Neue Datenschutz-Grundverordnung 2015

Europäische Unternehmen vernachlässigen Datenschutz

| Autor / Redakteur: Sven Hoge / Dr. Gesine Herzberger

Die neue Datenschutz-Grundverordnung (General Data Protection Regulation, GDPR) wird viele europäische Unternehmen unvorbereitet treffen, das zeigt eine aktuelle Umfrage von Ipswitch.
Die neue Datenschutz-Grundverordnung (General Data Protection Regulation, GDPR) wird viele europäische Unternehmen unvorbereitet treffen, das zeigt eine aktuelle Umfrage von Ipswitch. (Bild: Archiv)

Ende 2015 stehen für die ganze EU einheitliche Regeln bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch private Unternehmen an. Das wussten Sie nicht? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen.

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“, warnte schon Rilke die Unvorbereiteten vor dem nahenden Herbst. Ähnlich unter Zeitdruck stehen die europäischen Unternehmen, wenn es um die von der EU für Ende 2015 geplante Einführung einer Datenschutz-Grundverordnung (General Data Protection Regulation, GDPR) geht, wonach einheitliche Regeln für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch private Unternehmen EU-weit gelten sollen.

Die geplante Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird das bis dahin geltende nationale Datenschutzrecht grundlegend verändern. Den EU-Staaten wird es dann nicht mehr möglich sein, den von der Verordnung festgeschriebenen Datenschutz durch individuelle Eingriffe zu beeinflussen. Unternehmen und öffentliche Behörden zeigen sich hingegen noch auffallend unbeeindruckt, wenn es um dieses Thema geht. Im Ernstfall können Nachlässigkeiten sogar empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen.

Eine kürzlich in Deutschland, Großbritannien und Frankreich durchgeführte Umfrage von Ipswitch macht erschreckend deutlich, dass mehr als die Hälfte (56 Prozent) der 316 befragten Unternehmensadministratoren nicht weiß, wofür die Abkürzung GDPR steht. 52 Prozent gaben zu, nicht auf die Datenschutz-Grundverordnung vorbereitet zu sein. 35 Prozent konnten nicht sagen, ob ihre IT-Richtlinien und Prozesse den neuen Vorgaben entsprechen. Und von 79 Prozent Cloud-Nutzern haben nur 6 Prozent bei ihrem Cloud-Anbieter nachgefragt, wie dieser es mit der Datenschutz-Grundverordnung denn halte. Lediglich 12 Prozent fühlten sich gut auf die Änderungen vorbereitet. Zu einem ähnlich enttäuschenden Ergebnis kommt der neue Bericht des Britischen Information Commissioner’s Office (ICO). Demzufolge besteht bei britischen Kommunalverwaltungen in puncto Schulungen und Verfahren des Datenschutzes ein erheblicher Verbesserungsbedarf. Wenn hier nicht nachgebessert wird, drohen überhöhte Risiken die geltenden Datenschutzbestimmungen massiv zu verletzen.

Unsichere Dateiverarbeitungsmethoden begünstigen Datenschutzverletzungen

Datenpannen, wie etwa veröffentlichte Privatfotos von Prominenten aus Apples angeblich gehacktem iCloud-Dienst über die Abmahnwelle für Redtube-Nutzer bis hin zu gestohlenen E-Mail-Adressen aus einem Dropbox-Mitarbeiterkonto, sind nur die medienwirksame Spitze missachteten Datenschutzes. Derartige Auswirkungen von Datenschutzverletzungen durch unsichere Dateiverarbeitungsmethoden verdeutlichen, wie wichtig die Einhaltung von gesetzlichen Richtlinien durch Unternehmen und Kommunen ist. Überdies zeigen all diese Vorfälle, wie einfach ungeschützte Daten, ohne ein funktionierendes Datenschutzverfahren, zu stehlen und zu missbrauchen sind.

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