B2B Online-Marktplätze Die Kreislaufwirtschaft bewegt sich vorwärts: Was B2B-Unternehmen jetzt wissen sollten

Von Georg Sobczak *

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit, etwa durch Wiederverwendung und Reparatur, ist im Verbraucherbereich seit Jahren auf dem Vormarsch. B2B-Unternehmen schließen sich dem nun immer mehr an und gehen einen wichtigen Schritt hin zur Kreislaufwirtschaft.

Anbieter zum Thema

Das Umweltbewusstsein innerhalb von Unternehmen wird immer stärker, und die Nachhaltigkeit von Produkten spielt eine immer größere Rolle.
Das Umweltbewusstsein innerhalb von Unternehmen wird immer stärker, und die Nachhaltigkeit von Produkten spielt eine immer größere Rolle.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Die Weltbevölkerung wächst stetig an, und mit ihr auch der Bedarf an Rohstoffen und Ressourcen. Doch diese sind nur zu oft nicht unendlich vorhanden und werden langsam knapp. Unser Konsum sorgt dafür, dass wir nach und nach die Kapazitäten und Grenzen unseres Planeten überschreiten. Die Kreislaufwirtschaft soll dabei helfen Ressourcen zu sparen, und den Weg hinaus aus dem Teufelskreis der Wegwerfgesellschaft bereiten. Die Idee ist recht simpel: Bestehende Materialien und Produkte werden so lange wie möglich geteilt, geliehen, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt, um die Lebensspanne der verwendeten Rohstoffe zu verlängern, bevor diese endgültig ausgedient haben. Somit wird der entstehende Abfall auf ein Minimum reduziert, da alle Bestandteile so lange wie möglich im Umlauf der Wirtschaft gehalten werden.

Die Kreislaufwirtschaft hilft nicht nur dabei nachhaltiger zu wirtschaften, sie verringert auch die Bedrohung für die Umwelt, erhöht die Versorgungssicherheit und wirkt sich positiv auf unser Klima aus. Für viele Unternehmen hat die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaneutralität auch finanzielle Gründe. Es konnte schon mehrfach festgestellt werden, dass nachhaltige Produkte deutlich schneller wachsen und sich größerer Beliebtheit erfreuen als nicht-nachhaltige Produkte. Unilever gab beispielsweise an, dass ihre nachhaltigen Marken ganze 46 Prozent schneller gewachsen sind als andere, und damit 70 Prozent des Umsatzwachstums des Unternehmens erzielt haben. Zudem hat McKinsey herausgefunden, dass ein Fokus auf ökologische, soziale und staatliche Ziele steigende Betriebskosten für beispielsweise Rohstoffe oder Wasser erheblich reduzieren kann.

Auch Investor:innen suchen vermehrt nach zukunftsorientierten und innovativen Unternehmen. Nachhaltige Investitionen haben weltweit einen Höchststand von 30 Billionen US-Dollar erreicht - ein Anstieg von 68 Prozent seit 2014. Etliche Geldgeber haben sich den Klimaneutralitätszielen verpflichtet, und setzen das gleiche auch von ihren Geschäftspartnern voraus. Der Druck auf Unternehmen, klimaneutral zu agieren und Maßnahmen wie die Kreislaufwirtschaft voranzubringen, kommt demnach von allen Seiten.

Die Dringlichkeit für eine Kreislaufwirtschaft wächst

Angefangen bei Pfandflaschen bis hin zu Carsharing – für Verbraucher:innen gibt es seit längerem ein wachsendes Angebot an Möglichkeiten nachhaltiger zu leben. Die Hälfte der Deutschen ist bereit, Refurbished-Geräte zu kaufen, so die neueste Bitkom Studie. Da die Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten immer weiterwächst, ziehen auch Online-Händler nach, indem sie zunehmend zur Kreislaufwirtschaft beitragen und ebenso aus ihr beziehen. Laut einer Verbraucherstudie von Mirakl, entscheiden sich mehr als die Hälfte der befragten Online-Käufer eher für Anbieter mit nachhaltigen Praktiken.

