Studie „So wirkt Dashboard-Design“

Eyetracking - Die wichtigsten Informationen gezielt darstellen

| Autor / Redakteur: Amy Alberts* / Johanna Erbacher

Die visuelle Aufmerksamkeit von Betrachtern ist bei Webseiten oben links am größten und unten rechts am geringsten.
Die visuelle Aufmerksamkeit von Betrachtern ist bei Webseiten oben links am größten und unten rechts am geringsten. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Datenanalysen und deren Visualisierung mittels Dashboards sind als Entscheidungsgrundlage aus Meetings, Reportings oder Präsentationen nicht mehr wegzudenken. Sie helfen, Argumentationen zu untermauern, wichtige Informationen zu vermitteln und beschleunigen so fundierte Entscheidungen. Doch wie sollte ein Daten-Dashboard idealerweise aufgebaut sein, um die Wahrnehmung seiner Inhalte zu verbessern?

Mithilfe von Datenanalysen können Unternehmen Kundenverhalten besser verstehen, Produktionsabläufe optimieren oder neue Servicemodelle entwickeln. Um datenbasierte Entscheidungen zu fördern, müssen die wirklich wichtigen Ergebnisse einer Analyse schnell erkennbar sein. Doch Business Dashboards verstecken wertvolle Informationen häufig immer noch in endlosen Zahlenreihen oder gleichförmigen grafischen Elementen. Vor diesem Hintergrund liefert die Eye-Tracking-Studie von Tableau mit dem Titel „How to develop a designer’s instinct: A study of dashboards“ einige interessante Ergebnisse, die Analysten beim Design von Dashboards unterstützen sollen.

Wie Betrachter Dashboards wahrnehmen

Bei textbasierten Webseiten folgt der Blickverlauf einem F-Muster. (Visualisierung: dunkle Bereiche symbolisieren eine längere Fixationsdauer)
Bei textbasierten Webseiten folgt der Blickverlauf einem F-Muster. (Visualisierung: dunkle Bereiche symbolisieren eine längere Fixationsdauer) (Bild: Nielsen Norman Group)

Welche Bereiche eines Dashboards werden vom Betrachter bevorzugt ins Auge gefasst? Das untersuchten die Forscher mithilfe eines Geräts, das Augenbewegungen aufnimmt. Dazu verfolgt es den Blickverlauf per Infrarot-Licht und bildet ihn in Form von Fixationspunkten auf dem Dashboard ab. So wird sichtbar, wann Betrachter welche Elemente des Bildschirms wie lange fixieren. Mit ähnlichen Methoden wurden bereits Webseiten untersucht, wobei ein typischer Blickverlauf festgestellt werden konnte: das sogenannte „F-Muster“. Demnach ist die visuelle Aufmerksamkeit des Betrachters bei Webseiten oben links am größten und unten rechts am geringsten.

Die Studie von Tableau zeigt: Dieses F-Muster wird auch beim Betrachten von Dashboards erkennbar. Das bedeutet: Obwohl Management-Dashboards typischerweise vor allem Zahlen und visuelle Elemente wie Grafiken und Diagramme enthalten, werden sie grundsätzlich genauso konsumiert wie textbasierte Seiten. Es kommt also darauf an, den Blick des Betrachters durch die visuelle Gestaltung aktiv auf die relevanten Datenpunkte zu lenken. Welche Formen der Hervorhebung sich dafür am besten eignen, hat die Studie ebenfalls untersucht.

Auch auf einem Dashboard voller grafischer Elemente entspricht der Blickverlauf grundsätzlich dem F-Muster. (Heatmap: hellere Bereiche symbolisieren eine längere Fixationsdauer)
Auch auf einem Dashboard voller grafischer Elemente entspricht der Blickverlauf grundsätzlich dem F-Muster. (Heatmap: hellere Bereiche symbolisieren eine längere Fixationsdauer) (Bild: Tableau Software)

