Artikel Chief Digital Officer

Die zentrale Position in der digitalen Strategie

| Autor / Redakteur: Stefan Behrendt / Heinrich Morgenroth

In vielen Unternehmen sind die Digitalisierungsinitiativen meist nicht ausreichend miteinander vernetzt
In vielen Unternehmen sind die Digitalisierungsinitiativen meist nicht ausreichend miteinander vernetzt (Bildquelle: Pixabay CC0 Public Domain)

Mit der Digitalisierung erfolgt die interne und externe Vernetzung von Personen, Daten, Produkten und Prozessen. Wer überwacht die unterschiedlichen Aktivitäten und richtet sie im Sinne der Unternehmensstrategie aus? Der Chief Digital Officer, oder kurz CDO. Im Interview verortet der Atheneum-Experte Stefan Behrendt die neue Funktion im Unternehmen.

Stefan Behrendt: Ein Chief Digital Officer ist ein Top-Manager, der für die unternehmensweite Digitalisierung verantwortlich ist. Um sicherzustellen, dass alle digitalen Aktivitäten auf die Unternehmensstrategie ausgerichtet sind, ist die Führungskraft idealerweise auf Vorstandsebene angesiedelt. Zu den Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung gehören v.a. Change Management, Customer Relationship Management, Produktinnovationen und Prozessautomatisierung.

Atheneum: Warum ist eine erhöhte Bedeutung von Chief Digital Officers in Unternehmen relevant?

Mit der ersten Welle des Internets nutzten meist nur einzelne Abteilungen, wie z.B. das Marketing, digitale Technologien in der täglichen Praxis. Seitdem soziale Netzwerke, mobile Technologien und Cloud-Applikationen sich etabliert haben, muss sich das ganze Unternehmen mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Da aus der Digitalisierung die interne und externe Vernetzung von Personen, Daten, Produkten und Prozessen folgt, werden folgende Maßnahmen erforderlich:

  1. Entsprechende Einzelinitiativen in den Abteilungen des Unternehmens miteinander zu verbinden
  2. Die Kommunikation der Beteiligten zu fördern
  3. Aktivitäten auf die Unternehmensstrategie abzustimmen

Dies sind die Aufgaben eines Chief Digital Officers.

In der Chief-Digital-Officer-Studie, die DSP-Partners gemeinsam mit Heidrick&Struggles erstellt hat, zeigt der Unternehmensalltag etwas anderes.

Richtig. Die deutschen Dax30 und MDax50 Unternehmen haben noch einen weiten Weg vor sich: Nur in 5% dieser Unternehmen ist eine übergreifende Funktion eines CDO eingerichtet worden. Keiner dieser ManagerInnen ist jedoch im Vorstand angesiedelt, sondern auf der 2. oder 3. Hierarchieebene im Unternehmen. Nur bei einem der 80 untersuchten Unternehmen ist eine dem CDO vergleichbare Position auf Vorstandsebene etabliert. In 79% der Fälle sind die digitalen Aktivitäten somit auf verschiedenste Funktionen im Unternehmen verteilt, meist in der 2ten oder 3ten Hierarchieebene – dies erschwert eine konsequente Digitalisierung.

Wie äußert sich das für Hersteller aus der Industrie, oder auch Healthcare-Unternehmen?

Die Position eines Chief Digital Officers ist für die etablierten Unternehmen sinnvoll, die insgesamt noch über einen geringen Reifegrad in Bezug auf die Digitalisierung verfügen (z.B. im Bereich der produzierenden Industrie oder Healthcare-Firmen). Aber auch für Unternehmen, die bereits eine gewisse Anzahl an digitalen Initiativen gestartet haben, ist eine Bündelung der Aktivitäten durch CDOs erstrebenswert, um diese miteinander zu verzahnen (z.B. im Bereich Telekommunikation oder Medien). Mit zunehmender Unternehmensgröße und Komplexität steigt auch die Relevanz für diese Position. Ein Vorbild können etablierte Unternehmen in Start-ups sehen, die heute per se Digitalunternehmen sind.

Sie sprechen Versäumnisse an, dass die digitale Strategie in Unternehmen nicht ganzheitlich betrachtet wird. Welche Schritte schaffen am konkreten Beispiel Abhilfe?

Ein gutes Beispiel sind die in vielen Unternehmen stark voneinander getrennten Geschäftsfunktionen Marketing/Vertrieb/Design/Produktmanagement einerseits und Technik andererseits. Dies betrifft sowohl die Produktentwicklung als auch den Kundenkontakt. Ein Chief Digital Officer wird in diesem Fall der Initiator für die Einführung von Methoden sein, die Technik und Geschäftsfunktionen in einen engen Austausch und eine gemeinsame Zusammenarbeit bringen. Dies kann durch „Design Thinking“ (=empathisches Kundenverständnis) und agile (Software-) Entwicklungsmethoden wie Scrum geschehen. Ziel ist es hierbei, interdisziplinäre Teams zu bilden, die Aufgaben dynamisch und iterativ lösen. Dies bedeutet, dass nicht erst mit hohem Aufwand Dinge spezifiziert werden, die später nicht umsetzbar sind oder beim Kunden keine Akzeptanz finden. Vielmehr werden Ideen in kleinen Schritten entwickelt und sofort beim Kunden getestet. Diese Vorgehensweise sowie der Einsatz von Collaboration-Tools erlaubt es auch, unterschiedliche Initiativen im Unternehmen in kleineren Zeitabständen miteinander abzugleichen und gegebenenfalls leicht Anpassungen vorzunehmen.

Wo braucht es noch Vorreiter in der Organisationsentwicklung?

Obwohl in vielen Unternehmen an verschiedenen Stellen Digitalisierungsinitiativen gestartet werden, sind diese meist nicht ausreichend miteinander vernetzt. Die Know-how Träger und Verantwortlichen in Bezug auf die Digitalisierung sind in der Organisationshierarchie nicht hoch genug angesiedelt und erreichen so keine ausreichende Wirkung, da sie sich mit anderen Initiativen abstimmen müssen. Hinzu kommt, dass der Kenntnisstand der Mitarbeiter in traditionellen Industrien in Bezug auf die Einsatzmöglichkeiten und die Umsetzung von digitalen Technologien und Produkten durch Trainings und v.a. eigenes Ausprobieren und Lernen verbessert werden muss.

An welchem Punkt der Wertschöpfungskette ist ein CDO besonders wichtig? Worauf sollte hier Wert gelegt werden?

Die Digitalisierung durchzieht (künftig) alle Unternehmensbereiche, daher ist es erforderlich den Überblick über alle entsprechenden Initiativen zu erhalten. Gleichwohl sind in vielen Unternehmen die extern orientierten Bereiche wie Marketing in der Digitalisierung schon fortgeschritten. Wichtig ist es, die Digitalisierung auch in Querschnittsfunktionen wie z.B. Personal oder Finanzen voranzubringen und auch den Einsatz moderner, cloudbasierter Collaboration-Tools für z.B. Dokumentenmanagement und Projektzusammenarbeit zu forcieren.

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