Transformationsprozess

Die ersten 10 Schritte in die Agile Transformation

| Autor / Redakteur: Lisa Meyer* / Saskia Semik

Mit der Abschaffung der Machthierarchie wird ermöglicht, dass alle im Team mit ihren bestmöglichen Optionen und kreativen Ideen handeln, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.
Mit der Abschaffung der Machthierarchie wird ermöglicht, dass alle im Team mit ihren bestmöglichen Optionen und kreativen Ideen handeln, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die Verwendung agiler Vorgehensweisen in der Softwareentwicklung verspricht eine schnellere Time-to-Market, einen früheren Return-on-Invest und eine hohe Produktqualität. Doch bereits bei der initialen Einführung agiler Methoden stoßen Organisationen oft auf kulturelle Herausforderungen. Die folgenden Schritte ebnen einen Erfolg versprechenden Weg in die Agile Transformation.

1. Methodenwissen bei den Mitarbeitern aufbauen

Um die Beteiligten der Agilen Transformation optimal auf agile Arbeitsweisen vorzubereiten, müssen Organisationen sicherstellen, dass das Methodenwissen bei den Beteiligten aufgebaut wird. Dazu gehört den Mitarbeitern Freiräume zum Lernen, Besuch von Trainings und Zertifizierungen zuzusichern. Idealerweise werden von einzelnen Mitarbeitern frühzeitig praktische Erfahrungen gesammelt, um als Multiplikator für andere Mitarbeiter fungieren zu können.

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2. Agile Rollen in der Unternehmensstruktur etablieren

Die Machthierarchie wird im Zuge der Agilen Transformation durch die Auflösung der klassischen Rollen größtenteils abgeschafft und durch die Setzung klarer Ziele und Visionen ersetzt. So wird ermöglicht, dass alle im Team mit ihren bestmöglichen Optionen und kreativen Ideen handeln, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Entscheidend bei der Einführung agiler Rollen ist dabei, dass alle Unternehmensteile die neuen Rollen akzeptieren, kommunizieren und die Abgrenzung zu bekannten Rollen verstanden wird.

3. Eine organisationsweite Vision entwickeln

Das Thema Vision ist aufgrund zweier Aspekte entscheidend. Zum einen bedarf es einer Vision bei der Einführung agiler Methoden. Es ist notwendig im Unternehmen eine agile Vision oder ein agiles Zielbild zu erarbeiten und zu verbreiten. Diese Leitbilder sollten agile Strukturen und Kultur beinhalten und auf das veränderte Verständnis von Führung eingehen. Zum anderen spielt die Produktvision in der agilen Entwicklung eine entscheidende Rolle. Die gemeinsame Produktvision bildet die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis des zu entwickelnden Produktes und schafft Alignment im Team. Die Produktvision beinhaltet das zu lösende Problem des Users. Somit ist dem Team bewusst, auf welche Problemlösung alle Funktionalitäten des Produktes einspielen. Somit wird die Maximierung des Kundennutzen automatisch in den Mittelpunkt gerückt.

4. Widerständen gegenüber Veränderungen entgegenwirken

Veränderungen bringen Widerstände. So auch bei der Einführung eines neuen und agilen Vorgehensmodells. Es kann eine ablehnende Haltung gegenüber den neuen Prozessen und Rollen herrschen. Zudem können sich andere Organisationseinheiten benachteiligt fühlen, falls die Einführung agiler Methoden zunächst in einem Pilotprojekt oder Organisationsteilen stattfindet. Daher ist es wichtig durch frühzeitige und offene Kommunikation bewusst und transparent zu machen, welches Problem mit der neuen Vorgehensweise gelöst werden soll.

5. Fehlerbasiertes Lernen zulassen und fördern

Agile Methoden stellen eine große Transparenz über die laufende und zu erledigende Arbeit her. Diese Transparenz hilft dabei, vorausgegangene Fehler in das Bewusstsein zu rücken und nicht zielführendes Vorgehen zu erkennen. Agile Vorgehensweisen, wie beispielsweise Scrum, sind empirisch und leben daher von ständigen Verbesserungen. Dafür ist es zwingend notwendig, dass Fehler und Ideen zur Verbesserung über alle Ebenen hinweg offen diskutiert und angesprochen werden.

