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Symbiose und B2B-Ökosystem Kreativ durch die Krise

| Autor / Redakteur: Ulvi Aydin, Peter Kuhle und Siegfried Lettmann* / Veronika Kremsreiter

B2B-Unternehmen sollten die Chance der Corona-Krise nutzen und in Ökosystemen ihre Kräfte bündeln. So transformiert sich die Wertschöpfungskette zu einem Wertschöpfungsnetzwerk. Der Lockdown macht der deutschen Wirtschaft zu schaffen – gleichzeitig entstehen notgedrungen viele Innovationen. Haben sich einige Unternehmen „vor Corona“ mit der Digitalisierung noch sehr schwergetan, zeigt sich heute: Home-Office und Online-Meetings können plötzlich alle.

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Wie können Unternehmen auf die zunehmende Komplexität der Welt reagieren? Nämlich durch Symbiose und Schaffung wirtschaftlicher Ökosysteme.
Wie können Unternehmen auf die zunehmende Komplexität der Welt reagieren? Nämlich durch Symbiose und Schaffung wirtschaftlicher Ökosysteme.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Not macht erfinderisch

Auch im B2B-E-Commerce haben Händler kreativ auf die Krise reagiert – beispielsweise durch kooperative Liefermodelle oder die solidarische Sortimentslistung anderer Fach-Händler im eigenen Shop. Positiv können wir also festhalten: Unternehmer haben durch Corona die Zeit gefunden, wieder an ihren Unternehmen zu arbeiten, anstatt nur in ihnen.

Und das ist wichtig, denn: Die Digitalisierung erfordert eine neue Art der Kooperation. Ansätze zur Innovationsförderung müssen in einer sich immer schneller drehenden Wirtschaftswelt neu gedacht werden, branchenübergreifender Wissenstransfer stärker stattfinden. Die Corona-Krise macht deutlich, wie weit wir noch von digitalisierten Zukunftsmodellen entfernt sind – und beantwortet für den B2B-Bereich die Frage: Wie können Unternehmen auf die zunehmende Komplexität der Welt reagieren? Nämlich durch Symbiose und Schaffung wirtschaftlicher Ökosysteme.

Das B2B-Ökosystem

Die Idee dahinter ist nicht neu: Wettbewerber tun sich mit branchenfremden Unternehmen und Startups zusammen und entwickeln gemeinsam neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungen oder Produkte, die sie alleine nicht hätten entwickeln können. Die McKinsey-Analyse Aus Konkurrenten werden Partner veranschaulicht beispielsweise, dass Anlagen- und Maschinenbauer ein B2B-Ökosystem im Bereich Aftersales und Service entwickeln sollten, um den in den Markt drängenden IT-Giganten Amazon und Alibaba etwas entgegensetzen zu können.

Der Vorteil solcher Symbiosen ist interdisziplinärer Wissenstransfer, der wiederum die Flexibilität und Krisen-Resilienz der Beteiligten erhöht. Davon hätten viele Branchen im Lockdown profitiert. Allen voran die Messebranche, die Corona richtig kalt erwischt hat. Messen, Fachtagungen und sogar kleinere B2B-Arbeitskreise und Branchentreffen fanden im Q1 2020 nicht wirklich statt – was die Branche quasi über Nacht in eine tiefe Krise stürzte.

B2B-Fachtagungen in Corona-Zeiten?

Auch hier wurde man kreativ und organisierte Online-Veranstaltungen, wie die Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Was gerade im B2B-Bereich allerdings immer wieder vermisst wurde: Die persönlichen Gespräche am Rande solcher Tagungen, in denen normalerweise die wichtigen Deals und Projekte an Land gezogen werden. „It’s a people’s business“, sagen die Amerikaner passend. Nur Online ist auch nicht geschäftsfördernd. Wie also tagt Deutschland in Zukunft?

An Messen und Fachtagungen hängen ja mehrere Wirtschaftszweige: Marketing, Medienwirtschaft, Tagungsorte, Hotels, Gastronomie, Verkehr, Infrastruktur – all das muss durch Corona neu gedacht werden. Die Antwort ist ein Hybrid aus Abstand, Digitalisierung und Hygiene sowie ein Perspektivwechsel von Ballungsgebieten weg hin zu Veranstaltungsorten und Hotels im Grünen, fernab der Massen. Das Anreiseverhalten von Geschäftsleuten verändert sich. Die Auswahlkriterien für Tagungshotels verschiebt sich.

Geschäftsprozesse vernetzen

B2B-Tagungsorte und Veranstaltungen müssen also digitaler werden, sprich: ausreichend Infrastruktur für Videozuschaltungen haben, um die „hybride Veranstaltung“ zu gewährleisten. So kann eine Hälfte der Teilnehmer vor Ort sein und die andere sich per Video-Call zuschalten. Hier bietet sich eine Symbiose zwischen Tagungshotels, Fachkreisen und Technologieanbietern an, auf allen Seiten Mehrwert zu schaffen. B2B-Tagugnen bedeuten Austausch. Austausch bedeutet Geschäft.

Es gibt schon Hotels, die sich als Tagungsort der Zukunft positionieren, wie das innovative New-Work-Hotel „The Hearts Hotel“ im Harz. Der Geschäftsführer Meik Lindberg kommt aus der Startup-Szene und weiß, wie wichtig Ökosysteme in Zukunft sein werden. „Im B2C-Bereich sind wir hierbei schon weiter, in dem wir aus unserer Website eine Plattform für Freizeitangebote in der Region gemacht haben“, so Lindberg. „Aber auch für das Thema Kongresse und Fachtagungen stellen wir uns gerade auf und tauschen uns mit B2B-Untenrehmen und Beratern unterschiedlicher Branchen aus, wie man Geschäftsprozesse vernetzen kann“.

Voraussetzung

Und genau das ist die Voraussetzung für die Bildung von B2B-Ökosystemen: Austausch und Dialogfähigkeit. Nur, wer offen mit Wettbewerbern, branchenfremden Unternehmen und krisenerprobten Beratern spricht, findet zu innovativen Geschäftsmodellen, Vertriebswegen und Lösungsansätzen. Auch hier gilt: Allein durch Austausch entsteht schon ein enormer Wissenstransfer. Leider fehlt offener Dialog noch in vielen deutschen B2B-Unternehmen. Die Hoffnung durch zu Corona-Zeiten besteht darin, dass Verantwortliche weitsichtigere unternehmerische Maßnahmen einleiten, Ökosysteme bilden – und gestärkt aus der Krise hervortreten.

*Peter Kuhle, Ulvi Aydin und Siegfried Lettmann sind preisgekrönte Interim Manager für Geschäftsmodelle, Service & Vertrieb, Produkteinführung, Marktentwicklung, Restrukturierung, Digitalisierung und Transformation. Mehr Infos: www.peterkuhle.com/www.aycon.biz/www.lettmann-interim.com

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