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Täuschung durch Informationsquellen im Internet Augen auf im (Social)-Web

| Autor / Redakteur: Heiko Burrack / Natalie Wander

Was im Internet steht, das stimmt. Dort steht es ja meistens auch schwarz auf weiß. Zweifel kommen erst gar nicht auf. Genau aus diesem Grund sind Empfehlungen beispielsweise über Facebook, Twitter und Co. so wichtig. Nach einer Deloitte-Studie sind 80 Prozent der Kaufentscheidungen von Kundenrezensionen abhängig.

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Vorsicht! Bewertungen und Informationen über das Web sind nicht immer glaubhaft.
Vorsicht! Bewertungen und Informationen über das Web sind nicht immer glaubhaft.
(Bild: VBM-Archiv)

Knapp 70 Prozent der Befragten geben online erscheinende Unternehmensrezensionen an Familienmitglieder und Freunde weiter.

Hierzu eine wahre Geschichte: Naht der 1. Mai, so stellt sich, besonders wenn man mit einer Rheinländerin verheiratet ist, die Frage nach dem Maibaum. (Eigentlich stellt sich diese Frage Verheirateten nicht mehr, aber manchmal muss man Konventionen brechen.) Wie verhält sich dies aber in einem Schaltjahr? Bekommt dann der Mann von seinem (zukünftigen) Weibe eine Birke geschlagen und geschmückt? Dieser Behauptung einer Freundin vom Rand des Rheinlandes glaubte meine Frau nur sehr bedingt. Kann eine Internet-Tatsache vielleicht mehr Vertrauen erwecken? Ein Freund schickte einen Link, in dem im Wikipedia-Stil schwarz auf weiß zu lesen war, in einem Schaltjahr werden die Jungs beschenkt. Mit einem passenden Bild veranschaulicht erzielte die Seite, die Teil eines großen Ratgebers war, die gewünschte Wirkung. Aus dem eben noch belächeltem Unsinn wurde für meine Frau eine fast 100 prozentige Gewissheit.

Die Schaltjahrs-Behauptung ist natürlich Mumpitz. Männer werden zum 1. Mai für immer Birken schlagen und schmücken müssen. Was war passiert: Dem Freund, der den Link schickte, gehört auch die Domain. Nachdem er von der Behauptung hörte, kopierte er aus Wikipedia den Text zum Stichwort „Maibaum“, fügte ein Bild ein und ergänzte den Text mit den entscheidenden Sätzen. In zwei Minuten war alles getan.

Natürlich ist das Internet als Informationsquelle wichtig. Transparenz besteht aber nur oberflächlich. Nicht ohne Grund bieten Agenturen ihren Kunden an, in den unterschiedlichen elektronischen Marktplätzen für positive Bewertungen zu sorgen. Ein zur Not gekauftes Produkt kann man meist innerhalb von zwei Wochen zurückschicken. Ganze Portale leben von der Wichtigkeit der Bewertungen. Dies gilt nicht nur für Reisen, sondern auch für solche die Schüler, Ärzte und Lehrer im Fokus haben. Konsumenten müssen folglich immer genauer hinschauen. Aber nicht nur bei Portalen ist dies notwendig. Follower bei Twitter oder Automatisierung der Tweets? Freunde oder Likes bei Facebook? Frauen, die sich den Namen ihres Lovers auf die Brust schreiben und dies posten? – Kein Problem, weil es für all das Dienstleister gibt. Also Augen auf im Web. Was Konsumenten recht ist, ist Marken und Unternehmen nur billig. Gerade wenn es um eine Markenpositionierung oder ein Image einer Firma geht, haben gute Einschätzungen eine steigende Bedeutung. Da das Internet nichts vergisst, kann das Image als guter Arbeitgeber und als Marke schnell, nachhaltig leiden. Eine kleine, eigentlich unbedeutende, aber negative Kundenäußerung kann bei einer Google-Suche auf der ersten Suchseite und vielleicht sogar als einer der ersten Artikel gerankt werden. Da man solche Einträge nur schwer löschen kann, hilft nur nach unten „verdrängen“. Das ist aber teuer und beansprucht viel Zeit.

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Über den Autor:

Heiko Burrack (Diplom-Kaufmann) ist Gründer von Burrack NB-Advice und berät Agenturen und Unternehmen, die ihre Kernleistung im Marketingbereich haben, bei der strategischen und operativen Neukundengewinnung. Er ist außerdem als Referent, Trainer und Coach tätig.

Zuletzt hat er das Buch „Die Werbepropheten und ihre dröhnenden Lautsprecher“ veröffentlicht.

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