Datenschutzgrundverordnung

Die Bilanz aus einem Jahr DSGVO

| Redakteur: Annika Lutz

Durch die DSGVO wurden im letzten Jahr umfangreiche Prozessanpassungen in Unternehmen notwendig.
Durch die DSGVO wurden im letzten Jahr umfangreiche Prozessanpassungen in Unternehmen notwendig. (Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Schon über ein Jahr ist seit der Einführung der DSGVO am 25. Mai 2018 nun vergangen. Ob Schrecken oder Chance für Unternehmen, darüber war man sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einig. Wir blicken zurück auf ein Jahr Datenschutzgrundverordnung: Was sind die Schattenseiten und welche Chancen bietet die DSGVO?

Grundlegendes zur DSGVO

Mit der Datenschutzgrundverordnung sollte vor allem ein Statement für den Schutz personenbezogener Daten gesetzt werden. Sie soll die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen regeln und einen freien Datenverkehr in Europa gewährleisten. Verbunden damit kamen auf Unternehmen jedoch neue Pflichten und hohe Geldstrafen bei Nichteinhaltung zu. Ziel der Verordnung war es unter anderem, die Macht der Großen, wie Facebook, Amazon oder Google, zu begrenzen und diesen Unternehmen Grenzen aufzuzeigen. Doch nicht nur große Unternehmen sind davon betroffen, ganz im Gegenteil: die starke Verschärfung des angedrohten Strafmaßes, die Komplexität der Prozesse sowie die Unsicherheiten bei der Auslegung stellt vor allem den Mittelstand vor große Herausforderungen.

Im B2B-Bereich bedarf es zudem ganz anderer Regelungen als im B2C-Bereich. Diesen wird in der DSGVO jedoch nicht ausreichend Rechnung getragen. So bleiben verschiedene Fragen immer noch offen, beispielsweise beim Umfang der Transparenzpflichten oder der Frage, ab wann es eine Einwilligung des Nutzers zur Datenverarbeitung bedarf und nicht mehr nur auf die Interessenabwägung gestützt werden kann. Eindeutige Antworten auf Fragen zu DSGVO sucht man meist vergeblich und obwohl große Abmahnwellen bisher ausblieben, wurden schon erste Bußgelder in Europa und Deutschland erhoben.

Trotz vieler ungeklärter Fragen werden heute, nach einem Jahr, die Auswirkungen der DSGVO dennoch spürbar. Die Schattenseiten und positiven Aspekte der Verordnung möchten wir im Folgenden beleuchten.

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Datenschutzgrundverordnung

Das sollten B2B-Unternehmen zur EU-DSGVO wissen

08.05.18 - Am 25. Mai endet die Übergangsfrist für die Europäische Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) und Datenschutzverstöße werden mit hohen Strafen belegt. Was B2B-Unternehmen zur EU-DSGVO wissen sollten, haben wir in einer Beitragsübersicht zusammengefasst. lesen

Schattenseiten der DSGVO

Angst und Vorsicht der Unternehmen
Aus Angst vor Abmahnungen legen viele Unternehmen die Regularien eher zu eng aus, was sowohl zeitlich als auch finanziell viele Ressourcen in Anspruch nimmt und teilweise schwerwiegende Folgen mit sich zieht. Meist sind es nicht die strengen Regeln oder Behörden, die Unternehmen dazu treiben, sondern vielmehr Überforderung oder mangelnde Kompetenz. Aus Angst vor Klagen und Fehlern werden so beispielsweise Mechanismen wie Google Analytics abgeschaltet, Newsletter eingestellt oder Webformulare deaktiviert. Die Performance einer Website kann so kaum noch überwacht werden und auch der digitale Kundenkontakt geht verloren. Damit machen Unternehmen eher einen Schritt zurück statt nach vorne. Des Weiteren haben sie viele Kontaktdaten gelöscht, nämlich alle, deren Herkunft nicht zweifelsfrei dokumentiert war. Viele Firmen mussten so einen großen Teil ihrer Kontakte aufgeben.

6 To-dos für rechtskonformes Lead Management und E-Mail-Marketing

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06.02.18 - Die Übergangsfrist zur Umsetzung der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) endet am 25. Mai 2018. Wollen Unternehmen nicht Gefahr laufen, mit Bußgeldern bestraft zu werden, sollten sie überprüfen, ob alle Prozesse rechtskonform sind – und sie gegebenenfalls anpassen. lesen

Finanzielle Aufwände
Im Rahmen der DSGVO standen alle Unternehmen vor der Aufgabe, ihre Systeme genau zu prüfen und betroffene Personen in Firmen im Umgang mit Daten zu schulen. Durch die gestiegene Komplexität der Datenverarbeitung sowie Prozesse wurden Abstimmungen und neue IT-Infrastrukturen nötig – keine günstige Angelegenheit. Der Minimalaufwand für KMUs wird auf fünf-bis sechsstellige Beträge geschätzt. Eine große Herausforderung ist dabei beispielsweise die Kombination aller IT-Systeme und die Anpassung der Prozesse. Auch die Gewinnung neuer Leads erfordert unter den veränderten Voraussetzungen neue Marketing- und Vertriebs-Strategien, was besonders kleinere Betriebe an ihre Grenzen stoßen lässt, da die bürokratischen und finanziellen Aufwände zu hoch sind.

