Gründerinnen 2018 – wie weiblich ist die deutsche Start-up-Szene?

18.10.2018

Lübeck, Oktober 2018: Der Anteil von Gründerinnen in der deutschen Start-up-Szene stagniert und nimmt mit rund 18 Prozent weniger als ein Fünftel der Gesamtgründungen 2018 ein – hier klafft ein großes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Das geht aus einer aktuellen Erh

Lübeck, Oktober 2018: Der Anteil von Gründerinnen in der deutschen Start-up-Szene stagniert und nimmt mit rund 18 Prozent weniger als ein Fünftel der Gesamtgründungen 2018 ein – hier klafft ein großes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Wirtschaftsinformationsexperten databyte zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Unternehmensgründern 2018 hervor. Knapp 190.000 Neugründungen fließen in diese Auswertung mit ein. Wie entwickelte sich das Geschlechterverhältnis in den einzelnen Bundesländern? Wie präsentieren sich die verschiedenen Unternehmensbereiche? Antworten darauf liefert die vorliegende Auswertung.

 

Digitalisierung als Chance

Entgegen dem Trend zur Stagnation gewinnt die IT-Branche an Attraktivität: Immer mehr Frauen ergreifen in der IT geschäftliche Zügel und dringen damit in eine bisherige Männerdomäne ein. Im Vergleich zu 2017 stieg der Anteil an weiblichen Gründern im IT-Bereich von 7,56 Prozent auf 8,37 Prozent. 685 IT-Start-ups in weiblicher Hand stehen 7.503 Neugründungsprojekte anderer Branchen gegenüber.

 

Vermehrt Gründerinnen im Osten

Mit Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die Quoten von jeweils über 20 Prozent verzeichnen, belegen gleich vier neue Bundesländer die ersten Plätze im prozentualen Mann-Frau-Vergleich. Ihre starke Durchschnittsquote von 20,07 Prozent steht ein Anteil von 17,97 Prozent in den westlichen Bundesländern gegenüber. Bundesweit führt Nordrhein-Westfalen das Ranking der beliebtesten Länder bezüglich weiblicher Gründungen an. Über 21 Prozent beträgt der Anteil hier insgesamt, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. Damit rangieren die drei bevölkerungsreichsten Bundesländer oben.

 

Handel im Wandel

Überdurchschnittlich oft rufen Frauen Handelsfirmen ins Leben. Der Bereich Großhandel führt klar mit 12,44 Prozent, gefolgt vom Einzelhandel mit 7,76 Prozent. Knapp dahinter mit 7,58 Prozent liegt die Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben. In die Riege Handelsunternehmen fügt sich das Start-up Outfittery – der 2012 gegründete Fashion-Dienstleister bietet Einkaufs- und Stilberatung für Männer und hat sich inzwischen fest im Mode-Onlinehandel etabliert. Das Besondere an Outfittery: Dieser ausschließlich für Männer konzipierte Service wurde von zwei Frauen, nämlich von Anna Alex und Julia Bösch, gegründet und befindet sich weiterhin fest unter weiblicher Führung.

 

Worum geht es Frauen in Gründungspositionen?

Zur Gesamtsituation auf dem deutschen Arbeitsmarkt verdeutlicht die Auswertung: Frauen legen sich bei der Berufswahl häufig auf ein begrenztes Spektrum an Tätigkeiten fest. Eine Gründung hingegen verlangt Arbeit, Zeit, Hingabe und eine gewisse Risikofreude. Petra Carlsen, Expertin für Personalvermittlung mit Schwerpunkt auf den IT-Bereich, erkennt darin ein vertrautes Problem: „Die traditionelle Rollenverteilung ist immer noch ein Thema“, erklärt sie. Ihrer Erfahrung nach priorisieren die meisten Frauen in ihrer Lebensplanung den Punkt, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen.

 

Fazit

Eine ausgewogene, branchenübergreifende Geschlechterbalance in sehr naher Zukunft scheint nach augenblicklichem Stand eher unwahrscheinlich.

Die ausgewerteten Daten zeigen, dass die Geschlechterschieflage der deutschen Start-up-Landschaft in diesem Jahr bestehen bleibt. Ostdeutschland verbucht jedoch eine leichte Annäherung und die IT-Branche verzeichnet einen leichten Anstieg frauengegründeter Firmen.

 

 

 

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