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Kooperative Intelligenz Mensch-Mensch-Zusammenarbeit als zentraler Treiber

| Autor / Redakteur: Ulrike Stahl / Fiona Gaubitz

Computer scheinen uns einen Schritt voraus zu sein. Sie arbeiten ohne Vorbehalte zusammen. Dabei ist Kooperation uns Menschen in die Wiege gelegt. Was verbirgt sich hinter der scheinbar neuen und doch immer schon vorhandenen Form der Intelligenz?

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Kooperation ist der zentrale Treiber menschlicher Entwicklung und wirtschaftlichen Fortschritts.
Kooperation ist der zentrale Treiber menschlicher Entwicklung und wirtschaftlichen Fortschritts.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Den Begriff KI verbinden wir mit künstlicher Intelligenz, das heißt mit der Automatisierung und dem maschinellen Lernen. Der Maschine ist es egal, ob die Daten von einem Windows, Linux oder Mac-System kommen. Sie halten Informationen weder zurück noch formulieren sie diese um, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Die Folge: Maschinen werden rasend schnell gemeinsam intelligenter. Ebenso verspricht die Mensch-Maschine-Zusammenarbeit Arbeitserleichterung. Aber wie sieht es bei kreativen Prozessen aus? Braucht es nicht gerade da die Mensch-Mensch-Zusammenarbeit. Braucht es hier neben der künstlichen Intelligenz nicht vor allem kooperative Intelligenz?

Kooperation wird oft mit Meinungslosigkeit „Ich sage Ja, um des lieben Friedens Willens“ und Leidenschaftslosigkeit verwechselt. Kooperative Intelligenz bedeutet aber gerade nicht, einer vorgegebenen Meinung bedingungslos zu folgen und sich dieser zu unterwerfen. Echte Kooperation braucht starke Ichs, die eine eigene Meinung haben und bereit sind, diese zu teilen, auch wenn sie kontrovers ist. Werfen wir einen Blick zurück in unserer Geschichte, spüren wir schon in den früheren Clans und Tribes eine innere Verpflichtung, dem Miteinander gerecht zu werden. Wir investieren Zeit und Energie, den anderen kennenzulernen und zu verstehen, weil wir ihm dann besser vertrauen können. Wir strengen uns an, Konflikte zu bewältigen. Wir spüren den moralischen Druck, unsere eigenen Interessen hinter das Gruppeninteresse zurückzustellen. Dafür haben wir Menschen eine außerordentliche Ausstattung mitbekommen: Das soziale Gehirn.

Schnellere und bessere Ergebnissen gemeinsam erzielen

Wir Menschen haben spezielle Gehirnzellen, mit denen wir das Verhalten unseres Gegenübers vorausahnen und uns so auf ihn einstellen können – die sogenannten Spiegelneuronen. Unser Gehirn belohnt uns mit Dopamin, wenn wir gelingende soziale Interaktionen erleben. Und was oft übersehen wird: Wir haben keine angeborene Sperre, was die Kooperation mit Fremden angeht. Zum Glück! Denn die heutige globale und agile Arbeitswelt konfrontiert uns schnell wechselnd mit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Disziplinen und Interessen, mit denen wir gemeinsam zu Ergebnissen kommen müssen. Deshalb geht es jetzt darum, unsere natürliche Kooperationsfähigkeit auf ein neues Level zu heben. Von der kleinen Gruppe, dem überschaubaren Team in ein neues größer gedachtes Wir. Kooperative und kollaborative Intelligenz zeigt sich, wenn Individuen intelligent zusammenarbeiten. Also dann, wenn sie in kurzer Zeit etwas schaffen, was ihnen alleine nicht gelingen würde.

Maschinen können ihr Tun nicht bewusst auf ein Ziel ausrichten

Künstliche Intelligenz KI ist der entscheidende Faktor der technischen Weiterentwicklung. Routinearbeiten werden uns von Maschinen abgenommen und oft sogar in besserer Qualität erledigt. Doch KI hat ihre Grenzen. Für Aufgaben, wie die Entscheidung, woran die Maschinen überhaupt arbeiten, die Interpretation der Ergebnisse sowie die Entwicklung neuer Ideen ist kooperative Intelligenz, also die Mensch-Mensch-Zusammenarbeit wertvoller denn je. Zum einen, weil es dazu verschiedener Perspektiven bedarf. Und zum anderen, weil Maschinen etwas Wesentliches fehlt, nämlich Intentionalität, sprich die Fähigkeit, sein Tun bewusst auf ein Ziel auszurichten. Also der eigene Antrieb zu lernen, sich weiterzuentwickeln und Probleme zu lösen, woraus Fantasie und Kreativität – oder noch besser Ko-Kreativität – entstehen.

Kooperative Intelligenz zeigt und multipliziert sich …

  • 1. „in der Menschlichkeit“: Menschen sind soziale und vor allem emotionale Wesen. Wir lesen die anderen um uns herum, deuten deren Signale. Jeder Sportler, jeder Musiker kennt die Wirkung jubelnder Fans. Wir und unser Gehirn funktionieren in einem positiven sozialen Klima deutlich besser. Ermutigende und unterstützende Signale helfen uns dabei, unser ganzes Potenzial freizusetzen. Wir schaukeln uns gegenseitig hoch. Ko-Kreativität entsteht. Unsere kollaborative Intelligenz steigt, wenn wir genau das einsetzen, was Maschinen nicht haben: unser Herz.
  • 2. „im Faktor Zeit“: Das Homeoffice steht hoch im Kurs. Für mehr Flexibilität und um ungestört arbeiten zu können. Es kann allerdings auch zum echten Erfolgsverhinderer werden, weil wir uns zu wenig austauschen. Virtuell lassen sich persönliche Begegnungen, aus denen Bindung und Nähe entstehen, also der menschliche Funke, nicht realisieren. Nutzen wir also – und sei es nur ab und zu – Bürozeiten, um mit anderen wirklich in Kontakt zu gehen.
  • 3. „im gemeinsamen Lernen“: Andere zu fragen oder über eigene Lernerfahrungen zu sprechen, steht in deutschen Büros nicht hoch im Kurs. Doch gerade das fördert den gemeinsamen Lernprozess. Denken und arbeiten wir also „laut“. Tauschen wir uns mit Kollegen aus. Erzählen wir von Erlebnissen, Ergebnissen und – ja, besonders auch – von persönlichen Herausforderungen. Indem wir uns aktiv gegenseitig befruchten überwinden wir Probleme und Hindernisse leichter und lernen schneller.

Was bliebe von uns übrig, wenn wir all das abziehen, was wir von und durch andere gelernt haben, bei dem andere mitgewirkt haben? Nicht viel! Kooperation ist der zentrale Treiber menschlicher Entwicklung und wirtschaftlichen Fortschritts. Stellen wir uns ein Unternehmen vor, in dem nur Konkurrenz herrscht – es wäre nicht überlebensfähig! Stellen wir uns ein Unternehmen vor, in dem nur Kooperation herrscht – genau das streben moderne Organisationsformen an! Das Aufbrechen von Silos, cross-funktionale Zusammenarbeit und Beweglichkeit. Und warum? Weil es das ist, was am besten zu den Anforderungen unserer Zeit passt.

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Über den Autor

 Ulrike Stahl

Ulrike Stahl

Professional Speaker, Beraterin und Kooperationsbotschafterin