Die 10 genannten Schritte bilden den Einstieg in die Agile Transformation. Um den weitreichenden Wandel einer Organisation auf Grundlage der agilen Werte erfolgreich zu gestalten, ist ein umfassender Transformationsprozess notwendig. Um die Transformation ebenfalls agil zu gestalten, empfiehlt sich das Aufsetzen eines Transformationsbacklogs. Die oben genannten Punkte stellen dann die ersten 10 Backlog Items dar.
Die 10 genannten Schritte bilden den Einstieg in die Agile Transformation. Um den weitreichenden Wandel einer Organisation auf Grundlage der agilen Werte erfolgreich zu gestalten, ist ein umfassender Transformationsprozess notwendig. Um die Transformation ebenfalls agil zu gestalten, empfiehlt sich das Aufsetzen eines Transformationsbacklogs. Die oben genannten Punkte stellen dann die ersten 10 Backlog Items dar. (Bild: adesso)

6. Feedbackkultur etablieren und Mitarbeiterentwicklung fördern

Auf dem Weg zur Selbstorganisation erfahren Mitarbeiter eine persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Die persönliche Weiterentwicklung umfasst die Softskills, die benötigt werden, um im agilen Kontext selbstorganisiert zu arbeiten. Einige Mitarbeiter können mit der neuen Verantwortung und kreativen Freiheit in einem selbstorganisierten Team überfordert sein und benötigen hierbei besonderes Coaching. Die fachliche Weiterentwicklung schließt die Kenntnisse der anzuwenden Methode und das Wissen zur Entwicklung des Produktes ein.

7. Cross-funktionale Teams zur Selbstorganisation befähigen

Um aktuelle Fokusthemen der Digitalisierung flexibel bedienen zu können, müssen Organisationen das Silodenken der Bereiche abbauen und cross-funktionale, selbstorganisierte Teams zusammenbringen. Die Spezialisten werden somit Teil der Teams. Durch die Entwicklung von Lösungen innerhalb dieser Teams, werden Innovationen ermöglicht und gefördert. Dies erfordert ein hohes Maß von Eigenverantwortung und Eigeninitiative, welche durch die Übertragung von Entscheidungsgewalt unterstützt werden sollte.

8. Produktentwicklung auf iteratives und inkrementelles Vorgehen ausrichten

Die Entwicklung soll inkrementell und iterativ sein. Dabei durchlaufen Stakeholder und Entwickler einen ständigen Zyklus von Planung, Aktion und Reflektion, wodurch eine Kultur von Lernen und Adaption geschaffen wird. Durch die iterative und inkrementelle Entwicklung haben alle Beteiligten die Möglichkeit Änderungen einzubringen und von Erkenntnissen der vorhergehenden Iteration zu lernen und den Prozess und das Produkt zu verbessern. Die Auslieferung des Produktes findet jetzt auch in regelmäßigen und kurzen Releasezyklen statt, um dem Nutzer den Mehrwert der Weiterentwicklungen zeitnah zur Verfügung zu stellen und regelmäßig Feedback erhalten zu können.

9. Produktentwicklung inklusive der Anforderungserhebung auf den User ausrichten

In agilen Methoden steht der User im Vordergrund. Die Motivation der agilen Teams besteht darin, dem User das bestmögliche Produkt für seine Anforderungen zu liefern. Stammen Produktanforderungen ausschließlich aus der Organisation selbst oder werden vom Management vorgegeben, wird das umsetzende Team versuchen, die Vorgaben vom Management genau umzusetzen. Unternehmen mit klassischer Ausrichtung konzentrieren sich stark auf sich selbst, wohingegen agile Unternehmen ihre Anforderungsaufnahme und gesamte Strategie am Kunden ausrichten.

10. Verankerung der agilen Werte in der Unternehmenskultur

Die Kultur agiler Organisationen zeichnet sich durch Transparenz, Zusammenarbeit und Vertrauen aus. Die angesprochene Transparenz und Vertrauen werden durch ein hohes Maß an Kommunikation und Feedbackzyklen ermöglicht. Die übergreifende Zusammenarbeit muss aktiv gefördert werden. Dies kann über die Unternehmenswerte und das Verhalten der Mitarbeiter transportiert werden. Die Veränderung der Unternehmenskultur wird nicht durch die veränderten Rollen oder Prozesse angestoßen. Es handelt sich dabei vielmehr um einen Prozess des Vorlebens neuer Werte und Prinzipien.

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* Lisa Meyer ist Senior Consultant bei adesso.

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