Titel und große Zahlen dominieren grafische Elemente

Die Untersuchung überrascht mit der Erkenntnis, dass die Augen „große Zahlen“, also durch Farbe und Typographie hervorgehobene Ziffern, eindeutig schneller fixieren als grafische Elemente. Insgesamt erfolgte die erste Fixation bei „großen Zahlen“ durchschnittlich eine Sekunde früher als etwa bei Logos, Grafiken, Diagrammen oder Landkarten. Nur der Titel eines Dashboards fällt noch schneller ins Auge.
Außerdem zeigt die Studie, dass gleichartige Visualisierungen den Betrachter ermüden. Bei horizontal angeordneten, visuell sehr ähnlichen Elementen sinkt die Aufmerksamkeit von links nach rechts, bei vertikal angeordneten von oben nach unten. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Elemente, die sich in Form oder Farbe stark von ihrer Umgebung abheben, können die visuelle Aufmerksamkeit des Betrachters auch außerhalb des F-Musters auf sich ziehen. So wird im untenstehenden Beispiel-Dashboard das Diagramm rechts unten mit seinen stark unterschiedlichen Querbalken häufiger fixiert als die plakativen, eher gleichförmigen Längsbalken in der Bildmitte. Wie Unternehmen mit diesen und weiteren Erkenntnissen der Studie ihre Dashboards wirkungsvoller gestalten können, zeigen die nachfolgenden Tipps.

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Das Eye-Tracking enthüllt: Kontrastreiche Elemente können das klassische F-Muster durchbrechen, wenn sie über das Dashboard verteilt werden. (Visualisierung: je größer die Kreise, desto länger die Fixationsdauer)
Das Eye-Tracking enthüllt: Kontrastreiche Elemente können das klassische F-Muster durchbrechen, wenn sie über das Dashboard verteilt werden. (Visualisierung: je größer die Kreise, desto länger die Fixationsdauer) (Bild: Tableau Software)

Vier Tipps für Ihr Dashboard-Design

  • 1. Mit dem Dashboard die Story der Daten erzählen
    Benutzer interagieren mit ihrem Dashboard ähnlich wie mit anderen digitalen Inhalten. Daher ist das Design des Dashboards ebenso wichtig wie die Daten, die darin analysiert werden. Orientieren Sie sich beim Design an der Hauptaussage Ihrer Daten: Passt die Geschichte, die Sie mit Ihren Daten erzählen wollen, zu dem, was das Dashboard aussagt? Spiegelt die Hierarchie im Design Ihres Dashboards die Relevanz der Daten wider? Machen Sie sich bewusst, was Sie mit Ihrer Analyse vermitteln wollen, bevor Sie mit dem Aufbau des Dashboards beginnen.
  • 2. Mit einfachen Mitteln zu mehr Wirkung
    Schon ganz einfache Mittel können die Aufmerksamkeit der Betrachter gezielt auf wichtige Informationen lenken: Wichtige Zahlen sollten möglichst groß dargestellt werden. Informationen, mit denen Sie Ihre Argumentation oder Ihren Bericht beginnen wollen und die als Grundlage wichtig sind, finden sich idealerweise im oberen Teil des Dashboards wieder. Die wichtigsten Informationen sollten zudem in einem F-Muster angeordnet werden. Was außerhalb dieses Musters besondere Beachtung finden soll, wird möglichst kontrastreich gestaltet.
  • 3. Das Design hinterfragen
    Betrachten Sie Ihr Dashboard-Design als Hypothese. Gehen Sie davon aus, dass einiges gut funktioniert und anderes verbesserungsbedürftig ist. Testen Sie diese Hypothese: Zeigen Sie die Gestaltung einem Kollegen. Prüfen Sie, welche Fragen das Dashboard beantwortet. Machen Sie den „Blinzeltest“: Blinzeln Sie mit beiden Augen, bis Ihre Sicht verschwimmt. Was nehmen Sie auf dem Dashboard jetzt noch wahr? So stellen Sie fest, welche Ankerpunkte Ihre Gestaltung dem Blick des Nutzers anbietet.
  • 4. Der Form eine Funktion geben
    Jedes Dashboard folgt einem Gestaltungsprinzip. Es ist spaltenorientiert, zeilenbasiert oder gitterartig angelegt. Machen Sie sich diese innere Form Ihres Dashboards bewusst. Nutzen Sie die Form Ihres Dashboards, um die visuelle Aufmerksamkeit der Benutzer zu lenken. Wenn Sie wissen, dass ein bestimmter Key Performance Indicator (KPI) für den oder die Betrachter besonders wichtig ist, sollte dieser in einem spaltenförmigen Dashboard möglichst weit links oben stehen. In einem rasterartigen Design hingegen können Sie diese Kennzahl freier positionieren.

*Amy Alberts ist User Research Manager bei Tableau.

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