Health and work – Studie „So arbeitet Deutschland“

Mehr arbeiten als das Gesetz erlaubt – und der Chef weiß Bescheid

| Redakteur: Muteber Karacan

Die Überschreitung der maximalen Tagesarbeitszeit in Deutschland bringt für den Großteil der Arbeitnehmer und Freelancer negative Folgen für ihre Gesundheit.
Die Überschreitung der maximalen Tagesarbeitszeit in Deutschland bringt für den Großteil der Arbeitnehmer und Freelancer negative Folgen für ihre Gesundheit. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Ein Großteil der Arbeitnehmer und Freelancer in Deutschland überschreitet die maximale Tagesarbeitszeit – mit negativen Folgen für die Gesundheit. Woran liegt es, dass sich viele der Befragten unter Druck gesetzt fühlen?

Flexibilität, Selbstbestimmung, Agilität: Das alles bedeutet New Work. Aber auch Überstunden, Druck und psychische Probleme. Dies sind die Ergebnisse der repräsentativen Studie* „So arbeitet Deutschland“ der Personalberatung SThree. In Zusammenarbeit mit YouGov befragte SThree 1.515 Angestellte und Selbstständige in Deutschland. Alarmierend: Mehr als die Hälfte der Befragten arbeiten auch mal mehr als die gesetzlich erlaubten zehn Stunden pro Tag – und das meist im Wissen ihres Vorgesetzten. Die Konsequenzen bleiben nicht aus: Viele sehen bereits jetzt mentale Probleme als wesentliche Folge der neuen Arbeitswelt und wünschen sich, diese würden auch von Arbeitgeberseite ernster genommen werden.

So arbeitet Deutschland.
So arbeitet Deutschland. (Bild: SThree)

Das Ende des 8-Stunden-Tages?

In Deutschland gilt: Niemand darf länger als zehn Stunden am Tag arbeiten. Dass das jedoch nicht immer eingehalten wird, zeigen die aktuellen Ergebnisse: Laut 53 Prozent der Befragten kommt es in ihrem Job vor, dass sie mehr als die gesetzlich vorgeschriebene maximale Tagesarbeitszeit arbeiten. „Diese Zahl allein ist bereits bedenklich“, meint SThree-Geschäftsführer Timo Lehne. „Jedoch zeigt sich obendrein: Bei 71 Prozent weiß der Chef meist oder sogar immer darüber Bescheid.“ Ist eine Tageshöchstzeit also überhaupt noch realistisch? Nein, sagen 59 Prozent der Befragten: Sie plädieren für eine maximale Wochen- oder gar Monatsarbeitszeit.

Doch auch innerhalb der rechtlichen Grenzen gehören Überstunden in Deutschland zum guten Ton: 70 Prozent leisten Mehrarbeit – die Dunkelziffer mag sogar höher liegen. Denn 13 Prozent haben schon einmal weniger Stunden erfasst, als sie tatsächlich geleistet haben. Die gute Nachricht: Immerhin 76 Prozent erhalten einen finanziellen oder Freizeitausgleich für die zusätzlich geleistete Arbeit. Doch die Frage nach Freizeit oder Geld stellt sich für 21 Prozent überhaupt nicht. Vielmehr sollten Überstunden gar nicht erst anfallen.

Weniger Flexibilität, weniger Druck

Denn Mehrarbeit bringt Nachteile mit sich. Bei 77 Prozent macht sich der Stress im Arbeitsleben bereits deutlich bemerkbar. Und das von zweierlei Seiten: 30 Prozent der Angestellten und Selbstständigen fühlen sich vor allem vom Vorgesetzten oder Auftraggeber unter Druck gesetzt, 28 Prozent jedoch am ehesten von sich selbst. Haben wir die Folgen von New Work also selbst in der Hand? Vielleicht, meint Lehne: „Obwohl gerade Flexibilität und Autonomie Kernbegriffe der neuen Arbeitswelt sind, zeigt die Studie doch deutlich: Arbeitnehmer und Freelancer in Deutschland wünschen sich mehr Stabilität und Struktur, um Zeit- und Leistungsdruck zu verringern.“ Eine bessere Balance zwischen Arbeitsumfang und -zeit (32 Prozent), klare Anweisungen (24 Prozent) und mehr Planbarkeit (23 Prozent) sind die Top 3-Wunschfaktoren für weniger Belastung.

Mit widerstandsfähigen Mitarbeitern zum Erfolg

Stress-Resistenz

Mit widerstandsfähigen Mitarbeitern zum Erfolg

19.12.17 - Im digitalen Zeitalter ist die Arbeitswelt von rascher Veränderung geprägt. Also müssen die Mitarbeiter der Unternehmen neue Aufgaben beherzt angehen und mit Stress-Situationen einigermaßen relaxt umgehen können. Sonst schlägt ihr „Gefordert-sein“ in ein „Überfordert-sein“ um. lesen

Wenn der Job auf die Psyche schlägt

Dass Handlungsbedarf besteht, machen die So arbeitet Deutschland-Ergebnisse deutlich: 63 Prozent sehen mentale Probleme wie Burnout oder Schlafstörungen bereits jetzt als eine Folge von New Work. 67 Prozent befürchten sogar, die psychische Belastung werde in den nächsten Jahren noch steigen. Besonders problematisch vor diesem Hintergrund: Nach wie vor, so empfinden mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland, werden körperliche Schwächen ernster genommen. 71 Prozent wünschen sich deshalb von ihrem Arbeit- bzw. Auftraggeber eine Gleichbehandlung körperlicher wie mentaler Probleme.

* Die repräsentative Studie So arbeitet Deutschland ist eine regelmäßige Untersuchung der Personalberatung SThree. Sie betrachtet die Wunscharbeitswelt deutscher Arbeitnehmer und Freelancer und vergleicht diese mit deren Wirklichkeit. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 1515 Personen zwischen dem 04.07.2018 und 11.07.2018 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für Erwerbstätige ab 18 Jahren in Deutschland.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45545931 / New Work)