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Thought-Leader-Stories „Als Thought Leader muss man den Mut haben anzupacken und neue Wege zu gehen“

| Redakteur: Georgina Bott

Thought Leadership – was bedeutet das eigentlich? In der Artikelserie „Thought-Leader-Stories“ zeigen wir Erfolgsgeschichten von Thought Leadern aus B2B-Unternehmen. In diesem Teil der Serie sprechen wir mit Michael Schran von castwerk im Interview darüber.

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Michael Schran ist Geschäftsführer von castwerk.
Michael Schran ist Geschäftsführer von castwerk.
(Bild: © Peter Beckmann )

„Wir machen die automobile und urbane Welt leichter“ – das ist das Motto der castwerk GmbH & Co. KG. Michael Schran ist seit der Ausgründung des castwerks aus dem Druck- und Spritzguss Hettich der Geschäftsführer des nordhessischen Spezialisten für Magnesium Druck- und Spritzguss. Die castwerk GmbH & Co. KG hat seine Wurzeln im Hettich Konzern, einem weltweit führenden Hersteller für innovative Möbelfunktionstechnik. Mit ihm sprechen wir über seine Rolle als Thought Leader in der Druck- und Spritzguss Industrie.

Um dem Thema „Thought Leader“ mehr Sichtbarkeit zu verleihen und anderen Hidden Champions Mut zu machen, interviewt ein Team von TBN Public Relations Meinungsführer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und zeigt Erfolgsgeschichten von Thought Leadern auf. In diesem Teil: Michael Schran von castwerk.

Was macht castwerk?

Wir sind das modernste Druck- und Thixomoldingwerk Europas und produzieren Magnesiumdruck- und Spritzgussteile vor allem für die Automobilzulieferer und für die wachsende E-Mobility Branche. Seit 1981 gibt es das Hettich Druck & Spritzgusswerk in Frankenberg, unserem heutigen Standort. Im Jahr 1988 hatte der Firmengründer Anton Hettich dann die Idee, dass man, statt der Bauteile aus Schwermetall, für Möbel auch das deutlich leichtere Magnesium verwenden könnte. Es wurde in die Technologie investiert! Letztlich stellte sich aber heraus, dass die Möbelindustrie nicht das gewünschte Interesse an den leichteren Teilen hatte – ganz im Gegensatz zur Automobilindustrie. Hier hat der Gewichtsaspekt in den letzten Jahren immens an Bedeutung dazugewonnen.

Wie wurde castwerk zum eigenständigen Unternehmen?

Seit 2015 besitzen wir neben unseren Maschinen für Druckgussverfahren die weltgrößte Thixomolding-Maschine für Spritzgussverfahren und können so bei unseren Kunden alle Bedürfnisse in einem Haus abdecken. Im Jahr 2019 wurde dann das komplette Werk auf Magnesium umgestellt, da immer mehr Aufträge zu bearbeiten waren. Und seit Juli 2019 ist castwerk nicht mehr eine Business Unit von Hettich, sondern ein eigenständiges Unternehmen in der Hettich Unternehmensgruppe mit bereits mehr als 160 Mitarbeitern. Wir haben uns innerhalb von fünf Jahren flächenmäßig verdoppelt und sind gerade dabei ein neues Werk in Frankenberg und in Rumänien zu bauen. Darauf sind wir stolz.

Welches Narrativ haben Sie gewählt, um die Botschaft von castwerk nach außen zu tragen?

Unser Motto, das wir überall kommunizieren, ist: „Wir machen die automobile und urbane Welt leichter“ – und leichter bedeutet, weniger Verbrauch und mehr Reichweite. Wir versuchen immer mit dem Puls der Zeit zu gehen. Gerade sind CO2 Reduktion und E-Mobility wichtige Themen und unser Produkt bietet die Lösung für viele Probleme in diesem Bereich. Wenn Sie schon mal ein Bauteil aus Schwermetall in der Hand hatten, werden Sie fasziniert sein, wie leicht das Magnesiumteil im Gegensatz dazu ist. Die Vorteile liegen auf der Hand. Im Automobilbereich bedeutet das mehr Reichweite beziehungsweise weniger Energieverbrauch. Für E-Roller und E-Bikes gilt das gleiche, zusätzlich ist das reduzierte Gewicht auch für uns Menschen angenehmer. Wer will schon einen E-Roller haben, der 15 Kilo oder mehr wiegt?

Was macht für Sie persönlich einen Thought Leader aus?

Da würde ich gerne ein Zitat von unserem Firmengründer Anton Hettich wiedergeben: „Der Begriff Unternehmer kommt davon, dass man was unternimmt. Sonst würde es Unterlasser heißen“. In meinen Worten: Als Thought Leader muss man den Mut haben anzupacken und neue Wege zu gehen. Man muss einen Weg aufzeigen, den bisher noch niemand gegangen ist und die Menschen gleichzeitig mitnehmen, ihnen die Angst nehmen. Es bringt ja auch nichts, wenn man alleine vorneweg rennt und alle hinter sich lässt. Als Thought Leader gibt man gerne sein Wissen weiter und beeinflusst die Branche damit nachhaltig. Man setzt neue Trends, an denen sich viele andere orientieren können. Ich denke auch, dass man selbstbewusst zu dem stehen sollte, was man tut. Das gibt auch meinen Mitarbeitern die Sicherheit und das Vertrauen mitzugehen.

Und in welchem Bereich kann castwerk als Meinungsführer auftreten?

