Interview

Welche Bedeutung hat die Blockchain im Marketing?

| Redakteur: Georgina Bott

Die Blockchain-Technologie ist ein dezentrales Netzwerk zur Entscheidungsfindung mittels mehrerer Beteiligter.
Die Blockchain-Technologie ist ein dezentrales Netzwerk zur Entscheidungsfindung mittels mehrerer Beteiligter. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Aktuell ist Blockchain in aller Munde. Gerade im Finanzsektor und auch im Industrie-Bereich wird sie immer stärker eingesetzt. Wir wollten wissen, welche Bedeutung die Blockchain für das Marketing haben kann und haben deshalb im Interview mit Clemens Kaiser nachgefragt.

Wie funktioniert die Blockchain-Technologie? Welches Potenzial bietet sie für das digitale Marketing? Und wie sollte die Blockchain eingesetzt werden, um die Effizienz im Marketing zu steigern? Das wollten wir von Clemens Kaiser, Client Success Specialist bei adlicious, im Interview erfahren.

Aus der Sicht eines Datenexperten: Wie funktioniert Blockchain noch einmal ganz genau?

Clemens Kaiser: Kurz und knapp formuliert: Die Blockchain-Technologie ist ein dezentrales Netzwerk zur Entscheidungsfindung mittels mehrerer Beteiligter. Das bedeutet, dass eine Partei nicht mehr die alleinige Macht hat, Transaktionsprozesse oder Abwicklungsverfahren zu bestimmen, sondern diese auf viele unterschiedliche Personen aufgeteilt wird.

Die vollständige Transparenz der Daten ist notwendig, damit die Blockchain funktioniert. Das hat unter anderem auch den Vorteil, dass alle Beteiligten das gleiche sehen, um gegenseitig Transaktionen bestätigen zu können. Auch nach außen hin ist eine richtige Blockchain öffentlich einsehbar.

Dabei gibt es unterschiedliche Verfahren und Blockchains, mit denen diese Bestätigung durchgeführt wird. Die bekannteste Blockchain ist dabei wohl Bitcoin, ein dezentrales Netzwerk für Bezahlungen mithilfe einer digitalen Währung. Dabei wird der SHA256 Algorhytmus benutzt. Er gibt vor, welche Daten in die Blockchain reingeschrieben werden, wie diese gegenseitig zu bestätigen sind und ob eine Transaktion stattgefunden hat.

Hier ein Beispiel, um es anschaulicher zu machen: Nutzer A überweist Nutzer B Geld. Im klassischen Fall würde diese Transaktion von einer Stelle bestätigt werden (Bank). In der Blockchain wird diese Transaktion aber in einen sogenannten Block geschrieben. Dieser Block wird dann allen im Netzwerk gezeigt und diese überprüfen ob der Vorgang tatsächlich stattgefunden hat. Denn jeder Nutzer im Netzwerk kann aufgrund der Transparenz die Geldbewegungen nachvollziehen. Wenn dies der Fall ist, übernehmen diese Nutzer die Entscheidung und schreiben diese Information ebenfalls in ihre Blöcke (Synchronisierung mit dem Netzwerk). In diesem Fall ist der Konsens erreicht und die Transaktion ist von den Nutzern innerhalb des Netzwerks bestätigt anstatt von einer einzigen Stelle.

Clemens Kaiser ist Client Success Specialist bei adlicious und betreut internationale Kunden in der Analyse und Optimierung von Kampagnen aus Bereichen, wie Fashion, Travel oder Recruiting.
Clemens Kaiser ist Client Success Specialist bei adlicious und betreut internationale Kunden in der Analyse und Optimierung von Kampagnen aus Bereichen, wie Fashion, Travel oder Recruiting. (Bild: adlicious)

Welches Potenzial hat die Blockchain-Technologie im Online-Marketing?

Besonders im Online-Marketing, wo viele Daten erzeugt werden, ist der Einsatz von Blockchain gut umsetzbar, da viele Daten aktuell nur von einer einzigen Quelle bestätigt werden. Dadurch kann das Vertrauen in diese Daten deutlich erhöht werden. Als Beispiel können hier AdFraud-Anbieter genannt werden, welche zurzeit zentral durch eine Instanz KPIs wie Viewability, Impressions und Brand-Safety bestätigen. All diese Daten könnten auch dezentral durch ein Blockchain verifiziert werden.

Wie muss Blockchain im Marketing konkret eingesetzt werden, sodass Effizienz und Effektivität von Marketingkampagnen gesteigert werden?

Zum einen müssen die technischen Anforderungen an die Blockchain gegeben sein, damit diese überhaupt effektiv arbeiten kann. Im Fall von Programmatic Advertising ist hier die Geschwindigkeit der Bestätigung von Ereignissen innerhalb der Blockchain der wichtigste Faktor. Das hohe Aufkommen an Daten erfordert eine sehr schnelle Verarbeitung innerhalb der Blockchain, was aktuell nur über Umwege möglich ist. Hierbei sind Updates für die Blockchain eine mögliche Lösung. Diese Updates ändern grundlegende Einstellungen der Blockchain, um Verarbeitungsmechanismen zu verändern und dadurch den Prozess der Bestätigung zu beschleunigen.

Zum anderen sind die Kosten dabei zu beachten, denn der Betrieb einer Blockchain erzeugt Kosten, die im Verhältnis zum Mehrwert der Blockchain stehen sollten. Das Stichwort heißt hier Return of Investment (ROI).

Außerdem ist wichtig, wie sicher die eingesetzte Blockchain ist. Dieses kann über eine Skalierung der Rechenleistung innerhalb des Netzwerkes erreicht werden. Jedoch führt diese Skalierung zu einer Erhöhung der Sicherheit und gleichzeitig zu einer Verlangsamung der Blockchain, da mehr Datenmengen durch mehr Nutzer bestätigt werden müssen, als bei einer geringeren Anzahl von Daten.

Können Sie ein konkretes Anwendungsbeispiel im Marketing nennen?

Ein konkretes Beispiel wäre der Einsatz zur Bekämpfung von Ad-Fraud. Werbeanzeigen würden dann nicht mehr als ausgespielt ausgewiesen werden, obwohl dies nicht der Fall war. In diesem Bereich gibt es bereits erste Anbieter, wie zum Beispiel Lucidity, die die Verification mittels eine Pixels, der an das Werbemittel angehängt ist, durchführen. Dieser Pixel schreibt Daten in die Blockchain, welche dort weiter ausgewertet werden.

Eine Prognose: Was muss getan werden, dass Blockchain im Marketing fest verankert wird?

Wie bereits erwähnt, muss die Blockchain im Rahmen von Kampagnen technisch sinnvoll einsetzbar sein. Anbieter von blockchainbasierten Lösungen für Marketing müssen meist zugelassen werden. Bei adtech vendors google ist beispielsweise eine Zertifizierung erforderlich. Anbieter müssen diese also aufgrund der DSGVO aktiv zulassen. Es stellt sich dann die Frage, ob dieses dann noch eine dezentrale Lösung ist, wenn eine zentrale Stelle vorherbestimmt, ob diese überhaupt eingesetzt werden darf. Zusätzlich ist es wichtig, dass der Mehrwert der Blockchain hinsichtlich des ROIs klar deutlich werden muss.

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