Expertenbeitrag

 Carolin Desirée Töpfer

Carolin Desirée Töpfer

CEO/ CTO, Cyttraction

#MahinaJourney 100 USD und Marketing ohne Story

Autor / Redakteur: Carolin Desirée Töpfer / Antonia Röper

Nach ihrer E-Bike-Tour durch Europa fährt unsere marconomy Expertin Carolin mit schnellem Tempo weiter: Gründung dreier Unternehmen, Expansion in die USA und ein neuer YouTube Channel. Wie sie ihre ersten 100 USD verdient hat und was es mit Marketing ohne Story auf sich hat, verrät sie uns in einem Interview.

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Unsere marconomy Expertin Carolin Desirée Töpfer war letztes Jahr mit dem Fahrrad quer durch Europa unterwegs. In diesem Interview erzählt Sie, was seitdem alles passiert ist.
Unsere marconomy Expertin Carolin Desirée Töpfer war letztes Jahr mit dem Fahrrad quer durch Europa unterwegs. In diesem Interview erzählt Sie, was seitdem alles passiert ist.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Liebe Carolin, letztes Jahr warst du noch auf dem E-Bike durch Europa unterwegs, was ist seitdem alles passiert?

Seit meiner E-Bike-Tour ist viel passiert! Nachdem ich Ende August nach 2600km in Tallinn angekommen bin, habe ich drei neue Unternehmen gegründet.

Mein Cybersecurity EdTech Cyttraction, mit dem wir Trainings rund um Datenschutz, IT Sicherheit und andere Risiko-Themen revolutionieren, ist eine estnische OÜ. Das ist ein Konstrukt ähnlich einer deutschen GmbH, nur dass die Gründung lediglich 190 Euro Gebühren kostet und komplett digital erledigt werden kann, ebenso Buchhaltung, Steuern und andere Behörden-Themen.

Die Zeitersparnis habe ich gleich genutzt und schnell zwischendurch unseren Mahina Diverse Tech Accelerator ausgegründet. Damit ist ein Grundstein gelegt für die Förderung von diversem Tech-Gründer Nachwuchs.

Was ist aus den Expansions-Plänen und dem Markteinstieg in den USA geworden?

Die haben nun endlich auch funktioniert und neben der Cyttraction OÜ gibt es jetzt auch die Cyttraction, Inc. mit Sitz in Delaware. Natürlich gestaltete sich das Ganze etwas schwierig, als Reisen noch nicht möglich war und nur das Internet und digitale Plattformen übrigblieben, um überhaupt voranzukommen.

Aber die Expansion war wirklich wichtig für uns. Ich glaube, mittlerweile hat jeder verstanden, dass Europa nicht die Wiege innovativer digitaler Geschäftsmodelle ist. Vor allem nicht, wenn sie mit Infrastruktur-Themen verbunden sind. Gleiches gilt für den Bereich IT Sicherheit. Während in Deutschland durch Bürokratie und den schnellen unbedachten Ruf nach "Datenschutz" gerne viel verhindert wird - durchaus auch der Einsatz von Sicherheits-Lösungen - ist der US-Markt sowohl was technische Lösungen als auch Awareness Trainings angeht wesentlich besser aufgestellt.

Mit Cyttraction wollten wir von Anfang an konstant und international wachsen. Außerdem haben auch unsere europäischen Kunden Mitarbeiter, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Nur im deutschsprachigen Umfeld zu agieren, hat für uns also keinen Sinn gemacht und auch unsere Arbeitsprozesse finden hauptsächlich auf Englisch statt.

Und wie haben ihr begonnen, den US-Markt zu erobern?

Neben fleißigem Online-Netzwerken war dabei vor allem eine Sache hilfreich: Es geht um das Thema Lernen. Und wir bieten im Vergleich zu lokalen Anbietern auch noch den Mehrwert, dass wir den europäischen Markt und die Regulatorik hier sowie lokale Befindlichkeiten kennen. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Sicherheits-Firmen, die nur im Heimatmarkt und vielleicht noch in Kanada unterwegs sind.

Da wir für unser hybrides Geschäftsmodell noch keinen Investor gefunden haben, fielen der Aufbau einer eigenen Plattform oder eine kostspielige Marketing-Kampagne aus. Auch die Geschichte rund um unser geplantes CyberLab - ein umgebautes Apartment um lebensnahe Cybersecurity Forschung zu betreiben und entsprechend zu dokumentieren - können wir natürlich nicht erzählen solange wir nicht das Budget haben es aufzubauen.

Wir mussten also mit dem arbeiten, was wir haben. Das sind vor allem tolle Experten, mit denen wir seit einiger Zeit sämtliche Aspekte rund um das Thema Lernen im privaten und geschäftlichen Umfeld analysieren und neu zusammen puzzlen. Das ist ein bestehendes Netzwerk. Und hinzu kommen externe Plattformen, auf denen man sich als Startup erst mal breit machen und eine Community aufbauen kann, ohne die IT Infrastruktur selbst bereit zu stellen.

Das bisherige Ergebnis sind also zwei Kurse auf der Lernplattform Udemy und ein YouTube-Channel: Caro's Business

Worum geht es dabei in euren Kursen auf der Lernplattform Udemy?

