Nachhaltigkeit im Unternehmen Greenwashing – Warum die trügerische Nachhaltigkeit problematisch ist

Ein Gastbeitrag von Michaela Schenk*

Immer mehr Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft bewusst. Andere stellen sich jedoch umweltorientierter dar, als sie wirklich sind. Für Greenwashing ist aber keine Zeit mehr – und es führt Verbraucher in die Irre.

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Um bei Kunden bestehen zu können, müssen Unternehmen ihr verantwortungsvolles Handeln deshalb unter Beweis stellen und Nachhaltigkeit auch wirklich zu einer Kernaufgabe der Firma machen.
Um bei Kunden bestehen zu können, müssen Unternehmen ihr verantwortungsvolles Handeln deshalb unter Beweis stellen und Nachhaltigkeit auch wirklich zu einer Kernaufgabe der Firma machen.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Bereits Anfang der 1970er-Jahre warnten Wissenschaftler vor dem menschengemachten Klimawandel. Lange wurde dieser jedoch von der Weltgemeinschaft größtenteils ignoriert. Erst auf der internationalen Klimakonferenz in Paris im Jahr 2015 zeichnete sich ein grundlegender Wechsel im Klimaschutz ab. In den vergangenen Jahren ist damit auch das gesellschaftliche Bewusstsein für dringend nötige Klimaschutzmaßnahmen gestiegen und hat die Mitte der Gesellschaft erreicht. Bereitschaft und Wille zur Veränderung wachsen bei immer mehr Menschen – und weil Umwelt und Naturschutz den Kunden so wichtig sind, setzen auch viele Unternehmen zunehmend auf nachhaltige Produkte und eine umweltschonendere Herstellung. Einige machen sich jedoch auch grüner, als sie wirklich sind, das bezeichnet man dann als „Greenwashing“.

Greenwashing: Desinformationen für ein grünes Image

Angelehnt an die Definition des Oxford Dictionary versteht man unter Greenwashing – auf Deutsch Grünwaschen oder Grünfärben – Strategien zur gezielten Verbreitung von Desinformationen für ein grünes Image. Mit Desinformation ist dabei nicht zwingend die Unwahrheit gemeint. Manchmal sind die öffentlich genannten grünen Fakten wahr, doch das Kerngeschäft ist nicht umweltfreundlich – die Unternehmen lenken also nur von anderen Problemen, die ihre Produkte oder Leistungen verursachen, ab. Um sich einen „grünen Stempel“ zu geben, werben Unternehmen dann zum Beispiel mit Begriffen wie „regional“ oder „klimafreundlich“, allerdings gibt es dafür keine rechtlich bindenden Definitionen. Hersteller müssen deshalb nicht erklären, was „regional“ und „umweltfreundlich“ eigentlich bedeutet. Andere nutzen Bilder und Symbole, die Verbraucherinnen und Verbrauchern ein falsches beziehungsweise irreführendes Bild vermitteln können. Sind auf einer Packung Eier zum Beispiel Hühner auf einer großen, grünen Wiese zu sehen, entsteht schnell der Eindruck, dass die Eier von freilaufenden Hühnern auf einem Bio-Bauernhof stammen. Obwohl es sich bei solchen Produkten nicht immer um tier- und umweltfreundliche Ware handelt, wird ein grünes Image vermittelt.

Wirtschaft auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Verbraucherinnen und Verbraucher durchschauen das Greenwashing jedoch immer häufiger. Um bei Kunden bestehen zu können, müssen Unternehmen ihr verantwortungsvolles Handeln deshalb unter Beweis stellen und Nachhaltigkeit auch wirklich zu einer Kernaufgabe der Firma machen. Viele Firmen setzen sich auch bereits für den weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde ein. Sie verpflichten sich beispielsweise der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung oder setzen auf Siegel wie „Fairtrade“, die von unabhängigen Stellen kontrolliert werden. Außerdem gibt es dank moderner Anlagen in Deutschland nur noch selten rauchende und rußende Fabrikschlote. Dennoch ist die Industrie nach dem Energiesektor die zweitwichtigste Emissionsquelle.

Deshalb sollen sich in allen Wirtschaftszweigen bis 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 halbieren. Bis 2050 ist gar eine weitgehend treibhausgasneutrale Wirtschaft geplant. Deutschland steht damit vor der Herausforderung, eine in großen Teilen hochgerüstete, auf Wachstum und Wohlstand fixierte Volkswirtschaft so umzubauen, dass Bürger und Unternehmen den Weg hin zur Nachhaltigkeit und zu mehr Klimaschutz auch mitgehen. Dafür muss verdeutlicht werden, dass die Entwicklung von treibhausgasneutralen und ressourceneffizienten Techniken und Produktionsverfahren den Erfolg sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen langfristig stärkt und gleichzeitig dabei hilft, auch den zukünftigen Generationen eine Lebensgrundlage zu geben.

Klimaschutz als Anreiz für Innovationen

Nachhaltigkeit und Wirtschaft müssen für eine ökologische Klimapolitik deshalb als Kooperation statt als Gegensatz gesehen werden. Klimaschutz bietet schließlich auch Anreize für Innovationen in verschiedensten Bereichen. Neue Möglichkeiten für eine nachhaltige Wirtschaft bieten auch die

  • Materialsubstitution
  • Langlebigkeit
  • Reparierbarkeit
  • Recyclingfähigkeit und
  • intensivere oder geteilte Nutzung

von Produkten. So lassen sich beispielsweise Altkleider – von denen allein in Deutschland jedes Jahr etwa eine Million Tonnen in Altkleidercontainern und anschließend oft auf der Müllkippe landen oder verbrannt werden – wiederverwerten. Zum Beispiel können alte Pullover, T-Shirts oder Hosen zu Putzlappen verarbeitet oder geschreddert werden, um die winzigen Fasern als Dämmmaterial zu nutzen. In diesen Fällen kann von „Downcycling“ gesprochen werden. Doch Altkleider lassen sich auch für Upcycling-Verfahren verwenden. Wir haben zum Beispiel Kleiderbügel aus Textilaltfasern und nachwachsenden Rohstoffen entwickelt.

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*Michaela Schenk ist Geschäftsführerin der MAWA GmbH.

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