Neben den genannten Nachteilen führte die Datenschutzgrundverordnung aber auch zu einigen positiven Aspekten.

Positive Effekte der DSGVO

Steigende Relevanz von Inhalten
Die DSGVO bringt Unternehmen dazu, genauer und sorgfältiger zu überlegen, an wen Informationen gesendet werden. Der Nutzen, den der Empfänger aus der Botschaft ziehen soll, rückt in den Fokus und unnötige Informationen werden vermieden. Gleichzeitig steigt im besten Fall das Niveau der Ansprache. Der Massenversand von E-Mails gehört mehr und mehr der Vergangenheit an. Das stärkt auch das Bewusstsein dafür, wie wertvoll jeder einzelne Kontakt ist.

Personalisierte Werbung
Durch die DSGVO lässt sich ein weiterer interessanter medialer Effekt beobachten. Seit dem Inkrafttreten der DSGVO müssen Nutzer bei Websitebesuchen dem Speichern Von Cookies zustimmen – nur dann darf ihnen personalisierte Werbung ausgespielt werden. Genau dieser sind überraschenderweise nicht viele Nutzer abgeneigt: in nur 4 Prozent werden Cookies ausgeschlossen.

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28.03.18 - Viele Unternehmen sehen die EU-DSGVO als Risiko. Dabei bietet die neue Verordnung auch einige Chancen für Unternehmen, die sich positiv auf das Geschäft auswirken. Der eigentliche Zweck der DSGVO, worauf es bei Nutzereinwilligungen ankommt und welche Chancen die DSGVO im E-Commerce bietet. lesen

Vertrauen und Transparenz stärken die Marke

Ob die DSGVO nun mehr Vor- oder Nachteile mit sich bringt, liegt wohl zu einem großen Teil immer noch im Auge des Betrachters. Eines ist jedoch sicher: die DGSVO hat zum Umdenken geführt. Für uns alle ist es wichtig, zu hinterfragen, mit wem und warum wir unsere Daten teilen. Schließlich möchten Kunden noch immer Herr ihrer Daten bleiben und nicht einen Algorithmus über ihr Leben bestimmen lassen. Aus Kundensicht ist die DSGVO deshalb der richtige Weg und damit auch der Weg für Unternehmen, im Sinne des Kunden zu handeln. Die Daten der Kunden sind ein Vertrauensvorschuss in die Qualität der Marke. Langjährige Produktwerbung weicht hochwertigem Content, der Kunden einen Mehrwert bietet und zu einer starken Markenbindung beiträgt.

Das Grundprinzip der DSGVO ist eindeutig. Es basiert auf Transparenz. Diese Transparenz schafft Vertrauen auf allen Seiten und stärkt bestenfalls einen fairen Umgang zwischen Unternehmen beziehungsweise Marktteilnehmern und Nutzern. Lösungen sollten sowohl die Interessen der Kunden und Nutzer als auch die der Wirtschaft berücksichtigen. Trotz der rechtlichen Hürden müssen Unternehmen die Weichen für vollumfängliche Datenstrategien jetzt stellen. Wenn es (B2B-)Unternehmen gelingt, Kunden authentisch und transparent zu vermitteln, dass sie Wert auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit Daten legen, kann dies deutsche Marken im globalen Wettbewerb nachhaltig stärken.

EU-DSGVO – was Marketer beachten müssen

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22.08.17 - Das Stichwort EU-Datenschutzgrundverordnung treibt vielen Marketer den Schweiß in die Stirn: Groß ist die Unsicherheit, wie die rechtlichen Bestimmungen für das Marketing zu lesen sind und sich praktisch in digitalen Kampagnen umsetzen lassen. lesen

Wie geht es weiter? Die ePrivacy Verordnung

Nach der DSGVO steht nun die Umsetzung der ePrivacy-Verordnung vor der Tür. Mit ihr erhofft sich die Europäische Kommision eine Neuregelung der Analyse des Nutzerverhaltens auf Webseiten. Man geht davon aus, dass in diesem Rahmen werbefinanzierte Webinhalte eingeschränkt werden und es deutlich komplizierter wird, die Erlaubnis zum Tracking von User-Daten abzufragen. Die ePVO wird voraussichtlich wohl nicht vor 2022 zur Anwendung kommen – Unternehmen sollten sich dennoch rechtzeitig damit auseinandersetzen, um erneuten Unsicherheiten und Ängsten vorzubeugen.

Sehen Sie in unserer Bildergalerie ausführliche Experten-Statements zum Thema DSGVO:

* Quellen: Bundesverband Industrie Kommunikation e.V.; Agentur Frau Wenk

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