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Covid-19 Die Stunde des E-Commerce

| Redakteur: Jessica Eckenberger

Das öffentliche Leben ist durch den Ausbruch des Corona-Virus massiv eingeschränkt. Der E-Commerce auf der anderen Seite, erreicht gerade einen Höhepunkt und ist in Zeiten von Corona gefragter denn je. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Lieferketten abbrechen und Materialien sowie Produkte ihr Ziel vorerst nicht mehr erreichen. Eine Chance für den E-Commerce also, die zugleich auch Risiken birgt.

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Die Corona-Pandemie stellt B2B-Unternehmen vor vielen Herausforderungen. Doch gibt es in der Krise vielleicht auch eine Chance?
Die Corona-Pandemie stellt B2B-Unternehmen vor vielen Herausforderungen. Doch gibt es in der Krise vielleicht auch eine Chance?
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Nach einem ersten Aufschrei der Kleinunternehmer durch die massive Einschränkung des öffentlichen Lebens wegen des Coronavirus, sucht der Einzelhandel nun nach Lösungen: Viele Händler suchen nach Möglichkeiten, ihre Ware erstmals oder jetzt erst recht online zu vertreiben.

Auch die Bundesregierung reagiert auf die aktuelle Situation, in dem sie nach derzeitigen Überlegungen ein üppig ausgestattetes Rettungspaket in Höhe von 40 Milliarden Euro in Erwägung zieht. Mit diesem Paket sollen Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer bis zehn Beschäftigte, die von den Folgen der Corona-Krise betroffen sind, unterstützt werden. Diese finanzielle Hilfe könnte vom Einzelhandel für die Digitalisierung genutzt werden. Viele neue Onlineshops könnten somit entstehen und auch langfristig nach der Krise die Umsätze des dazugehörigen stationären Handels stabilisieren. Gerade kleinere Händler, die bisher den Kosten-Nutzen und den Einrichtungsaufwand eines Onlineshops sehr kritisch abgewogen haben, bewerten die Situation zwangsläufig nochmal neu. Dabei besteht natürlich die Hoffnung, dass ein eigener Onlineshop dabei hilft, durch die Krise zu kommen – da sind sich die (neuen) Händler sowohl im B2B E-Commerce als auch im B2C E-Commerce einig. Und doch sind es gerade auch kleinere B2B-Händler, die verstärkt mit einem Onlineshop liebäugeln, denn je länger die Krise andauert, desto größer wird die Gefahr, dass sich das Einkaufsverhalten professioneller Einkäufer danach erst langsam wieder normalisiert – umso besser, wenn Händler dann gut sichtbar im Internet positioniert sind und nicht nur über Branchenbücher gefunden werden können.

Neben den finanziellen Mitteln und der vorgelagerten Notwendigkeit, sind es aber auch die vielfältigen Angebote von Onlineshop-Systemen, die den Einstieg in den Onlinehandel vereinfachen und der Wirtschaft, insbesondere dem stationären Einzelhandel und den B2B-Händlern, in diesen Zeiten helfen können. Denn der Großteil der Händler verfügt über keinerlei Programmiererfahrung oder -kenntnisse, sodass die Anbieter hier bereits seit Jahren reagieren und entsprechend ihr Angebot ausrichten. Den dadurch entstehenden Schub in der E-Commerce-Branche hätte man so nicht erwarten können. Es bleibt daher zu hoffen, dass dieser Schub nicht nur viele Existenzen sichert, sondern auch nach der Krise anhält und Deutschland insgesamt noch digitaler macht. In jedem Fall ist eine klare Nachfrage von Einzelhändlern nach Onlineshops zu erkennen, denn sie sind in Zeiten wie dieser die einzige Möglichkeit, Absatz zu generieren – verkauft wird die Ware online und wird dann entweder versandt oder sogar per Abholung übergeben. All dies ist durch die Abwicklung per Onlineshop kontaktlos möglich – ohne große Unterschiede zwischen der Art der Ware und der Zielgruppe. So lassen sich Einzelteile für die Weiterbearbeitung ebenso gut online bestellen und dann versenden, wie fertige Produkte für den Endkunden.

Die Krise birgt auch Risiken

Jedoch birgt diese Chance auch ein Risiko, denn die Lieferketten müssen gesichert bleiben. Natürlich stehen hier Lebens- und Arzneimittel, sowie weitere Produkte des täglichen Bedarfs im uneingeschränkten Fokus. Doch um den lückenlosen Transfer des stationären Handels hin zum E-Commerce während der Krisenzeit zu sichern, muss auch die Beschaffung und der Transport weiterer Artikel sichergestellt werden.

Kurzfristig ist das noch kein Problem, doch langfristig kann es durch die globalen Einschränkungen der Corona-Pandemie vorkommen, dass auch der E-Commerce Schwierigkeiten mit der Lieferung von gewissen Gütern bekommt – auch aufgrund von anhaltenden Produktionsstopps in großen Fabriken. Schon jetzt vermelden viele Shops wesentlich längere Lieferzeiten als gewöhnlich, einzelne Produkte sind bereits stark limitiert und oft werden auch schon die verfügbaren Stückzahlen pro Bestellung reduziert. Daher gilt es, sich als Onlinehändler auch schon vorab Gedanken über alternative Lieferanten zu machen, um einen Plan B zu haben, wenn ein Lieferant die Waren nicht mehr liefern kann. Besonders deutlich sind die Auswirkungen der Krise bei Zulieferern und Partnern der meisten Händler und Onlinehändler, also im B2B-Geschäft. Mehr als die Hälfte hat Probleme damit, ihre Leistung überhaupt noch zu erbringen, da einzelne Produkte zur Weiterverwertung nicht mehr geliefert werden können. Daher kommt es vermehrt zu verzögerten Lieferungen, stornierten Aufträgen oder leeren Lagern.

Händler sind dennoch optimistisch

Der Händlerbund hat Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, bei der die Maßnahmen dargestellt werden, die Händler für ihre Mitarbeiter im Fall einer Corona-Infektion ergreifen. 54 Prozent der befragten Händler haben bereits Maßnahmen ergriffen. Dabei halten sie sich vor allem an allgemeingültige Vorgaben während der Erkältungszeit. Lediglich zehn Prozent der Händler haben demnach bisher ihre Mitarbeiter ins Home-Office geschickt. Wie auch andere Unternehmen zeigen sich die Online-Händler durch die aktuelle Situation verunsichert (47 Prozent). Nur jeder Zehnte verbindet mit dem Coronavirus aber Angst oder Panik. Je nachdem wie lang die Einschränkung durch Pandemie anhalten wird, wird sich die Einstellung vieler Händler zur Corona-Krise ändern, denn nach wie vor ist die Situation dynamisch und verändert sich von Tag zu Tag.

Es bleibt zu hoffen, dass Händler bei Problemen mit Lieferanten Alternativen finden, um an ihre Ware zu kommen. Kreativität ist gefragter denn je in Zeiten, in denen die Nachfrage nach manchen Produkten oder Dienstleistungen auf ein Minimum gesunken ist und andere Produkte so sehr gefragt sind, dass sie kaum noch zu erhalten sind. Manch ein Onlinehändler hat hier schon auf ein gefragtes Produktsortiment umgesattelt, um Umsatzeinbußen zu vermeiden.

*Daniel Schnadt ist Co-Gründer und Geschäftsführer von Gambio.

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