Ich würde sagen, dass wir uns in den letzten sechs bis sieben Jahren langsam aber sicher zum Thought Leader entwickelt haben. Wir haben unseren Kunden Schritt für Schritt die Angst vor Magnesium genommen und Technologie marktreif gemacht. Ich denke, jeder hat im Physikunterricht mal gesehen wie Magnesium mit Feuer und Wasser reagiert. Bei unseren Produkten besteht selbstverständlich keinerlei Gefahr einer Explosion, aber natürlich hatten viele direkt dieses Bild im Kopf. Das galt es erst mal positiv zu besetzen. Mittlerweile gelten wir als Benchmark für unsere Kunden, für die Kunden unserer Kunden, ja für die ganze Branche.

Wir arbeiten nicht direkt mit den großen, bekannten Automobilherstellern zusammen, aber die Zulieferer bekommen von den Herstellern mittlerweile gesagt: „Ihr bekommt den Auftrag, aber nur wenn ihr mit den Produkten von castwerk arbeitet.“ Die Hersteller kommen sogar extra zu uns ins „kleine“ Frankenberg, um sich die moderne Technologie anzuschauen. Das freut uns natürlich ungemein und wir zeigen dann gerne, was wir so können. Wir wollen uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern versuchen immer wieder neue Felder zu finden, in denen unsere Magnesiumtechnologie Anwendung finden könnte. So ist die E-Mobility Branche, mit einem Marktwachstum von 25 Prozent im Jahr, für uns gerade ein perfekter Ausgleich zum Schwächeln der Automobilindustrie.

Gerade auf Messen merken wir doch immer wieder, dass der Großteil der Druck- und Spritzgussunternehmen noch auf Schwermetalle setzt. Wir glauben, die Branche hat den Wandel etwas verschlafen. Und wir wollen diesen Dornröschenschlaf beenden und andere wachrütteln!

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei der Positionierung als Thought Leader?

Wir bemühen uns alle Mitarbeiter mitzunehmen. Denn das Tempo in dem wir wachsen, beeinflusst auch das Tempo in dem wir arbeiten. Dafür setzen wir auf die Methoden des New Work – wir möchten das alle Mitarbeiter gleichberechtigt sind und mit in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Natürlich gibt es bei uns auch leitendes Personal, wir versuchen aber auf den Begriff der Führungsposition zu verzichten. Unsere Strategieworkshops, die sonst nur dem Management vorbehalten waren, öffnen wir mittlerweile für Mitarbeiter aus der Produktion, der Verwaltung etc.

Denn diese Transparenz führt dazu, dass sich die Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und motivierter in die „Arbeit“ kommen. Wie bereits erwähnt bringt es nichts, wenn ich als Geschäftsführer vorauslaufe aber meine Belegschaft hinter mir zurückbleibt. Oder wenn ich eine hohe Flexibilität für das Unternehmen fordere, diese Flexibilität den Mitarbeitern aber nicht zugestehe. Da müssen intern Unsicherheiten abgebaut werden und auch Verantwortung übertragen werden. Wenn man immer auf denselben Pfaden wandert, kann zwar nichts passieren, gleichzeitig wird es dann aber auch schnell langweilig. In unserer heutigen Welt, mit sich ständig ändernden Rahmenbedingungen, muss man als Unternehmen anpassungsfähig bleiben.

Welche Marketingmaßnahmen nutzen Sie?

Unser Produkt ist teilweise etwas erklärungsbedürftig. Deswegen setzen wir bisher vor allem auf den persönlichen Kontakt. Angefangen hat das mit einer Kooperation zwischen dem Fachbereich Gießerei Technik der Universität Kassel. Wir hatten eine kleine gemeinsame „Tour“ und sind mit unserem Wissen durch Unternehmen, Universitäten und Kongresse gezogen. Mittlerweile müssen wir uns nicht mehr selber einladen, sondern werden als Experten zu den großen Tagungen und Veranstaltungen gebeten. Wir haben über diesen Zeitraum Schritt für Schritt unsere Position als Thought Leader ausgebaut. Heute kommen die großen Automobilhersteller zu uns, um etwas zu lernen.

Zudem kommen die großen, regionalen Tageszeitungen sowie Fachzeitschriften wie die Automobilwoche auf uns zu, um Interviews zu führen. Gleichzeitig setzen wir natürlich auch auf eine digitale Strategie. Social Media und unsere Website sind die wichtigsten Instrumente für uns – hier teilen wir unsere neusten Erfolge und unser Wissen mit einer großen Gemeinde. Das ist uns wichtig, denn wir wollen die Branche von innen heraus revolutionieren und nicht nur punktuell agieren.

Sie sind ja noch ein recht junges Unternehmen, aber mit der Stabilität eines Weltmarktführers im Rücken. Welche Maßnahmen wollen Sie in Zukunft angehen? Und welche Vision haben Sie für das Unternehmen?

Die Punkte auf der 15-Jahres-Roadmap, die wir vor fünf Jahren verabschiedet haben, sind jetzt schon alle abgehackt. Wir haben nun eine dynamische Roadmap, die auf Veränderungen passgenau reagieren kann. Denn auch der Markt in dem wir arbeiten ist dynamisch. Der Markt für E-Mobility wächst rasant, was heute Gesetz ist, gilt morgen schon nicht mehr. Für uns erschließen sich quasi täglich neue Einsatzgebiete, da braucht man einfach ein gewisses Maß an Flexibilität.

In unserer Thought Leader Rolle wollen wir uns weiterentwickeln. Zum einen soll sich castwerk in der überregionalen Öffentlichkeit etablieren und zu DER Marke für nachhaltigen Magnesiumspritzguss werden. Zum anderen wollen wir aber auch weiterhin den Kontakt zu unserer Holding Hettich betonen – in instabilen Zeiten wie diesen, strahlt ein solider und beständiger Partner wie die Hettich Gruppe die Zuverlässigkeit aus, die sich unsere Kunden wünschen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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