Flache Hierarchien in Unternehmen 6 Tipps zur Implementierung von flachen Hierarchiestrukturen

Autor / Redakteur: Petra Menzel* / Alicia Weigel

In Stellenanzeigen steht häufig: „Wir bieten flache Hierarchien, offene Kommunikation und kurze Entscheidungswege“. Aber nur wenige Unternehmen setzen das tatsächlich erfolgreich um. Doch warum? Und wie funktionieren flache Strukturen wirklich?

Firma zum Thema

Flache Hierarchiestrukturen werden immer wichtiger in Unternehmen. Denn: Mitarbeiter brauchen mehr Freiraum und Eigenverantwortung.
Flache Hierarchiestrukturen werden immer wichtiger in Unternehmen. Denn: Mitarbeiter brauchen mehr Freiraum und Eigenverantwortung.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Unter einer flachen Hierarchie ist eine betriebliche Organisationsstruktur zu verstehen, in der es nur wenige Führungsebenen gibt. Idealerweise existiert kein klassisches starkes Gefälle zwischen Vorgesetzten und Angestellten. Vielmehr steht hier die Idee im Zentrum, ein Unternehmen in seiner Entwicklung sehr frei zu belassen und Mitarbeiter nicht durch Führungsrestriktionen in ihrer Kreativität und ihrem Schaffensreichtum zu beschränken. Das ist nicht nur der Wunsch vieler Angestellter, auch für Führungskräfte ist das verlockend. Sie tragen weniger Verantwortung, da das Team gemeinsam und eigenständig Entscheidungen trifft. Doch gerade in der heutigen Zeit, in der der Agilitätsansatz immer beliebter wird und oft als Must-have für den Erfolg betrachtet wird, kann ein gut gemeinter Strukturwandel zu einer flachen Hierarchie schnell zu Chaos und Unzufriedenheit führen.

Flache Hierarchien und ihre Vorteile

Oftmals steckt hinter flachen Hierarchien der moderne Führungsbegriff „Lean Management“, also ein Weg zu einer schlanken Organisation. Dazu zählt auch, ungenutzte Kreativität der Mitarbeiter einzusetzen und sie durch Freiheit und Selbstorganisation zu fördern. So erhält jedes Teammitglied mehr Handlungsspielraum und alle werden in Entscheidungsprozesse eingebunden. Unternehmen mit flachen Hierarchien profitieren hier von verkürzten, direkten Kommunikations- und Entscheidungswegen und der daraus resultierenden Möglichkeit, schneller auf kurzfristige Ereignisse reagieren zu können. Diese erhöhte Flexibilität und Unabhängigkeit bedingen zwar eine höhere Notwendigkeit für Eigenverantwortung, tragen aber zu einem ideenreicheren und effektiveren Arbeitsklima bei. Deshalb ist die Einführung flacher Strukturen auch so beliebt.

Flache Struktur – oft missverstanden

Ein großer Nachteil flacher Hierarchien ist, dass sie häufig missverstanden und falsch umgesetzt werden. So gilt es Veränderungen nicht nur auf dem Papier einzuführen, sondern auch wirklich im Unternehmen zu leben. Ansonsten laufen Prozesse genauso ab wie vorher, nur weniger strukturiert bis chaotisch. Das liegt daran, dass es keine geregelte Aufgabenzuweisung mehr gibt und sich niemand verantwortlich fühlt. Auch wenn Entscheidungsprozesse hier schneller vonstattengehen sollen, kann es durch unklare Aufgabenverteilung und das Mitwirken aller bei Entscheidungen zu schwerfälligen und langwierigen Diskussionen kommen. Auch fällt es manchen Führungskräften schwer, ihre Position, Verantwortung und Aufgaben abzugeben. Leider behindern sie dadurch aber die Entwicklung und Arbeit der Mitarbeiter und schränken so den potenziellen Erfolg des Unternehmens ein.

Sechs Tipps zur erfolgreichen Implementierung flacher Unternehmensstrukturen

1. Alleinherrscher verbannen

Eine Unternehmensführung, die dogmatisch, intolerant und machtverliebt ist, mag niemand. Der Mensch als soziales Wesen möchte harmonisch mit anderen interagieren. Jeder kennt es, wie es sich anfühlt, mit Fragen alleingelassen zu werden oder mit seinen Anmerkungen nicht gehört zu werden. Nur wenn alle Angestellten im Unternehmen mit ihren Ideen wahrgenommen werden, können sie auch ernsthaft diskutiert und schließlich umgesetzt werden. Deshalb braucht es keinen Alleinherrscher, sondern eine gute Führungskraft, die dem Input eine Plattform bietet.

