Personal Branding Der Marketing-Chef als Personal Brand – Reine Ego-Show oder notwendige Kompetenz?

Autor / Redakteur: Marina Zayats und Thorsten Strauss* / Antonia Röper

Ohne Personal Branding geht nicht mehr viel: Erst die eigene Personal Brand gibt Ihnen ein echtes unverwechselbares Profil. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie von Selbstmarketing profitieren können.

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Der Marketing-Chef kann Personal Branding via Social Media als Instrument nutzen, um sich klar als Experte in seiner Nische zu positionieren.
Der Marketing-Chef kann Personal Branding via Social Media als Instrument nutzen, um sich klar als Experte in seiner Nische zu positionieren.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Als Marketing-Chef hat man es nicht leicht: Die eigene Arbeit ist recht sichtbar im Unternehmen und somit hat jeder eine Meinung. Meistens dazu, wie es besser geht.

Die Geschäftsführung will verstärkt den ROI (Return on invest) sehen, die Vertriebsmitarbeiter fragen nach Material und Co., das sie dem Kunden zeigen können und die Personalabteilung macht oftmals ihr eigenes Ding im Employer Branding.

Über die letzten Jahre haben sich die Aufgaben der Marketing-Abteilung stark gewandelt. Kunden und Konsumenten möchten stärker mitreden und sind besser informiert denn je. Die neuen Möglichkeiten der Nachverfolgung und Segmentierung durch digitales Marketing

bringen einen höheren ROI Druck mit sich.

Während früher Branding und Werbung mit großen Budgets im Vordergrund standen, ohne ein klares Reporting der Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu erwarten, müssen CMO’s heute neben kreativen Aufgaben auch viel Technik- und Daten Know-How mitbringen. Marketing wird komplexer und datengetriebener.

Zudem steigt der "Noise Level" auf allen Kanälen und die Aufmerksamkeit der Kunden wird zunehmend zu einer seltenen Ausnahmeerscheinung. Dadurch steigen auch die Kosten. Gleichzeitig sind Kunden der Werbung überdrüssig und vertrauen immer weniger in das, was Unternehmen kommunizieren.

Und dann wäre da noch die vielfach erwähnte “Customer Journey”. Um diese wertstiftend gestalten zu können, braucht es eine ganz andere Vernetzung des Marketings innerhalb des Unternehmens. Die Zeiten der Silos sind vorbei.

Als wären diese Herausforderungen nicht genug, kommen noch die Trends Namens Personal Branding und Corporate Influencer dazu.

Bevor man dies jedoch als Modeerscheinung abtut und dem Vorstand und den eigenen Mitarbeitern überlässt, würde ich gerade als CMO einen genauen Blick drauf werfen!

Wie kann Personal Branding dem CMO nun dabei helfen, diesen Anforderungen gerecht zu werden?

  • 1. Social Listening: Als Marketing Chef ist es wichtig Markt und Kunden stets im Auge zu behalten und diese zu kennen, um möglichst schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Was machen die Mitwettbewerber und welche disruptiven Kräfte entstehen im Markt? Ein eigenes Ohr am Markt ist wichtig. Man kann sich nicht nur auf indirekte Quellen verlassen, weil die Geschwindigkeit der Entwicklung extrem hoch ist. Früher wurde viel Geld in Marktforschungsagenturen gesteckt. Heute versucht man diese Daten vor allem selbst zu sammeln und natürlich einen engen Draht zum Sales herzustellen. Das ist wichtig. Allerdings bestehen Kunden aus mehr als nur Einsen und Nullen.

    Hier bietet Social Media, auch im B2B, ein wertvolles Werkzeug. Wenn ich als Marketing Chef zum Beispiel LinkedIn zielgerichtet nutze und relevanten Meinungsführern, Hashtags, Kunden etc. folge, kriege ich ungefiltert und aus erster Hand mit, was sie bewegt. Aggregierte Daten sind wichtig, doch über Social Media kriege ich die Tonalität, Geschichten und die Persönlichkeit der Kunden und weiterer relevanter Stakeholder mit. Beide Perspektiven helfen dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Denn trotz aller Daten, hat der Mensch nicht ausgedient. Ganz im Gegenteil. Durch viel Input aus verschiedenen Quellen schaffe ich die Grundlage für Kreativität und Innovation. Am Ende besteht der Kunde nicht nur aus Einsen und Nullen.
  • 2. Positionierung intern: Wie in der Einleitung erwähnt, ist die eigene Position innerhalb des Unternehmens nicht immer einfach. Insbesondere für den Vertrieb dauern viele Marketingmaßnahmen und Antworten auf ihren Input viel zu lange. Wer als Marketing-Chef über interne Social Collaboration Plattformen als auch extern über Social Media sein Wissen und seine Haltung teilt, kann Verständnis und Zustimmung der internen Stakeholder gewinnen. Ab dem Moment ist er oder sie nämlich nicht mehr nur ein reiner Sender, abgeschirmt von dem Rest des Unternehmens, sondern ein Mensch, der sich offen zeigt für den Dialog.
  • 3. Positionierung extern: Wichtige Führungsrollen im Unternehmen sind besonders interessant als “Corporate Influencer”. Diverse Stakeholder des Unternehmens wie potenzielle Mitarbeiter, Kunden und Business Partner bewerten die Attraktivität des Unternehmens insbesondere an den Menschen, die es lenken. Nicht wenige Marketing-Chefs berichten, wie sie selbst die besten Talente für ihre Teams anziehen, weil Bewerber sie durch ihre Social-Media-Präsenz kennen- und schätzen lernen. Man könnte auch sagen: Je weniger transparent und komplizierter unsere Welt wird, desto mehr schätzt man die direkte Mensch-zu-Mensch Transparenz.
  • 4. Ein weiterer Punkt, der viel zu selten umgesetzt wird: Verstehen, was das eigene Social Media Team macht! Was man nicht versteht, kann man nicht maximal einsetzten. Das Social Media mittlerweile einer der wichtigsten Marketing Kanäle für viele Unternehmen ist, ist klar. Viele Marketing-Chefs haben ihre Karriere ohne Social Media gestartet und anschließend mehr oder weniger darüber gelernt. Wer die Arbeit an ein Team auslagert, aber durch die eigene Nutzung, und sei es nur als passiver Leser, nicht den emotionalen Aspekt dahinter versteht, kann keine gute Guidance geben und neue Impulse setzen.

Fazit

Personal Branding via Social Media sollte für den Marketing-Chef mehr sein als eine weitere Disziplin im Marketing. Es ist ein persönliches Werkzeug, um neben Geschäftszielen auch persönliche Ziele zu erreichen: Netzwerken, Weiterbildung durch das stetige Ohr am Markt und klare Positionierung als Experte, auch über die aktuelle Rolle hinaus.

*Marina Zayats ist Consultant und Geschäftsführerin bei Marina Zayats Communications.
Thorsten Strauss ist CO-Founder von hello growth.

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