Langzeitstudie der Top 1.000 Unternehmen

So ticken Personaler und Bewerber

26.05.15 | Autor: Lena Gerhard

Die Langzeitstudie "Recruiting Trends" analysiert jährlich die Chancen und Trends des IT-Einsatzes in Personalprozessen.
Die Langzeitstudie "Recruiting Trends" analysiert jährlich die Chancen und Trends des IT-Einsatzes in Personalprozessen. (Bildquelle: fotogestoeber/fotolia.com)

Wie rekrutieren Personaler ihre künftigen Mitarbeiter? Und wie finden Bewerber die passende Stelle? Was sind aktuelle Trends in der Personalbeschaffung der größten deutschen Unternehmen? Diesen Fragen geht die repräsentative Langzeitstudie „Recruiting Trends“ nach.

Das Forschungsprojekt des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) um Prof. Dr. Tim Weitzel an der Universität Bamberg beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Recruiting-Trends sowie mit Veränderungen in der Bewerbungspraxis. Die Wissenschaftler aus Bamberg und Frankfurt analysieren in Kooperation mit dem Jobbörsenanbieter Monster die Chancen und Trends des IT-Einsatzes in Personalprozessen. An der alljährlichen Umfrage beteiligen sich die größten Unternehmen Deutschlands, zudem fließen Branchenanalysen und Fallstudien mit in die Erhebung ein.

Gerade durch die Digitalisierung haben sich seit der ersten Erhebung im Jahr 2003 viele Aspekte verändert, einige grundlegende Herausforderungen bleiben jedoch für die Unternehmen bestehen. Dazu zählt etwa der anhaltende Fachkräftemangel: So rechnen die Unternehmen damit, im Jahr 2015 mehr als ein Drittel der freien Stellen nur schwer besetzen zu können. Knapp fünf Prozent dieser Vakanzen werden nach Einschätzung der Befragten unbesetzt bleiben, da sich keine geeigneten Bewerber finden lassen. „Diese Werte bewegen sich seit mehreren Jahren auf einem konstant hohen Niveau“, erklärt Prof. Dr. Tim Weitzel, Inhaber des Lehrstuhls für Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, greifen Unternehmen auf eigene Ausbildungsmaßnahmen, flexible Arbeitszeitmodelle und Home-Office-Möglichkeiten zurück.

Zudem stellt der Wandel der Kommunikationsgewohnheiten der Bewerber die Personaler vor zusätzliche Herausforderungen, da soziale Medien wie Twitter, Facebook und Co. mittlerweile zum Alltag vieler Internetnutzer gehören. So gehen knapp neun von zehn Studienteilnehmern davon aus, dass Recruiter für die Social-Media-Nutzung zusätzliche Fähigkeiten erlernen müssen. Gleichzeitig schätzen lediglich knapp über 40 Prozent der Befragten, dass sich daraus resultierende Veränderungen für den Rekrutierungsprozess auch einfach umsetzen lassen, etwa ein verstärkter und aktiverer Dialog mit den Kandidaten. Der Social-Media-Einsatz in der Personalbeschaffung ist zwar im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, bleibt jedoch weiterhin ausbaufähig: So haben mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen ihre Social-Media-Aktivitäten bereits mit anderen Personalbeschaffungsaktivitäten abgestimmt (54,3 %). Rund ein Drittel der Unternehmen (32,2%) verfolgt eine explizite Strategie für den Einsatz von Social Media in der Rekrutierung.

Neben Social Media trägt auch die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten laut Studie dazu bei, gängige Rekrutierungsprozesse zu hinterfragen und zu verändern. „Smartphones und Tablets sind zu ständigen Begleitern in der modernen Arbeitswelt geworden“, erklärt Weitzel. Diese Einschätzung teilen auch die Studienteilnehmer: Über drei Viertel der befragten Unternehmen sind der Ansicht, dass die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten in Zukunft einen großen Einfluss auf die Rekrutierung haben wird. Über 56 Prozent der Studienteilnehmer gehen zudem davon aus, dass Kandidaten sich zukünftig vermehrt über mobile Endgeräte bei ihnen bewerben werden. Gleichzeitig bieten jedoch bislang bieten nur etwa 30 Prozent der befragten Unternehmen die Darstellung ihrer Online-Stellenanzeigen für bestimmte Tablets oder Smartphones optimiert an.

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