Audioqualität und Sprachfähigkeit Brand Building fürs Ohr

Ein Gastbeitrag von Tilo Bonow*

Seit der Pandemie wird die Audioqualität nicht nur bei Videokonferenzen zu einem der wichtigsten Elemente der Kommunikation, sondern und vor allem auch seit dem Boom der Podcasts. Was dabei zu beachten gilt, erläutern wir hier.

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Brand Building fürs Ohr ist deshalb so wichtig, denn alleine durch die Stimme eines Menschen kann man Bilder im Kopf anderer Personen entstehen lassen.
Brand Building fürs Ohr ist deshalb so wichtig, denn alleine durch die Stimme eines Menschen kann man Bilder im Kopf anderer Personen entstehen lassen.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Grundsätzlich gilt: Ton vor Bild. Ein Video kann verwackelt oder unscharf sein, aber ein schlechter oder rauschender Ton lässt die Zuhörer abschalten und den Gesprächspartner als “unangenehm” empfinden”. Eine tiefe, sonore, kräftige Stimme schafft Sympathie und lässt aufhorchen. Das gilt sowohl für Frauen, wie Männer. Frauen mit tiefen Stimmen gelten als sexy. Bestes Beispiel war Marlene Dietrich, die mit ihrer zerbrechlichen, rauchigen Stimme Männer wie Frauen faszinierte. Männer mit tiefen Stimmen strömen Ruhe und Gelassenheit aus und verkörpern Abenteuer und Gefahr. Wer nur der Stimme eines Menschen lauscht, lässt sofort Bilder der Person im Kopf entstehen.

Stimme fürs Personal Branding

Als der erste Podcast erschien, hätte niemand geglaubt, dass dieses Format so erfolgreich werden könnte. Mittlerweile gehören sie zum täglichen Kommunikationsrepertoire in der PR, sind aber auch Kanal für die eigenen Informationen an Kund:Innen. Wer seine eigene Stimme für das Personal Branding einsetzt, sollte vor allem auf die Tonqualität achten. Genauso wie ein verwackeltes oder unscharfes Bild als unprofessionell gesehen wird, sind Rauschen und hohe Tonfrequenzen im Ohr unangenehm. Aus diesem Grund werden Personen, die viel in den Medien sprechen oder zu hören sind, geschult. Schauspieler:Innen erhalten ein Stimmtraining, professionelle Redner:Innen zusätzlich ein Medientraining. Umso prägnanter die Stimme, umso größer ist die Wiedererkennung. Beispiele besonderer Stimmlagen gibt es in der Medienwelt zuhauf: Verona Pooth ist vor allem für ihre hohe Stimmlage bekannt, ein Helmut Schmidt war es für seine verrauchte tiefe Stimme. Will ich mit meiner Stimmer Akzente setzen, sollte ich sie schulen und lernen, wie ich meine Stimme am effektivsten einsetze.

Raumklang ohne Raum

Warum der Sound und die Tonqualität in der Kommunikation so wichtig sind, zeigt auch das neue Feature von Clubhouse, mit dem die fast in Vergessenheit geratene App nun wieder punkten möchte. Community-Mitglieder von Clubhouse können ab sofort ihre Räume in dreidimensionalem Surround-Sound erleben. Durch den erzeugten 3D-Sound werden Sprecher an unterschiedlichen Positionen im Raum wahrgenommen.

Dieser Audio-Effekt vermittelt der Community den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein. Es klingt ähnlich wie der 3D Sound im Kino. Die Zuhörenden nehmen das Gespräch viel lebensechter wahr. In diesem Fall wird viel Technik eingesetzt, um dieses 3D-Sorround System zu erleben: Spatial Audio separiert die einzelnen Sprecher:innen und teilt ihnen unterschiedliche Positionen in der akustischen Raumwahrnehmung zu. Die Musik- bzw. Stereoquellen werden ebenfalls positioniert und behalten ihre Stereotrennung bei. Die Positionierung der Sprecher:innen und der Klänge in einem Raum erfolgt über einen Algorithmus, der unterschiedliche Faktoren berücksichtigt, wie zum Beispiel die Anzahl der Zuhörer:innen und Sprecher:innen. Dadurch nimmt der Zuhörer die Klänge aus unterschiedlichen Richtungen wahr. Ein Kinoerlebnis für die Ohren, dass die virtuellen Gespräche auf ein anderes Niveau heben.

