Media Trends

Was die Gamification für Medien tun kann

| Autor / Redakteur: Dr. Gunther Schunk / Dr. Gesine Herzberger

Christopher Kassulke ist geschäftsführender Gesellschafter von HandyGames.
Christopher Kassulke ist geschäftsführender Gesellschafter von HandyGames. (Bildquelle: Handygames)

Christopher Kassulke ist Geschäftsführender Gesellschafter von HandyGames GmbH und sprach auf dem Kongress der Deutschen Fachpresse in Berlin zum Thema Gamification: in seinem Vortrag „Über den Tellerrand schauen – wie Health- care, Industrie, Architektur & Co. von Spieleentwicklern profitieren“. Dr. Gunther Schunk interviewte für marconomy den erfolgreichen Innovator und Querdenker

Herr Kassulke, Sie waren das erste Mal auf einem Kongress der Deutschen Fachpresse. Wie war´s?

Christopher Kassulke: Extrem spannend und sehr interessant. Der Kongress der Deutschen Fachpresse hat mir in zwei Tagen aufgezeigt, welche Herausforderungen es in dieser sehr speziellen Branche zu meistern gibt. Lustig ist es zu sehen, dass die deutschen Fachverleger in den neuen Märkten auf ähnliche Probleme stoßen, wie wir vor etwa fünf Jahren. Ich glaube, wir können viel voneinander lernen, wenn wir es schaffen, die gleiche „Sprache“ zu sprechen und die Eigenheiten jeder Branche zu akzeptieren.

Ihr Vortrag trug den Titel „Über den Tellerrand schauen – Wie Health-Care, Industrie, Architektur & Co von Spieleentwicklern profitieren“. Wie viele haben mit Ihnen über den Tellerrand geschaut?

Christopher Kassulke: Ich war sehr überrascht als der komplette Kongresssaal gefüllt war, da es sicherlich ein sehr ausgefallenes Thema war. Ich habe insgesamt vier weitere Stunden mit interessierten Teilnehmern nach meinem Vortrag gesprochen. Dies zeigt, dass das Interesse an diesem Thema sehr groß ist. Ich bin mir sicher, dass ich in den nächsten Monaten einige Besucher aus der Fachpresse bei mir begrüßen darf. In unseren Büros bei Handygames kann man einige der angesprochenen neuen Technologien live ausprobieren und seine eigene Meinung bilden. Meist werden dann auch gleich ganze Workshops bei uns gebucht, um das Erlebte auch auf sein spezielles Industriefeld zu transformieren und zu verwenden.

Die Gamer und die Fachverleger – sind das nicht zwei diametral entgegengesetzte Welten?

Christopher Kassulke: Jain – aus der Ferne betrachtet sind es entgegengesetzte Welten. Fachverleger haben eine spezielle, überschaubare, vergleichsweise homogene und bekannte Zielgruppe. Wir hingegen bedienen Millionen von Kunden auf der ganzen Welt mit unseren Produkten. Wenn man jedoch näher hinschaut, dann erkennt man ganz viele ähnliche Herausforderungen. Aber wie wir alle wissen können Gegensätze anziehend wirken: Wenn zwei aufgeschlossene Partner ihre Stärken bündeln, kann ein sehr interessantes Produkt dabei entstehen.

Was sollten sich andere Branchen an der Kultur der Gamesindustrie näher anschauen?

Christopher Kassulke: Schauen Sie sich die Spiele sowie Entwickler näher an! Um eine Kultur näher kennenzulernen, tauchen Sie ein und lernen Sie. Diese Kultur einfach zu kopieren wird jedoch schwer sein, denn die Spieleindustrie verändert sich viel zu schnell.

Was können Fachmedienhäuser von der Gamesbranche lernen?

Christopher Kassulke: In meinem Vortrag bin ich auf einige Themen näher eingegangen. Die Fachmedienhäuser müssen schneller auf Veränderungen eingehen können. Bei uns im Gamesmarkt ändert sich der Markt alle 180 Tage komplett. Wir müssen schnell und agil auf diese Veränderungen reagieren. Ständig fordern uns neue Plattformen, neue Business Modelle, neue Software, neue Geschmäcker und vieles neues mehr heraus. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Mit einem schlagkräftigen Team von nur 65 Personen bedienen wir einen Milliardenmarkt. Man braucht in unserer Branche keine 1.000 Leute. Das neue „Groß“ ist „Klein“. Als Spezialeinheit kann man schneller auf die aktuelle Lage reagieren.

Was heißt das konkret?

Christopher Kassulke: Ebenso glaube ich, dass Medienhäuser lernen müssen „ihre Babys“ sterben zu lassen. Wir haben bei Handygames „nur“ 20 verschiedene Produkte, die gepflegt und weiterentwickelt werden. Kommt ein neues Produkt auf den Markt wird das „schlechteste“ aussortiert.

Wie kann man so radikal und schnell arbeiten?

Christopher Kassulke: Die Schnelligkeit muss man auch bei der Innovation leben. Es kommen regelmäßig neue Technologien auf den Markt. Hier investieren wir in kleine interne Teams, die in diesen Bereichen Knowhow sammeln und erste Produkte in den Markt bringen. Entweder ist man der erste am Markt oder man muss sich später mit viel Geld in diesen einkaufen.

Was heißt das für die Medienbranche?

Christopher Kassulke: Die Fachmedienhäuser müssen risikobereiter werden. So sollten nicht nur darüber reden, sondern einfach loslegen und machen. Wer nur in Watte gepackt, mit Kissen eingewickelt und einem Schutzhelm auf nichts falsch machen möchte, wird nie neue Märkte entdecken und richtig Spaß haben.

Wie definieren Sie eigentlich das vermeintliche Hypewort „Gamification“?

Christopher Kassulke: Gamification ist genauso ein Buzzword wie Serious Games in vielen Branchen. Gamification bedeutet, dass man mit Gameselementen meist monotone oder komplexe Aufgaben aufwertet. Durch Gamification soll eine Motivationssteigerung stattfinden. So eine Gamifizierung kann vieles, aber letztlich auch nicht alles. Hier ist es wichtig, mit Experten aus der Gamesbranche zusammenzuarbeiten. Leider habe ich in der nahen Vergangenheit viel zu viel schlechte Umsetzungen der Gamification gesehen und erlebt. Spieleentwickler sind sicherlich bereit ihr Wissen zu teilen und den Verlagen zu helfen, wenn dies gewünscht wird.

Wo sehen Sie die größten Chancen für die B2B-Kommunikation? Und was wären für Fachmedien geeignete Partner, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die auf der Idee der Gamification basieren?

Christopher Kassulke: In sehr vielen Vorträgen auf diesem Fachpressekongress haben wir gehört, dass die Spieleindustrie in den Geschäftsmodellen sowie auch in der Technologie am weitesten sind. Hier würde ich anpacken und die Chance nutzen! Wir stehen gerne als Partner zur Verfügung. Beim Thema Gamification kann ich sagen: Bitte arbeiten Sie mit Profis! Die Leser Ihrer Magazine wollen auch den Artikel von einem Fachredakteur, eben einem Experten geschrieben bekommen. Schauen Sie sich an, wie lange Firmen schon am Markt sind und mit wem diese bereits arbeiten. Meist findet man viel Information schon auf der Website der Spielefirmen. Die größte Chance für die B2B- wie auch die B2C-Kommunikation liegt im großen Mix. Wir als Firmen müssen dort unsere Kommunikation streuen, wo der Kunde ist und auch seine Kaufentscheidung trifft.

Ergänzendes zum Thema
 
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