Integrativer B2B-Handel

Digitalisierung als Chance für den B2B-Handel

| Autor / Redakteur: Andreas Thonig / Georgina Bott

Neustart für den B2B-Handel? Durch die Digitalisierung werden in Zukunft digitale Plattformen und integrativer Handel im Mittelpunkt stehen.
Neustart für den B2B-Handel? Durch die Digitalisierung werden in Zukunft digitale Plattformen und integrativer Handel im Mittelpunkt stehen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Die Digitalisierung dominiert unseren Alltag immer stärker – auch im B2B-Handel. Unternehmen können ihre internen Abläufe automatisieren, die Usability besser auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter abstimmen und neue Erkenntnisse zur Weiterentwicklung ihres Business gewinnen.

Hersteller, Lieferanten und der B2B-Handel müssen sich darauf einstellen, dass Kunden einen schlanken Beschaffungsprozess etablieren werden, der an klassisches Online-Shopping erinnert und von der gesamten Lieferkette ein deutlich höheres Maß an Flexibilität erfordert. Doch auch auf Unternehmen kommen neue Anforderungen zu: Sie müssen Zusammenarbeit neu definieren, sich verstärkt mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und traditionelle Datenverarbeitungskonzepte auf den Prüfstand stellen.

Online-Handel erobert die Einkaufsabteilungen

Die Innovationen der letzten Jahre haben den B2C-Handel revolutioniert und Online-Händler wie Amazon vermelden Rekordumsätze. Auch Einkäufer von Unternehmen ordern gern Online. Um konkurrenzfähig zu bleiben, sind Lieferanten doppelt gefordert: Sie müssen ihren Kunden Produktinformationen nebst individuellen Preisen digital zur Verfügung stellen. Zudem werden selbst kleine Lieferanten nicht umhinkommen, alle Rechnungen elektronisch an ihre Kunden zu übermitteln.

Laut einer Prognose des Branchenexperten Bruno Koch von Billentis ist allein die Anzahl der elektronischen Rechnungen im Jahr 2016 weltweit auf über 30 Milliarden angestiegen. Der gleiche Bericht zeigt, dass mehr als 50 Regierungsinitiativen die Einführung digitaler Transaktionen vorantreiben. Organisationen auf der ganzen Welt automatisieren also zunehmend ihre B2B-Einkaufsprozesse und wollen sämtliche Informationen innerhalb ihrer Lieferkette am liebsten in Echtzeit austauschen. Der Procure-to-pay-Prozess wird also schon bald in den meisten Unternehmen elektronisch laufen – und Lieferanten müssen sich darauf einstellen.

Chancengleichheit von Lieferanten fördern

Die größten Auswirkungen des veränderten B2B-Handels sind innerhalb globaler Lieferketten zu erwarten. Weltweit sind inzwischen zahlreiche Initiativen gegen Globalisierung, Handelsabkommen und das Wachstumsparadigma zu beobachten. Viele Menschen glauben, dass Digitalisierung zu einer größeren Ungleichheit, sozialer und ökologischer Instabilität und Unsicherheit führen wird. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Unternehmen sollten deshalb die auch Chancengleichheit im globalen Handel fördern. Doch können internationale Marken wirklich etwas tun, um ihre Lieferanten zu unterstützen? Die Antwort lautet: Ja – indem sie digitale Plattformen nutzen, um Millionen kleiner und mittelständischer Unternehmen in ihr Lieferantennetzwerk zu integrieren.

Der Vorteil: Auch kleine Lieferanten erhalten so Zugang zum Welthandel und können ihr Produktportfolio einfacher international anbieten und verkaufen. Auch in finanzieller Sicht können große Unternehmen ihre Partner unterstützen – beispielsweise Bereitstellung von kostengünstigen Finanzierungs- und Abrechnungsmodalitäten. Darüber hinaus sollten sie bevorzugt Firmen beauftragen, die nicht nur die günstigsten Preise bieten, sondern soziale Verantwortung und Umweltbewusstsein fest in ihrer Unternehmensphilosophie verankert haben. Die oben beschriebenen CSR-Ratings ein gutes Bewertungsinstrument und lassen sich schon heute in bestehende Lieferantenmanagement-Lösungen integrieren.

