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Die Medien-Revolution und ihre Konsequenzen Alles digital, oder was?

| Autor / Redakteur: Thomas Koch / Natalie Wander

Wir erleben die größte Medien-Revolution seit Erfindung des Buchdrucks. Viele hatten es vorhergesagt: Die ersten Printmedien werfen das Handtuch. Print befindet sich, wie alle Medien, in einer Transformationsphase. Wie aber werden unsere Medien nach dieser Transformation aussehen?

Zeitungen können über das iPad gelesen werden – die Medien-Revolution ist in vollem Gange. Doch welche Auswirkungen hat dies auf unser Verhalten?
Zeitungen können über das iPad gelesen werden – die Medien-Revolution ist in vollem Gange. Doch welche Auswirkungen hat dies auf unser Verhalten?
(Bildquelle: Fotolia © Maksym Yemelyanov)

Welche Konsequenzen können daraus für Marketing, Werbung und die Medienvermarktung abgeleitet werden?

Dass die TV-Nutzung sinkt, ist ein Hinweis darauf, dass das Fernsehen seine Rolle als Leitmedium und Lagerfeuer abgibt. Was sich in Wirklichkeit verändert, sind soziale Strukturen: Die Familie sieht nicht mehr gemeinsam fern. Die Kinder chatten, während die Eltern zwar den Fernseher anhaben, aber jeder vor seinem Laptop und iPad anderen Dingen nachgeht. Die Menschen beginnen, TV wie Radio zu nutzen: Als Nebenher-Medium.

Zudem wandert die Radio-Nutzung vom UKW ins Digitale. An Rechnern und Smartphones haben wir Zugriff auf Tausende Web-Radioprogramme weltweit. Die Funktion des Radio-Mediums als unser Tagesbegleiter verändert sich dabei nicht, wohl aber unsere Loyalität gegenüber einzelnen Sendern. Wir hören künftig Programm, nicht Sender.

Printmedien im digitalen Wandel

Auch die Außenwerbung wird Schritt für Schritt digital. Die Zeiten von Papier-Plakaten sind irgendwann vorbei. Digital Signage kennt Uhrzeit, Wetter, Verkehrsströme. Sie „erkennt“ jeden Konsumenten und seine Bedürfnisse – und leitet ihn zum nächsten Point of Sale.

Die Zeitungen haben bereits den Online-Rubriken-Markt verschlafen. Nun wandert auch der Handel, ihr treuester Anzeigenkunde, ab. Unter nie dagewesenem Kostendruck sparen sie an ihren lokalen Redaktionen – und sich sprichwörtlich zu Tode. Wenn die Verleger weiterhin ihre Redaktionen ausdünnen, hätten sie ihr eigenes Grab geschaufelt. Wenn es in absehbarer Zeit keine regionalen Zeitungen mehr gibt, dann war daran nicht das Internet Schuld, sondern die Unfähigkeit der Verleger zur digitalen Transformation.

Ebenso wie die Zeitungen durchlaufen die Zeitschriften diesen Prozess. Die Dickschiffe verlieren massiv an Auflage. Hörzu, Bunte und Stern haben sich schlicht überlebt. Gleichzeitig nimmt jedoch die Zahl der Titel zu. Die Entwicklung ist klar: Es gibt immer mehr Zeitschriften mit immer geringeren Auflagen. Sie entwickeln sich vom Massen- zum Zielgruppen-Medium.

Die Fachmedien besaßen seit jeher das, worum sie alle Medien beneideten: Eine Community. Sie besitzen die Plattform, auf der sich Fachleute austauschen. Deshalb sind sie dazu prädestiniert, als erste Printgattung die Transformation in die digitale Welt umzusetzen. Der Dialog zwischen Lieferanten und Kunden kann nirgends intensiver vonstattengehen als online: Webseite, Diskussions-Foren, Newsletter, Unternehmens-Blogs, Datenbanken und Social Media. Gedruckte Fachzeitschriften werden angesichts der Überlegenheit dieser digitalen Kommunikationsmittel bald obsolet.

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