KI im Alltag

Was bedeutet überhaupt „Intelligenz“?

| Autor / Redakteur: Stefan Häseli / Annika Lutz

Künstliche Intelligenz prägt schon jetzt viele Bereiche unseres alltäglichen Lebens – auch wenn wir uns dem nicht immer bewusst sind.
Künstliche Intelligenz prägt schon jetzt viele Bereiche unseres alltäglichen Lebens – auch wenn wir uns dem nicht immer bewusst sind. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Spurassistent, Frühwarnsystem, Gesichtserkennung oder autonomes Fahren – Künstliche Intelligenz, kurz als KI bezeichnet, ist im Alltag präsent. Und manchmal bekommen wir das gar nicht mit. Ein guter Grund, sich einmal grundsätzlich Gedanken zu machen über die Definition von „Intelligenz“.

Längst ist sie in unserem Alltag angekommen und bestimmt viele Bereiche unseres Lebens, ohne dass wir uns dessen immer bewusst wären. War KI vor noch gar nicht allzu langer Zeit im Bereich von Science-Fiction angesiedelt, macht sich die Künstliche Intelligenz inzwischen mit einem Tempo breit, das bei Vielen Ängste hervorruft. „Jetzt wird es richtig ernst“, meinen Tech-Fans, Szenenbeobachter und Prognostiker. „Der Mensch steht kurz davor, auch intelligenzmäßig von der Maschine überflügelt zu werden“. Fakt ist, dass Künstliche Intelligenz stattfindet und uns beschäftigen muss. Industrie 4.0, roboterisierte Dienstleistungen und vieles mehr sind allgegenwärtig. Auch der Begriff „Automobil“ wird nun nach über hundert Jahren zur Tatsache. Er wird seinem Wortsinn in der Funktion gerecht, indem das Automobil auch endlich automobil wird. Viele Probleme werden durch KI wahrscheinlich gelöst, aber auch ganz neue geschaffen.

Überrollt der Computer den Menschen?

Die Annahme, Computer würden Menschen eher früher als später überflügeln, beansprucht in vielen KI-Diskussionen mittlerweile den Status der Gewissheit. Der Fortschrittsglaube ist ungebrochen. Die rasante Entwicklung spricht vermeintlich eindeutig dafür. Wann, scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Seit das System AlphaGo die weltbesten Go-Spieler gedemütigt hat, schreibt man landauf und landab bereits Abdankungsreden auf die Souveränität menschlicher Intelligenz. Ganz nebenbei bemerkt: Go ist um etliche Dimensionen komplexer als Schach.

Künstliche Intelligenz fasziniert

Allein für das Jahr 2018 kann man aus über 100.000 Events auswählen, die sich in irgendeiner Form mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen. Auf der Suche im Internet nach Kongressen und Veranstaltungen zum Thema Künstliche Intelligenz erzielt man Treffer im sechsstelligen Bereich. Bei aller geistigen Massenbeschäftigung der zweifellos zentralen Thematik der aktuellen Zeit, stellt sich aber auch die Frage: Was ist eigentlich „Intelligenz“? Wenn AlphaGo „den Menschen überflügelt“, so geht es dabei um eine sehr spezielle menschliche Fähigkeit. Grundsätzlich ist das nicht anders, als wenn ein Vehikel mit Rädern und Benzinmotor „den Menschen überflügelt“, nämlich an Geschwindigkeit der Fortbewegung.

Der Computer entscheidet …

Die Klärung der Wortbedeutung soll hier etwas Klarheit verschaffen. Der Begriff „Intelligenz“ stammt vom lateinischen „intellegere“: verstehen, entscheiden. Um genau zu sein: dazwischen lesen, unter mindestens zwei Optionen aussondern, also wählen. Es ist jemand da, der versteht, auswählt oder entscheidet. Zum Konzept der Intelligenz gehört ein handelndes Wesen, ein sich seiner selbst bewusstes Ich. Ein Mensch. Alles, was man der KI zuschreibt, sind zweifellos intelligente Leistungen. Insofern ist auch der Begriff „Intelligenz“ durchaus gerechtfertigt. Vergessen wird, dass erst die Programmierung die Maschine schlau macht. Aber selbst, wenn Maschinen dereinst ganze Kataloge solcher Kunststücke fertigbrächten, würde noch immer gelten: So lange die Computer kein Bewusstsein und keine Persönlichkeit haben, sind sie mit Menschen nicht zu vergleichen.

… Verantwortung übernimmt der Mensch

Erst wenn die Maschine für ihr eigenes Handeln Verantwortung übernimmt, erst dann wird der eigentliche Unterschied zwischen menschlicher und maschineller Intelligenz zu verschwimmen anfangen. Ich erlaube mir nun, mich ebenfalls auf die Stufe von Prognostikern zu erheben: Das könnte noch ein ziemliches Stück länger dauern, als man gerade annimmt.

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