Partnerschaften neu denken

Die Umstellung von B2B-Transaktionsprozessen auf einen digitalen Ansatz funktioniert nicht wie ein Lichtschalter. Es handelt sich um eine wesentliche Verschiebung in der Art und Weise, wie Organisationen ihre Rolle im integrativen B2B-Handel definieren. Dieses Ökosystem besteht aus vielen Akteuren: Lieferanten von Maschinen und Geräten, die in der industriellen Fertigung eingesetzt werden sowie Anbieter integrierter Software, die komplexe und mehrstufige Transaktionsprozesse unterstützt. Dazu zählen auch Technologie-Player, die IT-Infrastrukturen betreiben, um Kunden mit ihren jeweiligen Lieferantenbasen zu verbinden.

Um erfolgreich zu sein, sollten Unternehmen anstelle reiner Kostenoptimierung vor allem Agilität und neue Partnerschaftsmodelle in den Fokus ihrer Organisationsstrategie rücken – und selbst Start-Ups nicht nur als Lieferanten sehen, sondern langfristige Partnerschaften in Betracht ziehen. Um eine digitale Lieferkette im großen Stil zu realisieren, müssen sie Geschäftsprozesse gemeinsam definieren und faire Procurement-Strategien entwickeln. Der integrative Handel ist dabei ein wichtiges Kernprinzip, der diese Veränderung wirkungsvoll unterstützen kann.

Digitale Plattformen und integrativer Handel sind die Zukunft

Unternehmen stehen im Grunde zwei wesentliche Veränderungen bevor: Die erste ist eine Abkehr von isolierten, unkoordinierten Geschäftsprozessen, die zweite ist der Verzicht auf eine stückweise Implementierung neuer Technologien. So ist es nicht verwunderlich, dass globale Player in die Jahre gekommene Datenverarbeitungskonzepte wie Electronic Data Interchange (EDI) auf den Prüfstand stellen und anstelle klassischer Schnittstellen über netzwerkbasierte Ansätze nachdenken.

Auch wir sehen die Veränderungen als wesentliche Schritte, um eine herstellerneutrale, digitale B2B-Plattform zu etablieren. Doch ganz gleich für welche Lösung sich Unternehmen am Ende entscheiden: Digitale Plattformen sind der Anfang einer neuen Evolutionsstufe im Procurement. Die Überbrückung von Cloud- und On-Premise-Prozessen über Anwendungssilos hinweg bringt relevante Daten in Echtzeit in die Hände von Entscheidungsträgern und ermöglicht die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Gleichzeitig können sie integrativen und fairen Handel fördern – sofern sich Führungskräfte in Unternehmen ihrer hohen Verantwortung bewusst sind. Unternehmen und ihre Lieferanten sollten die Digitalisierung im B2B-Handel als Chance begreifen, um in die Jahre gekommene Procure-to-Pay- Prozesse schneller, effektiver und fairer zu gestalten.

Andreas Thonig ist Country Manager DACH bei Tradeshift.
Andreas Thonig ist Country Manager DACH bei Tradeshift. (Bild: Agentur Frische Fische / Tradeshift)

Über den Autor

Andreas Thonig ist Country Manager DACH bei Tradeshift und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in den Bereichen E-Invoicing, Business Collaboration und E-Procurement. Tradeshift hat eine globale B2B-Plattform entwickelt, die Unternehmen hilft, effizienter zusammenzuarbeiten. Sie verwendet cloudbasierte Technologien, um Abläufe wie Rechnungsstellung, Workflow und Lieferantenfinanzierung zu verbessern.

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