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B2B Marketing Days 2019 Industrie 4.0: Wie interaktive Contentformate das Komplexitätsproblem lösen

| Autor / Redakteur: Kristina Breuer* / Julia Krause

Industrieunternehmen bringen immer mehr softwarebasierte Produkte auf den Markt. Deren Nutzen im kommunikativen Kontext einer Industrie 4.0 leicht verständlich zu vermitteln, ist eine Herausforderung für die Markenkommunikation. Denn während die Komplexität neuer Produkte zunimmt, sinkt die Aufmerksamkeitsspanne bei den Zielgruppen.

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Technologisch anspruchsvolle Produkte müssen immer schneller vermittelt werden – eine Herausforderung für Marketing und Vertrieb.
Technologisch anspruchsvolle Produkte müssen immer schneller vermittelt werden – eine Herausforderung für Marketing und Vertrieb.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Die Digitalisierung hat die Art und Weise, wie wir kommunizieren, verändert und zu einer stark verkürzten Aufnahmebereitschaft geführt. Damit ist nun auch im B2B-Bereich der Druck auf Marketing und Vertrieb stark gestiegen. Sie müssen die vielfältigen Nutzen, Vorteile und Zusammenhänge von Marken und Produkten in immer kürzerer Zeit transportieren. Umso wichtiger ist es, den Mehrwert für die jeweilige Zielgruppe klar herauszustellen und über einen möglichst emotionalen Ansatz zu transportieren.

Bewegtbild schlägt Text. Ja aber...

Videos sind beliebt, um Inhalte schnell und lebendig zu vermitteln. Sie sprechen mehrere Sinne an, lassen sich auf Webseiten prominent platzieren und auf Social Media Plattformen bewerben und teilen. Allerdings bleibt der Betrachter in seiner Rolle passiv. Er kann die Inhalte verfolgen – selbst entdecken kann er sie nicht.

Komplexität in kleinen Häppchen

Whitepaper, Webinare, E-Books, Infografiken und Case-Stories eignen sich ebenfalls für erklärungsbedürftige Themen. Sie ermöglichen die nötige Detailtiefe, lassen sich gut in Spezialbereiche unterteilen und machen im Idealfall aus schwerer Kost leicht konsumierbare Content-Happen. Aber auch hier bleibt der Nutzer passiv. Inwieweit sich die Botschaften im Gedächtnis verankern, ist ungewiss. Werden jedoch zusätzlich Links und Buttons in die Formate eingebunden, die Grafiken, Karten oder Chatfenster öffnen, entsteht eine neue Dimension. Der Konsument kommt ins Tun – und das macht die Sache interessant.

Interaktion als Wissensturbo

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass die aktive Auseinandersetzung mit Inhalten die positive Wahrnehmung steigert. Je intensiver wir uns mit einer Sache beschäftigen, umso nachhaltiger bleibt das Thema im Gedächtnis. So deuten die Ergebnisse eines Online-Experimentes mit 265 Teilnehmern an der Universität Hamburg darauf hin, dass Artikel mit interaktiven Datenvisualisierungen im Vergleich zu herkömmlichen Artikeln als origineller und innovativer wahrgenommen werden. Darüber hinaus wurden sie auch als ausgewogener, gründlicher recherchiert und glaubwürdiger bewertet.

In einer Umfrage des Content Marketing Institutes sieht mehr als Dreiviertel der befragten Unternehmen eindeutige Vorteile in der Interaktion, unter anderem in punkto Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von Markenbotschaften.

Intuitiv schlauer werden und dabei die Marke erleben

Führende Unternehmen der Industrie präsentieren ihre Hightech-Themen bereits in interaktiven Formaten. So zum Beispiel der Sensorhersteller SICK. Anlässlich der Hannover Messe realisierte das Unternehmen eine digitale Anwendung, mit der die Standbesucher die neu gebaute, unternehmenseigene Smart Factory via Touchscreen erkunden und über ein Live-Monitoring die aktuelle Produktionsleistung in Echtzeit einsehen konnten.