In den Kursen geht es natürlich um Datenschutz & IT Sicherheit. Zunächst habe ich unsere inhaltlichen und didaktischen Erkenntnisse in einem englischen Kurs umgesetzt, die ersten Nutzer um umfangreiches Feedback gebeten. Dieses habe ich dann in den deutschen Kurs mit einfließen lassen. Als nächstes wird dann der englische Kurs wieder ergänzt und upgedatet. So geht das immer weiter, denn die Nutzer können die Kurse lebenslang immer wieder durcharbeiten.

Leider "verlieren" wir mehr als 60% des Umsatzes an den Plattform Anbieter und die lebenslange Mitgliedschaft entspricht nicht unserem Cyttraction Geschäftsmodell, wo Nutzer bzw. deren Arbeitgeber ein Jahres-Abo abschließen. Aber wir erreichen mit diesen kurzen Basis-Kursen erste Einzel-Kunden und Multiplikatoren außerhalb Europas. So hat es die Cyttraction, Inc. in kürzester Zeit auf die ersten 100 USD Profit gebracht.

Warum baut ihr nicht eure eigene Lernplattform auf, wenn sonst so viel Geld an den Plattform-Anbieter verloren geht?

Natürlich könnten wir auch einfach selbst eine Low-Budget-Lernplattform zusammenschustern und online stellen, das machen schließlich auch viele andere Start-ups, aber wer glaubt, dass es so einfach ist, hat eines nicht bedacht: Das Schlimmste, was einer Lernplattformen zu Risiko-Themen passieren kann ist es, selbst zum Risiko für die eigenen Kunden zu werden. Die zunehmenden erfolgreichen Hackerangriffe der letzten Jahre haben gezeigt, dass vor allem Online-Plattformen ein beliebtes Ziel sind. Um diese nach hohen Datenschutz- und Sicherheits-Standards zu betreiben, steht im Optimalfall ein 24/7 Team aus Spezialisten zur Verfügung. Und damit sind wir wieder beim Kostenpunkt.

Die Devise lautet also, lieber Schritt für Schritt den Markt bzw. die Märkte erobern, bevor wir uns mit einer unüberlegten Aktion gleich von vorne herein ins Aus schießen. Es bleibt also die Zusammenarbeit mit amerikanischen Lernplattformen - und ein YouTube Kanal.

Euren YouTube Kanal hast du gerade schon einmal erwähnt.

Worum geht es auf eurem Kanal?

Da die Cyttraction Story ohne CyberLab nicht so wirklich interessant ist - wie lange kann man schon Grundrisse und Planungen zeigen, um auf ein Projekt hinzuweisen, ohne dass die Zuschauer einschlafen? - musste also eine andere Story her. Da ich mir als CEO selbst keine Drehgage zahlen muss, aber gleichzeitig auch nicht mit meinem Privatleben im Internet unterwegs sein will, blieb ein interessantes Thema, das auch ohne Reisen funktioniert: Meine mittlerweile mehr als 5 Jahre Erfahrungen in der internationalen Gründerszene.

Dankbarerweise erleben Business und Investment Videos auf YouTube gerade einen Hype. Und natürlich musste das Ganze auf Englisch stattfinden, da wir damit eine Mehrzahl unserer potenziellen Kunden erreichen. Ich werde also bis Ende des Jahres zwei Videos pro Woche posten. Immer unter dem Motto "True Business". Jeweils auf einen Aspekt im Rahmen der Unternehmensgründung gehe ich genauer ein - und freue mich auf die Rückmeldungen der Zuschauer sowie allgemeine Erkenntnisse, wenn es darum geht, noch spannendere Videos zu produzieren.

Schließlich konkurrieren wir mit Cyttraction nicht mit anderen Trainings-Anbietern, sondern wir bewerben uns mit unseren Inhalten um die verfügbare Gesamt-Aufmerksamkeit der Nutzer. Und die ist im digitalen Zeitalter häufig auch von kurzfristigen Trends abhängig.

Aus Marketing-Sicht hoffen wir natürlich, dass wer sich für Business-Themen interessiert auch Risiko-Themen rund um sein Unternehmen interessant findet und vielleicht später Spaß an unseren CyberLab Videos hat. Meine Erfahrungen mit meinem Blog Digitalisierung jetzt! haben gezeigt, wie wichtig eine gute Community ist und wie viel man darauf aufbauen kann.

Und wie geht es mit dem estnischen Teil von Cyttraction weiter?

Der wächst nebenbei unabhängig weiter und macht Umsätze mit Online-Workshops und unserer Social Learning Integration auf Basis von Microsoft 365. Hiermit begeistern wir vor allem Unternehmen mit besonders hohen Sicherheits-Anforderungen. Wir sind also ein bisschen Oldschool in Europa unterwegs und digital ganz weit vorne in den USA.

So können aus strategischer Sicht also schon mal 2 Firmen unter 1 Marke 2 Märkte erobern und mit jeweils eigenem Budget stetig wachsen.

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 Carolin Desirée Töpfer

Carolin Desirée Töpfer

CEO/ CTO, Cyttraction