LinkedIn Arbeitsmarktradar Digitale Talente – München und Berlin unter den globalen Spitzenreitern

Autor / Redakteur: Kristin Keveloh* / Georgina Bott

Digitalkompetenzen werden nicht nur seit Corona immer wichtiger in unserer Arbeitswelt. Wie schneiden deutsche Städte im internationalen Vergleich ab? Und wo gibt es Nachholbedarf? Antworten liefert der eine Analyse von LinkedIn.

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Von 31 untersuchten Städten ist Berlin für Digitaltalente extrem attraktiv und landet nach Dublin auf Platz zwei des Rankings der attraktivsten Städte für Digitaltalente.
Von 31 untersuchten Städten ist Berlin für Digitaltalente extrem attraktiv und landet nach Dublin auf Platz zwei des Rankings der attraktivsten Städte für Digitaltalente.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Digitalkompetenz ist eine sehr gefragte Währung auf dem Arbeitsmarkt. IT-Fachkräfte werden branchenübergreifend händeringend gesucht und Corona hat der Digitalisierung in vielen Bereichen neuen Schwung verliehen. In unserem Global Digital Talent Index untersuchen wir, wie Städte weltweit in Bezug auf digitales Talent aufgestellt sind. Als digitales Talent wird dabei jedes Mitglied gewertet, das entweder einen Digitaljob ausübt oder mindestens eine Fähigkeit auf dem Profil angibt, die wir als digital definieren. Anhand der Profilinformationen von fast 40 Millionen LinkedIn Mitgliedern vergleichen wir 31 Städte beziehungsweise Regionen weltweit, darunter auch Berlin und München.

Berlin ist einer der attraktivsten Digital Hubs weltweit

Die beste Nachricht vorweg: Von den 31 untersuchten Städten ist Berlin für Digitaltalente extrem attraktiv und landet nach Dublin auf Platz zwei des Rankings der attraktivsten Städte für Digitaltalente. Während Dublins Attraktivität wohl vor allem der Ansässigkeit von großen Tech-Unternehmen geschuldet ist, kann man davon ausgehen, dass Berlin tatsächlich als Stadt für Digitaltalente attraktiv ist (was ich auch ganz persönlich bezeugen kann – ich bin vor zwei Jahren von Dublin nach Berlin gezogen). Berlin überzeugt unter anderem durch sein kulturelles Angebot, seine Internationalität, die hohe Lebensqualität und die vergleichsweise relativ geringen Lebenshaltungskosten.

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In welchen Branchen arbeiten die Digitaltalente?

Ein Großteil der Digitaltalente arbeitet außerhalb der Informations- und Kommunikationsbranche, also außerhalb der klassischen IT-Branche. Dies zeigt, dass die Digitalisierung überall Zuhause ist. Allerdings hängt der Anteil stark vom jeweiligen Ort ab – in Städten wie Bangalore, Hangzhou, Peking und San Francisco arbeiten mehr als 40 Prozent der Digitaltalente in der Informations- und Kommunikationsbranche, während es in Städten wie London, Hongkong und New York weniger als 20 Prozent sind. Mit 29,5 Prozent beziehungsweise 27,7 Prozent befinden sich München und Berlin unter den „Top 10“, der Städten mit dem höchsten Anteil an Digitaltalent im Informations- und Kommunikationssektor. München verzeichnet einen sehr hohen Anteil von Digitaltalenten im verarbeitenden Gewerbe und bildet mit vier chinesischen Städten – Suzhou, Shanghai, Shenzhen und Nanjing – die „Top 5“ in diesem Bereich.

Welche Kompetenzen sind wo besonders wichtig?

In Schwellenländern wie China und Indien sind Digitalkompetenzen, zu welchen unter anderem Computer Hardware, digitales Marketing, KI und Software Testing zählen, unter den häufigsten Fähigkeiten. Hingegen weisen Arbeitende in Industrieländern meist einen höheren Kompetenzmix auf, in dem auch branchenspezifische, Business und Soft Skills eine wichtige Rolle spielen.

Die am häufigsten in einer Stadt vertretenen Kompetenzen zeigen, welche Branchen in dieser bedeutend sind. In Berlin gibt es einen großen digital-kreativen Sektor – das wird dadurch deutlich, dass dort Kompetenzen wie Web Entwicklung, Grafikdesign und digitales Marketing überproportional vorhanden sind. Außerdem zeigt sich die Internationalität der Stadt durch die Häufigkeit, in der Mitglieder Sprachkenntnisse auf ihren Profilen angeben. Münchens Industriestärke wird durch Fähigkeiten wie Computer Hardware, Raumfahrttechnik und Development Tools sichtbar.

Disruptive Digitalkompetenzen, also Qualifikationen in den ganz neuen Technologien, wie KI, Blockchain oder Cloudcomputing, sind derzeit besonders gefragt. Bei diesen Fähigkeiten sind San Francisco und Bangalore weltweit führend. Neben Städten wie Singapur, Shanghai, Paris, Barcelona, London und New York gehören Berlin und München aber immerhin zur zweiten Riege der Städte und Regionen mit einem hohen Anteil an zumindest einer disruptiven Digitalkompetenz.

Welchen Schluss lassen diese Zahlen nun zu?

Zum einen sehen wir, dass Berlin und München im internationalen Vergleich recht gut abschneiden. In Deutschland haben wir oft die (berechtigte) Sorge, dass wir in Sachen Digitalisierung abgehängt werden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass dies zumindest in Bezug auf den Faktor Digitaltalent noch nicht der Fall ist. Spannend finde ich auch, dass Berlin für Digitaltalente so attraktiv ist (und München sich mit Platz zwölf auch nicht schlecht schlägt). Das könnten wir viel stärker nutzen, indem wir zum einen unsere eigenen Talente mehr fördern und zum anderen, um internationale Talente anzuziehen.

* Kristin Keveloh ist Senior Manager, Public Policy und Economic Graph bei LinkedIn.

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