Betonungen als Stilelement nutzen

Wer in der Öffentlichkeit spricht, bei dem sind die Worte, die gesagt werden, der Schlüssel zum Erfolg. Daher ist es nur logisch, dass jedes einzelne Wort, das gesagt wird, auch gehört werden muss. Wenn zu schnell gesprochen oder nicht genug Luft geholt wird, bevor alle Worte ausgesprochen sind, wird die Enden der Sätze zu kurz werden lassen, und die Zuhörenden werden nicht verstehen, was der Sprecher sagen will.

Übung für den Tonfall

In unserer beruflichen Laufbahn gibt es so viele Fähigkeiten, die wir erlernen müssen, und jede Fähigkeit erfordert Übung. Effektives Üben setzt Selbstdisziplin voraus, eine Fähigkeit, die für den Erfolg in allen Bereichen des Lebens erforderlich ist, unabhängig davon, ob es sich um eine körperliche oder geistige Fähigkeit handelt. Wer bereit ist, sich anzustrengen, wird höchstwahrscheinlich mit dem, was er/sie tut, Erfolg haben. Das gilt für das Sprechen und Präsentieren in der Öffentlichkeit ebenso wie für das Geigenspiel oder den 200-m-Hürdenlauf.

Früh übt sich

Das Talent, überzeugend zu sprechen, ist eine wichtige Fähigkeit, und zwar nicht nur für Politiker, Wirtschaftsführer und Lehrer. Sie ist für jeden wichtig, denn fast jeder wird irgendwann in seinem Leben andere überzeugen müssen. Und doch werden diese entscheidenden Fähigkeiten in den Schulen und in einem Lebensabschnitt, in dem die Schüler:innen oft am empfänglichsten sind, oft nicht gefördert bzw. gelehrt. In den USA oder auch Großbritannien gehört das Diskutieren und sich auf der Bühne mit anderen Mitstreitern auseinanderzusetzen zum Lehrplan. Hier darf sich Deutschland auf jeden Fall mehr für die aktive Förderung des ausdrucksstarken Auftretens und überzeugenden Redens engagieren. Öffentliches Reden kann nicht früh genug vermittelt werden.

Eine klare, selbstbewusste Sprechstimme ist eine wichtige Lebenskompetenz, die das Selbstwertgefühl und das persönliche Selbstvertrauen fördert.

4 Tipps zum Stimmtraining

  • 1. Ausreichend trinken, damit der Kehlkopf immer feucht bleibt. 1,5 Liter pro Tag sind optimal. Während einer Ansprache, immer ein Glas stilles Wasser bereitstellen
  • 2. Ruhig durch die Nase einatmen. So wird die Luft erwärmt, bevor sie in die Lunge kommt.
  • 3. Entgegen der üblichen Meinung ist Kamillentee kein gutes Getränk für die Stimme. Es entzieht dem Kehlkopf Feuchtigkeit. Das gilt auch für Kaffee und alle weiteren koffeinhaltigen Getränke
  • 4. Alkohol, Zigaretten und scharfes Essen können den Kehlkopf reizen. Sie führen allerdings auch bei vielen zu der prägnanten rauchigen Stimme. Allerdings sind diese Substanzen vor allem bei Live-Gesprächen eher kontraproduktiv, da oftmals mit räuspern und husten verbunden.

*Tilo Bonow ist CEO bei Piabo PR.

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