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Der digitale Marathon – Teil 3 Die internen Ressourcen sinnvoll einteilen

| Autor / Redakteur: Stefanie Peters* / Georgina Bott

Der digitale Marathon stellt viele Unternehmen vor eine große Herausforderung. Um ihn zu bestreiten, müssen sie einen langen Atem mitbringen. Die internen Ressourcen sollten sinnvoll eingeteilt werden und interne Prozesse müssen sich wandeln.

Wie sollten Unternehmen die Digitale Transformation angehen? Die einzelnen Etappen dieses digitalen Marathons beschreiben wir in dieser vierteiligen Artikelserie.
Wie sollten Unternehmen die Digitale Transformation angehen? Die einzelnen Etappen dieses digitalen Marathons beschreiben wir in dieser vierteiligen Artikelserie.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Wer es geschafft hat, eine digitale Vision und Strategie zu definieren und sich entschlossen hat, sein Geschäftsmodell den veränderten Kundenanforderungen anzupassen, hat bereits einen großen Schritt in Richtung digitale Transformation unternommen. Jetzt heißt es, am Ball bleiben und nicht aufgeben. Denn: Die beste Strategie nützt wenig, wenn sich interne Prozesse und die Unternehmenskultur nicht entsprechend wandeln.

Komplexität mindern: Interne Prozesse neu ausrichten

Ein Unternehmen digital zu transformieren, bedeutet weit mehr als nur interne Prozesse zu digitalisieren. Aber sie dürfen eben auch nicht außer Acht gelassen werden. Häufig sind interne Abläufe über die Jahre extrem komplex geworden. Es ist deshalb nicht empfehlenswert, sie schlicht und einfach mithilfe digitaler Tools nachzubilden. Denn wenn veraltete, ineffiziente Prozesse digitalisiert werden, bleiben es ineffiziente digitale Prozesse. Ratsam ist es, sich die Zeit zu nehmen, Workflows neu zu evaluieren und sie zu vereinfachen. Es braucht nicht immer viele Tools, oft reichen auch wenige – aber dafür die richtigen.

Einfache Prozesse sind essenziell, um den Rahmenbedingungen der modernen Arbeitswelt Rechnung zu tragen. Diese ist gekennzeichnet durch Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambivalenz (VUCA). Gute Prozesse sind schlank und dynamisch gestaltet, um die Wirkung dieser Faktoren zu minimieren, anstatt sie weiter zu potenzieren. Idealerweise geben die digitalisierten Arbeitsabläufe Mitarbeitern die Freiheit, agil und flexibel auf die aufkommenden und sich kontinuierlich wandelnden Marktanforderungen reagieren zu können.

Von Start-ups lernen: Den Kunden in den Mittelpunkt stellen

Der Knackpunkt, an dem auch die besten Prozesse häufig scheitern, ist die fehlende Zielgruppenzentrierung. Sind die Abläufe nicht darauf ausgerichtet, den Kunden einen echten Mehrwert zu bieten, kann die erhoffte Wirkung schnell verpuffen. Wichtig ist es also, dass Prozesse team- und gar abteilungsübergreifend gestaltet sind, um am Ende der Kette dem Kunden eine perfekte Customer Journey und Experience zu ermöglichen.

Hier lohnt sich es sich für viele etablierte Unternehmen, einen Blick auf die Methoden von Start-ups zu werfen. Dreh- und Angelpunkt ihrer Geschäftsmodelle ist es, den Nutzern ein perfektes Erlebnis und eine nahtlose Customer Journey zu bieten, um schnell einen (zahlenden) Kundenstamm zu generieren. Eine Methode, die genau darauf abzielt, ist das sogenannte Growth Hacking. Es vereint Mechanismen aus Marketing, Vertrieb und Technologie, und kombiniert sie mittels intelligenter Tools miteinander. Growth Hacker setzen vor allem auf zielgruppen-gesteuertes Online Marketing, um Nutzer möglichst zielgerichtet anzusprechen und ihr Verhalten entlang der Customer Journey zu analysieren und damit die Basis für eine enge Kundenbindung zu schaffen.

Die Kür der digitalen Transformation: Unsicherheit minimieren

Die digitale Transformation führt oft zu Unsicherheit auf Seiten der Arbeitnehmer, und zwar spätestens dann, wenn sich das lang vertraute Geschäftsmodell und die Arbeitsabläufe ändern. Diese Veränderungen so zu gestalten, dass bei Mitarbeitern nicht die Unsicherheit überwiegt, sondern Motivation, diesen Wandel zu meistern, ist die Kür der digitalen Transformation.

Positive Einstellung zur Veränderung: Digitales Mindset etablieren

Diese Kür gelingt, wenn Unternehmen es schaffen, mit der Transformation ein neues, digitales Mindset zu etablieren. Das Mindset zielt auf eine positive Einstellung der Organisation zum Wandel ab und definiert die Grundüberzeugungen hinsichtlich des digitalen Marathons. Denn: Die Grundeinstellung beeinflusst das Handeln der Mitarbeiter.

Ein Mindset ist weit mehr als eine Unternehmenskultur, aber untrennbar mit ihr verknüpft. Ohne eine offene, wertschätzende und motivierende Kultur wird sich ein neues Mindset kaum in der Organisation verankern können. Sie ist die Voraussetzung für schnelles, agiles und kundenorientiertes Handeln. Ihre Aufgabe ist es vor allem, die Zusammenarbeit über alle Abteilungen hinweg zu fördern sowie eigenständiges Denken und Handeln zu unterstützen. Das Führungsteam sollte dafür als Vorbild vorangehen und mindestens eine repräsentative Auswahl an Mitarbeitern in den Wandel einbinden, die ihn dann weiter ins Unternehmen tragen – und zwar bis in den letzten Winkel des Betriebs. So lässt sich ein starkes und wichtiges „Wir-Gefühl“ kreieren: Keiner fühlt sich übergangen und alle ziehen an einem Strang.

Der Weg ins digitale Ziel

Es ist nicht einfach, auf dem Weg ins digitale Ziel alle wichtigen Stakeholder mitzunehmen – vor allem Kunden und Mitarbeiter tun sich hier oft schwer. Dennoch kann dies gelingen. Die richtigen Prozesse können sowohl Kunden glücklich machen als auch Mitarbeitern die Arbeit erleichtern. Das richtige Mindset motiviert alle, den langen Weg zum digitalen Unternehmen zusammen zu gehen und nicht unterwegs abzubrechen. Dabei sollte die Richtung immer wieder anhand relevanter Kenngrößen gemessen und ins Unternehmen kommuniziert werden. Denn: Wenn alle zu jeder Zeit wissen, auf welcher Etappe man sich befindet, vermeidet man enttäuschte Erwartungen. Wie das gelingt und welche Kenngrößen sich anbieten, erfahren Sie im vierten und letzten Teil der Serie:

* Stefanie Peters ist CEO und Gründerin von enable2grow.

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