Film und Foto für B2B

Fotografieren, was nicht da ist? Virtual Production im B2B-Kontext

| Autor / Redakteur: Tina Thiele* / Jessica Eckenberger

Die Kombination von Real und Virtuell: Hybride Produktionen sollen mehr Flexibilität in die B2B-Produktvermarktung bringen.
Die Kombination von Real und Virtuell: Hybride Produktionen sollen mehr Flexibilität in die B2B-Produktvermarktung bringen. (Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Wie fotografiert man Dinge, die nicht da sind? – Produkte, die noch produziert werden – oder am anderen Ende der Welt stehen? Im B2B-Marketing wird das meist mit CGI gelöst – mit computergenerierten Bildern. Jetzt gibt es jedoch eine wesentlich authentischere und kreativere Methode: Virtual Production.

Stellen Sie sich vor: Sie stehen im Fotostudio. Sie begleiten die Dreharbeiten zu einem neuen Computertomographen. Models demonstrieren, wie die neue Technik funktioniert. Bringen das Gerät in Position. Drücken Knöpfe. Der Fotograf lichtet verschiedene Szenen ab, lässt unterschiedliche Posen durchspielen. Und Sie stehen vor dem Vorschau-Screen – und verfolgen alles mit. Sie geben Impulse, Regieanweisungen, bringen neue Ideen ein. Was an diesem Shooting außergewöhnlich sein soll, fragen Sie sich? – Die Tatsache, dass der Star des Shootings nicht anwesend sein muss. Denn wenn Sie Ihr neues Produkt in einem so genannten Hybrid Studio fotografieren lassen, dann benötigen Sie dazu kein reales Produkt. Hört sich zugegebenermaßen etwas merkwürdig an. Hat aber eine ganz logische Erklärung – und viele positive Aspekte.

Hybride Produktion

Denn bei der hybriden Produktion – auch „Virtual Production“ genannt – werden echte und computergenerierte Bilder übereinander gelegt. Reale und virtuelle Welt werden sozusagen eins und verbinden sich zu einer neuen „hybriden“ Welt. Und das bereits während der Aufnahme. In Echtzeit. Direkt am Set. Bislang war so etwas erst nach den Dreharbeiten möglich, in der so genannten Post Production. Oder in Hollywood. Aber nicht in einem Fotostudio, in dem B2B-Produkte abgelichtet werden.

Der entscheidende Vorteil dieses neuen Verfahrens: Über einen Vorschau-Screen sehen alle am Shooting Beteiligten sofort, wie das finale Bild aussehen wird, und können entsprechend agieren. Kunde, Fotograf und Models. Dies wiederum ermöglicht zum einen authentischere Aufnahmen als sonst übliche Methoden. Zum anderen eröffnet das einen völlig neuen kreativen Spielraum. Denn Fotograf, Regisseur und B2B-Verantwortliche können direkt am Set sehen, ob eine Idee funktioniert, spontan reagieren und verschiedene Varianten durchspielen.

Entwicklung der Digitalisierung

Hybride Production kann die Herausforderungen gezielt lösen, mit denen Industrieunternehmen, Marketing-Verantwortliche und Kreativschaffende immer häufiger konfrontiert werden. Das ist zum einen das Vermarkten von Produkten, noch bevor sie produziert und real vorhanden sind. Zum anderen sind das die immer kürzer werdenden Innovationszyklen – die immer schneller neues Marketingmaterial erfordern. Zudem gewinnen Zeit- und Kostendruck an Bedeutung.

„Genau das waren die Herausforderungen, die wir für unsere Kunden damals lösen wollten“, erklärt Jürgen Hinterleithner, Erfinder und Initiator des Hybrid Studios – der ersten virtuellen Produktionsstätte außerhalb Hollywoods. „Seit Jahren haben wir bei uns in der Agentur Fotos und Filme für Siemens Healthineers gemacht. Computertomographen, Magnetresonanztomographen (MRT), Röntgengeräte. Lauter große Geräte haben wir fotografiert – und sind dafür manchmal bis ans andere Ende der Welt gefahren“, erklärt Hinterleithner. „Denn so ein MRT transportiert sich ja nicht eben mal so. Entweder lässt man es mit einem Großtransporter ins Studio bringen. Oder man baut die Produktionsstätte, an der sich das Gerät befindet, entsprechend um. Aber auch das dauert dann seine Zeit – und kostet“, erklärt Hinterleithner, der selbst jahrelang für Kunden wie Siemens fotografierte.

Foto-Shooting eines kombinierten Angiographie-CT-Systems von Siemens Healthineers im Hybrid Studio
Foto-Shooting eines kombinierten Angiographie-CT-Systems von Siemens Healthineers im Hybrid Studio (Bild: hl-studios)

Wie gemacht für Großgeräte

Das brachte die Agentur vor drei Jahren auf die Idee, das Hybrid Studio zu entwickeln. Ein Produkt, das auf diese Weise fotografiert und gefilmt wurde, war das Röntgengerät Multix Impact von Siemens Healthineers. Ein Gerät, das fotografiert werden sollte, bevor es fertig war. Noch während das Röntgengerät engineert und finalisiert wurde, entstanden im Fotostudio die ersten Filme und Fotos der Weltneuheit. Mit echten Models. Und einem virtuellen Multix-Impact-Gerät in Form eines computergenerierten Bildes. Das Resultat: authentische Bilder und Clips, die exakt die Funktionsweise und den Innovationscharakter des Geräts transportieren.

Inzwischen gibt es bereits eine Update-Version des Multix-Impact-Gerätes, mit überarbeitetem Design. Um das auch bildlich darzustellen, musste nur das bestehende Bild in der Post Production überarbeitet werden – ein erneutes Shooting war nicht nötig.

Mehr Flexibilität

„Ein kleiner Knopfdruck – und wir können das komplette Set verändern. Zum Beispiel neue Requisiten laden oder die Hintergrundkulisse wechseln.“, so Christian Bürger, Leitung der Abteilung Hybrid Production bei hl-studios. Die neue Produktionstechnik passt sich perfekt den Wünschen und Bedürfnissen des Benutzers an. „Bisher haben unsere Models und Schauspieler vor einer grünen Wand gespielt. Meist haben wir exakt definierte Szenarien fotografiert und hatten damit relativ wenig Gestaltungsspielraum“, erklärt Wenzel Naumann, Leiter des agentureigenen Fotostudios. „Jetzt tauchen wir direkt am Set in die virtuelle Welt ein. Die Akteure können sich darin genauso bewegen wie in der realen Welt.

Neben der neuen Flexibilität und Kreativität bietet hybride Produktion natürlich auch finanzielle Vorteile. Denn es ermöglicht zum Beispiel, an Orten zu drehen, die aus Kostengründen oder aus Gründen der Logistik als Drehort nicht in Frage kämen.

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*Tina Thiele ist Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei den hl-studios

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