Die inhaltliche Komplexität sieht man der Applikation nicht an. Text und Gestaltung sind auf ein Minimum reduziert. Der Nutzer erschließt sich selbst mit jedem Touch ein Stück Industrie 4.0-Welt. Dank 2D- und 3D-Visualisierungen, grafischen Animationen und echten Filmsequenzen sind die Vernetzung der Produktionsmodule, die Datenströme und Prozessabläufe leicht nachvollziehbar. Das hilft den abstrakten Industrie 4.0-Begriff besser zu verstehen und zeigt, was ein Unternehmen heute schon davon realisieren kann.

Die Applikation wurde ein großer Erfolg. Besucher und Mitarbeiter zeigten sich begeistert von der smarten Art der Informations-vermittlung und dem schnellen Erkenntnisgewinn. Neben den innovativen Sensorlösungen und der reibungslos funktionierenden Technik spielten dabei drei weitere Aspekte eine wichtige Rolle:

1. Faszinierende 3D-Welten und Animationen

Anhand von animierten 2D- und 3D-Visualisierungen lassen sich komplexe Systeme und Prozesse anschaulich darstellen. Sie sind in der Gestaltung flexibel und können nach Bedarf bestimmte Elemente vereinfachen oder betonen. Produkte, Objekte, Anlagen und Gebäude lassen sich aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachten und durch Kamera-Animation entdecken. Der Benutzer überblickt das Geschehen, kann die Zusammenhänge besser durchschauen und verinnerlichen.

Ein wichtiger Vorteil, wie der Einsatz der SICK-Anwendung auf der Messe zeigte. Die Standbesucher erhielten einen Gesamtüberblick über die vernetzten Maschinen und Abläufe, wie ihn in eine Fabrik-Führung vor Ort so schnell nicht hätte bieten können. Und das auf einer Basis, die der Realität so nahe wie möglich kommt. Denn die Visualisierungen wurden nach den original CAD-Fabrikdaten der Produktion in Freiburg umgesetzt.

2. Einzigartige Echtzeiterfahrung

Die Lernerfahrung lässt sich noch steigern, wenn der Fortschritt unmittelbar erlebt wird. Mit dem Live-Monitoring bietet SICK in der Touch-Anwendung ein solches Erlebnis. Das zuschaltbare Dashboard ermöglicht den Echtzeit-Einblick in die hochautomatisierten, selbststeuernden Produktionsabläufe und macht die Bedeutung von Transparenz in der Wertschöpfungskette für Benutzer direkt nachvollziehbar.

3. Stimmige Brand Experience

Wer für sich beansprucht, zukunftsweisend und innovativ zu sein, sollte auch entsprechend kommunizieren. Technische Exzellenz zeigt sich nicht zuletzt auch in der Art und Weise, wie ich meine Umgebung damit konfrontiere. Lösungen, die das Leben der Menschen einfacher machen sollen, müssen sich in der Kommunikation smart, klar und intelligent anfühlen. Dazu braucht es nicht unbedingt viele Worte, wie das Beispiel der SICK Touch-Anwendung zeigt. Was es aber braucht, ist das richtige Zusammenspiel aus Botschaften, Designs, Formaten und Technologien, die dem Nutzer eine positive Erfahrung ermöglichen und die Marke interaktiv erlebbar machen.

Fazit

Themen wie Digitalisierung und Industrie 4.0 sind prädestiniert für interaktive Contentformate. Virtual und Augmented Reality bieten spannende Möglichkeiten, sind aber nicht immer praktikabel und erschwinglich. Um die Komplexität der Inhalte zu reduzieren, lohnt es auf jeden Fall in 2D- und 3D-Visualisierungen zu investieren, die sich flexibel in unterschiedliche Medien integrieren lassen. Touch-Anwendungen haben den Vorzug, dass sie sich sowohl für Großbildschirme als auch mobile Geräte eignen und sind ideal für Präsentationszwecke. Die gelungene Verknüpfung von Video, Audio, Animation, Bild und Text macht sie zu einem interaktiven Multimedia-Tool mit hohem Erlebnispotenzial.

Mehr zum Thema präsentierte Kristina Breuer auf den marconomy B2B Marketing Days am 15. und 16. Oktober 2019 in Würzburg. Alle Learnings des Marketing-Fachkongresses für den Mittelstand finden Sie in unserem Nachbericht:

* Kristina Breuer ist Creative Director Strategy bei der Marken- und Kommunikationsagentur mangler+noller.

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