Neben Konsumgütern setzen auch viele B2B-Branchen auf die Kreislaufwirtschaft. In der Automobilbranche schafft die Verwendung von wiederaufbereiteten Teilen beispielsweise für Versicherungen, Karosseriebauer und Automobilhersteller einen enormen ökologischen und ökonomischen Vorteil. Einer Analyse des VDI zufolge spart die Wiederaufbereitung eines Kompressors im Vergleich zur Neufertigung 89 Prozent CO2-Äquivalente. Die Beschaffungskosten liegen zudem um 40 bis 70 Prozent niedriger, was auch Versicherungen zugutekommt, da sie im Schadensfall geringere Summen aufwenden müssen.

Die Automobilbranche kann Vorreiter der Kreislaufwirtschaft werden

Aniel, ein führender französischer B2B-Händler für Karosserieteile, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Das Unternehmen hat kürzlich das Angebot seines Online-Marktplatzes, der bereits jetzt mehr als 65 Millionen Angebote für über 15 Millionen Produkte listet, um wiederaufbereitete Karosserieteile erweitert. Durch die Zentralisierung des Produktangebotes erleichtert Aniel ihren Kund:innen den Zugang zu wiederaufbereiteten Produkten, für die sie sonst bisher mühsam und zeitaufwendig nach spezialisierten Drittanbietern suchen mussten. Durch diese erhebliche Erweiterung des Produktangebots auf dem Marktplatz, konnte Aniel seine Positionierung als „One-Stop-Shop“ für Karosseriebauer und Automobilhersteller stärken.

Der potenzielle Nutzen des Marktplatzmodells ist enorm und kann einem Unternehmen helfen agiler, größer und rentabler zu werden. Laut des neuen Enterprise Marketplace Index 2022 von Mirakl ist das Umsatzwachstum auf Enterprise-Marktplätzen mehr als doppelt so stark wie im gesamten E-Commerce – und das zum zweiten Jahr in Folge. Bei der Entwicklung einer Marktplatzstrategie sollten B2B-Unternehmen auf Spezialisierung setzen, denn sie kennen sich in ihrem eigenen Ökosystem am besten aus, und Kund:innen verlassen sich auf das Fachwissen des Unternehmens. Online-Marktplätze haben den Vorteil, einen großen und zentralisierten Angebotskatalog direkt an einem Ort zu bieten und somit bei der Etablierung eines ressourceneffizienten Ansatzes zur Unterstützung der kreislauffähigen Wirtschaft zu helfen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Im Durchschnitt bedient eine Karosseriewerkstatt mehr als 30 Fahrzeugmarken und erhält somit Lieferungen von Dutzenden verschiedenen Lieferanten, einschließlich spezialisierten Händlern, aus unterschiedlichen Standorten. Durch die Zentralisierung von Einkäufen und den Zugang zu einem großen Produktangebot sparen Werkstätten, durch das Marktplatzmodell von Aniel, viel Zeit.

Kontinuierliches innovatives Denken erlaubt es Aniel die Kreislauffähigkeit des Automobilsektors zu stärken, die Versorgung mit Ersatzteilen zu sichern und die Herausforderung der Internationalisierung zu meistern.

Wie geht es weiter in punkto Nachhaltigkeit

Das Umweltbewusstsein innerhalb von Unternehmen wird immer stärker, und die Nachhaltigkeit von Produkten spielt eine immer größere Rolle. Das schließt optimierte Lieferketten, nachhaltige Materialien und faire Arbeitsbedingungen mit ein. 86 Prozent der Verbraucher:innen finden sogar, dass vermehrtes nachhaltiges Handeln B2B-Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen kann.

Doch es besteht noch Nachholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit, sowohl für Verbraucher:innen als auch für Unternehmen. Das Interesse an nachhaltigen Produkten steigt zwar, doch das Verständnis über die Funktionsweise der Kreislaufwirtschaft muss noch verbessert werden. Nur so können Vorteile wirklich verstanden und Änderungen umgesetzt werden. Durch Transparenz können Unternehmen zeigen, dass der Nachhaltigkeitsgedanke vorhanden ist und weiter vorangetrieben wird. Das Marktplatzmodell bietet durch seine Interkonnektivität und die zahlreichen Verkaufs- und Vergleichsmöglichkeiten eine gute Grundlage für die Kreislaufwirtschaft, doch Unternehmen müssen bereit sein ihre bisherigen Konzepte und Prozesse zu überdenken. Nur so kann die Kreislaufwirtschaft zur Realität werden.

*Georg Sobczak verantwortet als Regional Vice President DACH bei Mirakl.

(ID:48272034)