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Umfrage zu digitalen Technologien Deutschland kann Digitalisierung – Nicht!

| Autor / Redakteur: Dr. Alexander Pschera* / Georgina Bott

„Wer hat Angst vor neuen Technologien? Niemand! Und wenn sie kommen? Dann laufen wir davon!“ – dieser Spruch aus Kindertagen wirkt in diesem Zusammenhang skurril und birgt doch eine immense Brisanz, die sich nicht leugnen lässt. Eine aktuelle Umfrage zeigt nun die Skepsis gegenüber digitaler Technologien.

Deutschland hinkt bei der Umsetzung und Nutzung von digitalen Technologien hinterhet. Aber welche Rolle spielt die Skepsis der Deutschen dabei?
Deutschland hinkt bei der Umsetzung und Nutzung von digitalen Technologien hinterhet. Aber welche Rolle spielt die Skepsis der Deutschen dabei?
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Egal ob Mobile Payment, Autonomes Fahren oder digitaler Unterricht – Deutschland hinkt bei der Umsetzung und Nutzung von digitalen Technologien im internationalen Vergleich hinterher. Um herauszufinden, wie es um das digitale Verständnis der Deutschen steht und wie gut sich die Deutschen überhaupt mit digitalen Technologien auskennen, hat die Kommunikationsagentur Maisberger eine repräsentative YouGov-Umfrage in Auftrag gegeben. Abgefragt wurden dabei folgende zehn Technologien: Augmented Reality, Big Data, Blockchain, Cloud Computing, Immersive Media, IoT, Machine Vision, Semantic Web, Social Bots, Software-defined Manufacturing.

Machine Vision, Immersive Media oder Semantic Web – noch nie gehört!

Im ersten Teil der Studie drehte sich alles um die Frage, ob Technologien wie Big Data vom Namen her bekannt sind und bewusst im Beruf oder im privaten Alltag genutzt werden.

Wer eine Technologie dem Namen nach kennt, hat zumindest zur Kenntnis genommen, dass es diese gibt. Doch davon kann in Deutschland kaum die Rede sein. Laut Umfrage haben die Studienteilnehmer im Schnitt zu 70 Prozent noch nicht von Technologien wie Machine Vision, Social Bots oder Big Data gehört (lediglich 21 Prozent bejahten die Frage). Blick man auf die einzelnen Technologien, schwankt der Anteil derer, die sie vom Hörensagen kennen, zwischen sechs Prozent und 36 Prozent. Dies zeigt deutlich das geringe Bewusstsein und das mangelnde Interesse für Zukunftstechnologien.

Nur ein Drittel kennt die beiden Top-Technologien
Unter den abgefragten Technologien sind Cloud Computing (36 Prozent) und Big Data (32 Prozent) die beiden bekanntesten. Dies ist gerade einmal ein Drittel! Zu wenig, wenn man bedenkt, dass beide Technologien längst in unserem privaten Alltag angekommen sind. Denn sicher speichern die meisten heutzutage ihre Fotos in der Cloud oder erhalten personalisierte Kaufempfehlungen auf Shopping-Portalen.

Vier Mittelfeld-Spieler – knapp jedem Dritten bekannt
Nur knapp drei von zehn Befragten (29 Prozent) haben bisher von den beiden Technologien Augmented Reality sowie Social Bots gehört. Dabei sind letztere regelmäßig in den Schlagzeilen, da sie menschliches Verhalten simulieren und oft zur Beeinflussung der öffentlichen Meinungsbildung eingesetzt werden. Blockchain ist lediglich 28 Prozent der Befragten ein Begriff. Und nur 26 Prozent der Befragten kennen Internet of Things (IoT). Erstaunlich wenig, wenn man beispielsweise an den Bereich Smart Home denkt, der auch medial eine große Rolle spielte. Denn erst IoT ermöglicht es, unterschiedliche Gegenstände via Internet intelligent zu vernetzen.

Abgehängt – diese vier Technologien kennt nicht einmal jeder Zehnte
Nur jeder zehnte Befragte hat bereits von Software-defined Manufacturing (11 Prozent) gehört. Und nur rund jeder Zwanzigste Teilnehmer kennt Machine Vision (7 Prozent), Immersive Media (6 Prozent) und Semantic Web (6 Prozent). Während sich beispielsweise Machine Vision hinter intelligenter Verkehrstechnik verbirgt, hilft Semantic Web dabei, beim Googeln relevante Treffer zu erzielen.

Keine Berührungspunkte mit zukunftsweisenden Technologien
Wissen die Befragte, die die Technologien vom Namen her kennen, ob sie im Job oder privat damit in Berührung kommen? Auch hier: Fehlanzeige! Laut der Befragten werden die zehn genannten Technologien im Schnitt zu 56 Prozent nicht angewendet. Wissentliche Berührungspunkte, sowohl beruflich als auch privat, gab es lediglich zu 38 Prozent.