2. Einsicht: Führung ist nötig

Teilweise herrscht fälschlicherweise die Überzeugung, dass flache Hierarchien völlig führungslos sind. Zwar bedingt die Entwicklung von Unternehmenskulturen der letzten Jahrzehnte eine Veränderung im Arbeitsalltag, bei der Mitarbeiter mehr mitgestalten wollen und auch dürfen. Doch das heißt nicht, dass jeder zum Chef gemacht wird. Stattdessen gibt es weiterhin Menschen in Führungsstellungen, die die Fäden zusammenhalten und stellvertretend für die gesamte Abteilung oder das Team sprechen, handeln und verantwortlich sind. Auch wenn hier Entscheidungsketten nicht völlig aufgelöst werden, kann sich das Team dennoch in vielen Bereichen frei entfalten und Meinungen äußern. Hierzu zählt etwa die Ideenentwicklung. Bei schwierigen Entscheidungen gibt es aber weiterhin eine Führungskraft, die die Richtung vorgibt.

3. Wünsche aller Angestellten berücksichtigen

Zentral für die erfolgreiche Implementierung flacher Strukturen ist die Kommunikation mit Angestellten, um herauszufinden, in welchen Bereichen überhaupt mehr Freiheiten gewünscht sind und wo hingegen klare Prozesse und Vorgaben benötigt werden. Denn auch wenn sich Angestellte häufig mehr Freiheiten wünschen, sind die wenigsten Mitarbeiter Künstler, die in einem freien Raum nach wirklicher Entfaltung suchen. Hier ist es also besonders wichtig, im offenen Austausch Wünsche und Bedürfnisse zu eruieren und eine Struktur zu entwickeln, die zu allen Beteiligten passt.

4. Klare Ziele setzen

Als eine der größten Herausforderungen in flachen Strukturen gilt das Erreichen des Unternehmensziels. Jedes Unternehmen hat den Auftrag, wirtschaftlich zu arbeiten und den Wunsch, ein bestimmtes strategisches Ziel zu erreichen – sei es Marktführer zu werden, mehr Kunden zu gewinnen oder eine neue Technologie zu entwickeln. Doch ohne Ziel und ohne Plan zur Zielerreichung existiert keine Orientierung, sodass Angestellte wertvolle Ressourcen verschwenden, statt ihre Aufgaben zu erledigen. Deshalb müssen alle in ihrem Denken, Handeln und Wirken genau auf das Unternehmensziel hingeführt werden. Trotz aller gewährten Freiheiten braucht es also Leitplanken für das Handeln und die richtigen Ansätze für Kreativität.

5. Geeignete Managementstruktur schaffen

Für effizientes Arbeiten in Unternehmen sind sinnvolle Managementstrukturen und eine gesunde Teamgröße maßgeblich. Doch wie viele Mitarbeiter kann eine Führungskraft wirklich gut führen? Das hängt zwar auch von der individuellen Persönlichkeit der Führungskraft ab, aber es sollten niemals mehr als zehn bis zwölf Angestellte sein. Wer das berücksichtigt, kommt auf eine gesunde Menge von Teamleitern, die der gesamten Organisation Struktur verleihen und sichergehen können, dass alle Teammitglieder einen verlässlichen Ansprechpartner haben.

6. Neues schrittweise einführen

Eine sinnvolle Auflösung von strikten Führungsebenen funktioniert meist am besten, wenn Mitarbeitern nach und nach einzelne Freiheiten gewährt werden. So verläuft der Wandel zu flachen Strukturen schrittweise, bis die gewünschte Organisationsform erreicht ist. Jede Veränderung oder Neueinführung kann somit stets danach bewertet werden, ob sie positive Auswirkungen hat und demnach bestehen bleiben kann oder eher negativ aufgenommen wurde und anzupassen ist. Es bedarf also einer äußerst bewussten und aufmerksamen Einführung von flachen Organisations- und Führungsstrukturen.

*Petra Menzel ist Geschäftsführerin der Gordion Projects GmbH.

(ID:47786707)