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Digitale Expertise Mit Design Thinking zu mehr digitaler Expertise

| Autor / Redakteur: Steffen Szary* / Lena Müller

Der Design Thinking Ansatz ist sehr vielfältig. Neben Prozess und Methode geht es vor allem um ein spezifisches Mindset, was Denken und Handeln prägt. Es werden Chancen und Möglichkeiten, anstatt Hürden gesehen. Erfahren Sie, wie Design Thinking hilft, die digitale Zusammenarbeit im Unternehmen zu verbessern und Expertisen aufzubauen.

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Im Design Thinking Ansatz geht es, neben Prozess und Methode, vor allem um ein spezifisches Mindset, was Denken und Handeln prägt. Das Glas ist dabei immer eher halbvoll, als halbleer.
Im Design Thinking Ansatz geht es, neben Prozess und Methode, vor allem um ein spezifisches Mindset, was Denken und Handeln prägt. Das Glas ist dabei immer eher halbvoll, als halbleer.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Bestehendes hinterfragen

In den vergangenen Wochen beobachten wir bei einigen Unternehmen, dass aus einem leicht panischen Reflex heraus optimierungswürdige Strukturen, Abläufe oder Formate digitalisiert werden. So werden beispielsweise unproduktive Präsenz-Meetings einfach irgendwie digital durchgeführt und unklare Zuständigkeiten bleiben auch im digitalen Raum vor allem eins: unklar. Im Design Thinking hinterfragen wir den Status Quo, um Raum für neue Möglichkeiten zu eröffnen. Nutzen Sie die jetzige Ausnahmesituation als Chance, um in Ihrem Unternehmen oder Bereich das bekannte „Das haben wir schon immer so gemacht“ gegen ein „Das machen wir jetzt mal anders“ einzutauschen.

Der Mensch im Fokus

Das Kernelement im Design Thinking ist es, den Menschen und seine Bedürfnisse und Probleme in den absoluten Fokus zu stellen. Im Kontext des digitalen Arbeitens sind diese Bedürfnisse und Probleme vielschichtig. In den vergangenen Wochen haben wir etliche Remote Work Trainings gegeben und dabei stach vor allem eine Erkenntnis heraus: Die Unterschiede im Wissen und der Affinität auf der Ebene der Technik und Softwaretools ist enorm. Während jede Person im Präsenzworkshop problemlos ein Post-it oder Whiteboard beschriften kann, ist dies im digitalen Raum unter Umständen eine Herausforderung. Vielen scheint es allerdings schwer zu fallen, dies zu thematisieren – dabei ist es völlig okay und normal.

Für ModeratorInnen, PersonalerInnen und Führungskräfte gilt es hier, empathisch zu sein, diese und andere Herausforderungen bewusst, aber ohne Wertung anzugehen und im Team Lösungen zu erarbeiten.

Experimentierräume schaffen

Ein schwedischer Politiker wurde vor kurzem von einem Journalisten gefragt, wie es sich anfühle, in dieser Krise ein derartiges Experiment im Sinne des „schwedischen Sonderweges“ durchzuführen. Der Politiker antwortete schlicht: „Das Gleiche kann ich Sie auch fragen. Egal welchen Weg ein Land geht, ein Experiment ist es in jedem Fall.“

Was dieser Dialog verdeutlicht: Niemand weiß in der aktuellen Situation mit Sicherheit, was zu tun ist. Daher gilt es, auf Basis des zur Verfügung stehenden Wissens und der Mittel, Entscheidungen zu treffen, zu lernen und schnell zu optimieren.

Im Design Thinking und bei Lean Startup-Ansätzen wenden wir genau dieses Prinzip an und sprechen dort von einem iterativen und agilen Vorgehen. Hier geht es darum, in einem unsicheren Umfeld ausprobieren, Experimente zu machen, Erfolg zu messen und Feedback einzusammeln – um dann schnell zu lernen, zu optimieren und sich und seine Lösungsstrategien anzupassen.

Im Kontext des Aufbaus und der Weiterentwicklung digitaler Expertise ist dies ein absoluter Appell. Denn wer hier vorangehen will, der sollte Experimentierräume erschaffen, in denen beispielsweise Softwaretools ausprobiert, aber auch neue oder andere Teamroutinen sowie Formate und Ansätze der digitalen Zusammenarbeit gestaltet und getestet werden können. Und es sollten Räume geschaffen werden, in denen gemeinsam und vertrauensvoll gelernt werden kann. Und wenn Sie sich bei einer Entscheidung für oder gegen ein Experiment unsicher sind, fragen Sie sich einfach: „Is it safe enough to try?“

Das Nutzungserlebnis betrachten

Im Design Thinking streben wir immer danach, das Erlebnis des Nutzers zu verbessern. Dabei kann es sich bei dem Nutzer natürlich genauso um einen zahlenden Kunden, wie auch einen internen Nutzer im Sinne der Kollegin oder des Kollegen handeln. Das Feld der digitalen Zusammenarbeit und der Aufbau von Expertise bietet in diesem Kontext natürlich jede Menge Entfaltungsspielraum. So können Sie sich als verantwortliche Person oder Team beispielsweise die Fragen stellen: „Wie können wir unsere digitale Zusammenarbeit und Expertise gemeinsam verbessern? Was sind aktuelle Hürden und wie können wir diese aus dem Weg räumen?

Behalten Sie dabei im Blick, dass das Nutzungserlebnis sehr unterschiedliche Schwerpunkte haben kann. Während für die einen vor allem das Thema „Produktivität und Selbstorganisation im Home Office“ ein Problemfeld ist, liegt für andere der Schmerzpunkt eher bei der der Verwendung der Softwaretools oder dem digitalen Projektmanagement.

Potenziale für die Gestaltung von Neuem gibt es also genug. Führen Sie Interviews mit Ihren KollegInnen, um zu verstehen, wo die Problemfelder in Ihrem Unternehmen liegen – und holen Sie sich Feedback zu Ihren entwickelten Lösungen ein.

Interdisziplinär arbeiten

Digitale Expertise heißt auch: kollektive Expertise. Digitales arbeiten ermöglicht, fordert und fördert auch das gemeinsame, interdisziplinäre Arbeiten in abteilungsübergreifenden Teams. Denn der digitale Raum kennt zunächst einmal keine Silos und Abteilungsgrenzen. Dies können Sie nutzen, um anders zusammen zu arbeiten und den Austausch und die Vernetzung untereinander voranzutreiben. Und vor allem können Sie dies nutzen, um Wissen und Expertisen (neu) nutzbar zu machen. Stärken von Mitarbeitern können neu entdeckt werden. So sind durch die neue Situation plötzlich andere Fähigkeiten gefragt, die in den KollegInnen schon vorhanden, aber vielleicht nicht sichtbar waren. Unternehmen erschließen auch neue Geschäftsfelder, in denen sich Abteilungen wieder neu positionieren können und interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt ist.

*Steffen Szary ist New Work Enthusiast und Gründer der Innovationsberatung openmjnd. In ihrer Digital Academy befähigt openmjnd Menschen dazu, den Veränderungen unserer Zeit selbstbewusst entgegenzutreten.

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