Fehlendes Wissen und Skepsis gehen Hand in Hand

Im zweiten Teil der Studie wurde der Wissensstand abgefragt. Trauen sich die Befragten zu, die Technologien, die sie vom Hörensagen kennen, zumindest oberflächlich oder vielleicht sogar tiefgreifend zu erklären?

Die Umfrage zeigt: Technologien, die den Befragten zwar vom Namen nach geläufig sind, können im Schnitt 34 Prozent gar nicht und zu 44 Prozent nur oberflächlich erklärt werden. Tiefgreifende Kenntnisse sind sogar nur zu 19 Prozent vorhanden. Demzufolge überwiegen die Wissenslücken.

Am Höchsten ist der Wissensstand laut Umfrage für Augmented Reality. Insgesamt 75 Prozent der Befragten, die schon einmal davon gehört haben, können etwas dazu sagen (52 Prozent oberflächlich, 23 Prozent tiefgreifend). Auf einem ähnlichen Niveau befindet sich das Cloud Computing (72 Prozent). Hier zeichnen sich 50 Prozent der Teilnehmer durch oberflächliches, 22 Prozent durch tiefgreifendes Wissen aus. Beim Internet of Things sind es insgesamt 70 Prozent (51 Prozent oberflächlich, 19 Prozent tiefgreifend).

Den geringsten Wissensstand haben die Teilnehmer zu folgenden drei Technologien: Immersive Media (44 Prozent), Blockchain (43 Prozent) und Big Data (40 Prozent). Diese können weder oberflächlich noch tiefgreifend erklärt werden.

Die Studienergebnisse machen deutlich: Unwissenheit und Skepsis gegenüber digitalen Technologien gehen Hand in Hand. Dies mag daran liegen, dass digitale Technologien nur wenig thematisiert werden oder in der grundsätzlichen Informationsflut untergehen. Auch die Tatsache, dass wir tagtäglich mit Smartphone, Internet und Co. umgeben sind, motiviert nicht gerade dazu, einen Blick hinter die technologischen Kulissen zu werfen. Um jedoch die Skepsis überwinden zu können, benötigen wir nicht nur eine breit aufgestellte Aufklärungsarbeit, sondern auch die Bereitschaft aller, sich mit neuen digitalen Technologien auseinanderzusetzen, sich Wissen anzueignen und nutzbringende Technologien willkommen zu heißen.

COVID-19 als „Digitalisierungsbooster“?

Die Corona-Krise stellt uns vor zahlreiche gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Politik und Unternehmen mussten und müssen einerseits sorgfältig und wohlüberlegt Entscheidungen treffen, andererseits auch agil und rasch handeln. Um wirtschaftlich bestehen zu können, kamen die Unternehmen nicht umhin, eingespielte Prozesse gefühlt über Nacht zu digitalisieren. Hier nur einige Beispiele: Video-Calls statt Face-to-Face-Meetings, Collaboration Tools für ortsunabhängiges Arbeiten, virtuelle Messen statt Präsenzveranstaltungen, neue digitale Lernkonzepte und Remote Work.

Innerhalb kürzester Zeit setzte bei vielen Organisationen, gefördert durch Kontakt- oder Reiseverbote und Ausgangsbeschränkungen, ein Umdenken ein. Uns wird bewusst, dass Handlungsfähigkeit nicht immer mit physischer Anwesenheit gleichgesetzt werden muss und der Einsatz digitaler Technologien für Unternehmen wie Arbeitnehmer überlebenswichtig ist.

Letztendlich hat uns die Corona-Krise gezeigt, dass Deutschland durchaus offen für neue Technologien und für deren Einsatz im Alltag ist. Veränderungen sind in einer Geschwindigkeit möglich, die wir vor der Krise nicht vermutet hätten. Wir sind also auf einem guten Weg zu mehr Aufgeschlossenheit und weniger Skepsis. Denn eines ist klar: Durch Corona erleben wir die Vorteile digitaler Technologien am eigenen Leib!

Über die Umfrage

Die Befragung wurde von YouGov Deutschland GmbH unter Teilnehmern des YouGov Panel Deutschland durchgeführt. An der Online-Befragung haben zwischen dem 10.06.2019 und 21.06.2019 insgesamt 2.049 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Anzahl der Befragten (gewichtet): 51 Prozent Frauen (1053 Teilnehmerinnen), 49 Prozent Männer (996 Teilnehmer).

* Dr. Alexander Pschera ist Geschäftsführer der Maisberger GmbH.

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