Beispiel von ihnen lernen können:

  • Jungunternehmer hassen Bürokratie,
  • Jungunternehmer lieben ihre Kunden,
  • Jungunternehmer sind beweglich und schnell,
  • Jungunternehmer denken ihre Geschäftsmodelle von Anfang an digital.

Sie bauen ihre Teams um Kundenprojekte herum. Und sie bauen die Kunden aktiv in die Entwicklung mit ein. Einer erzählt: „Wir waren felsenfest davon überzeigt, dass es eine große Nachfrage nach dem von uns angedachten Produkt geben würde. Durch das Befragen von Testpersonen haben wir aber dann schnell herausgefunden, dass die Leute etwas ganz anderes wollten.“ Was nicht den Kunden dient oder aus deren Sicht nutzlos ist, wird sofort ausgemustert.

Ergänzendes zum Thema
 
Das Buch zum Thema:

Die Unternehmenskultur innovativer Startups

Von Facebook inspiriert, lautet eine der wesentlichen Startup-Devisen: "Done is better than perfect – or never". Startup-Führungskräfte agieren als Möglichmacher. Sie wissen, dass schlechte Führung ein zentraler Grund für das Ausscheiden von High Potentials ist. Zudem schaffen sie ein Lernumfeld, in dem Mentoring, konstruktives Feedback und eine ausgeprägte Fehlerkultur etabliert sind. Versuch und Irrtum führen zu permanenten Verbesserungen. Neupositionierungen erfolgen, wenn nötig, sehr zügig.

Innovative Startups haben nicht nur selbstorganisierte, sondern auch selbstreflektierte Teams. Sie praktizieren ununterbrochen Benchmarking, um sich ständig verbessern zu können - und nie den Anschluss zu verpassen. Letzteres kann in unserer digitalen Welt sehr schnell passieren. Beweglichkeit, Kundenzentrierung und das Freisetzen der Mitarbeiterpotenziale sind heute entscheidend für das Überleben am Markt. Im ersten Schritt gilt es also, eine Außensicht einzunehmen. Kundenbedürfnisse, Mitarbeitererwartungen und der Wettbewerb stehen dabei im Fokus.

In 4 Schritten: die Lean-Startup-Methodik

Untersuchungen fanden einen direkten Zusammenhang zwischen leistungsstarken Unternehmen - den so genannten "digitalen Gewinnern" - und ihrer Fähigkeit, in Echtzeit auf Veränderungen zu reagieren. Bei Startups gehört solche Agilität zur DNA.

Deshalb, und natürlich wegen ihrer Digitalkompetenz, können klassische Unternehmen eine Menge von ihnen und der Lean-Startup-Methodik lernen. Vor allem diese vier Punkte sind dabei von Belang:

1. Pivotieren: Ursprünglich geplante Vorgehensweisen werden sofort über Bord geworfen, wenn sie sich als nicht markttauglich erweisen. Unverzügliche Kurswechsel werden in Angriff genommen, wenn der Wind plötzlich anders weht. In tradierten Unternehmen hingegen hält man an laufenden Projekten oder an einer Jahresplanung auch dann immer noch fest, wenn Nichtmachbarkeit bereits absehbar ist. Zögerliches Abwarten und Bewahrenwollen sind dort die Norm.

2. Verschwendung vermeiden: Dies ist ein Grundprinzip in Startups, denn Ressourcen in Form von Zeit, Geld und Mitarbeitern sind ständig knapp. Aufwendige Reportings, unnötige Meetings und die gesamte Selbstbeschäftigungsbürokratie klassischer Organisationen sind dort deswegen tabu.

3. Validiertes Lernen: Die Geschäftsidee an sich sowie alle Entwicklungsschritte werden iterativ mithilfe von Kundenmeinungen optimiert. Die besten Ideen kommen dabei oft von draußen. Ständige Feedbackschleifen von testen – lernen –verbessern - testen – lernen –verbessern ermöglichen rapide Kurskorrekturen. Hierzu werden nutzbare, minimal funktionsfähige Produkte (Minimal Viable Products, MVP) schnell auf den Markt gebracht und sukzessive durch User in deren realem Umfeld getestet. So wird laufend verbessert. Überflüssiges kommt sofort weg.

4. Vom Kunden her denken: Raus auf die Straße, Nutzer beim Anwenden beobachten und mit (potenziellen) Kunden reden ist eine Basisdevise im Lean Startup System. In traditionellen Unternehmen hingegen wird eine nach Meinung der Ingenieure und Entwickler perfekte Lösung in den Markt geworfen und in einer Rückschau durch aufwendige Kundenzufriedenheitsuntersuchungen anhand vorformulierter Fragen validiert. Repräsentativität sei aber doch wichtig? Unsinn! Wenn 20 von 20 Testern ein Leistungsmerkmal unerträglich finden, ist das ziemlich aussagekräftig.

Vorschau Teil 3

Mehr als jemals zuvor kann die junge Generation dem Management helfen, sich auf die durchdigitalisierte Zukunft vorzubereiten. Das Reverse Mentoring ist ein wirksames Mittel auf dem Weg zu diesem Ziel. Wie Ihnen das Reverse Mentoring helfen kann, sich für die Zukunft fit zu machen, lesen Sie in Teil drei dieser Serie am 24. Juli hier auf marconomy.de.

Ergänzendes zum Thema
 
Ausbildung zum zertifizierten Customer Touchpoint Manager:

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestseller-Autorin und Business-Coach.
Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestseller-Autorin und Business-Coach. (Bild: Anne M. Schüller)

Über die Autorin

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestseller-Autorin und Business-Coach. Sie gilt als Europas führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Anne M. Schüller zählt zu den gefragtesten Rednern im deutschsprachigen Raum. 2015 wurde sie in die Hall of Fame der German Speakers Association berufen. 25 Jahre lang hatte sie Führungspositionen in Unternehmen verschiedener Branchen in insgesamt zehn Ländern inne und dabei mehrere Auszeichnungen erhalten. Seit 2001 ist sie selbstständig tätig. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der deutschen, österreichischen und schweizerischen Wirtschaft. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager aus.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44773048 / New Work)