Planung 2019

Warum Vorsätze oft sinnlos sind

| Autor / Redakteur: Stefan Dudas / Annika Lutz

Jedes Jahr zu Silvester fassen wir gute Vorsätze für das neue Jahr – allerdings sind diese meist schnell wieder vergessen.
Jedes Jahr zu Silvester fassen wir gute Vorsätze für das neue Jahr – allerdings sind diese meist schnell wieder vergessen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Alle Jahre wieder … wird an Silvester entschieden, weniger zu essen, endlich Karriere zu machen oder mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Aber kaum ist die Neujahrsnacht vorbei, verflüchtigen sich mit dem Alkohol oft auch die guten Vorsätze.

Unendlich viele Menschen nehmen sich grundsätzlich vor, im neuen Jahr mehr Sport zu treiben. Warum wollen sie das tun? Die meisten antworten mit „ich möchte einfach fitter werden.“ Die wenigsten werden diesen Vorsatz (es ist kein Ziel!) erreichen. Warum? Ganz einfach: Weil „fit“ kein Bild in einem Menschen erzeugt. Was ist fit? Ich zum Beispiel, kann mir selbständig die Schuhe zubinden. Also bin ich fit. Andere würden sagen, dass sie den Marathon unter drei Stunden laufen und darum „fit“ sind.

Ein klares Bild führt zum Ziel

Fassen Sie keine Vorsätze, setzen Sie sich echte, sinnvolle Ziele – und packen Sie vor allem Spaß dazu. Ich möchte fit werden, ist ein undefinierter Wunsch. Ich möchte nackt gut aussehen, ist immer noch kein klares Ziel. Es sagt aber schon wesentlich konkreter aus, was man erreichen möchte und beinhaltet ganz klar mehr Spaß. Wie viele Kilos müssen dafür über den Jordan gehen? Jetzt werden wir langsam konkret. Was bedingt es noch, dass Sie nackt gut aussehen? Ausdauersport, damit alles etwas straffer sitzt? Und schließlich kommt die wichtige Frage: Wann genau wollen Sie vor den Spiegel treten und zu sich sagen: „Wow. Ich sehe nackt gut aus!“ Ja, das klingt verrückt und ungewöhnlich. Aber gewöhnlich ist langweilig. Wie viele Kilos müssen Sie also bis wann abnehmen? Wie oft trainieren Sie? Wie genau trainieren Sie? Wie stellen Sie Ihre Ernährung um? Dies alles, also Ihr Zielbild, sollten Sie sich visuell vorstellen, sollten Sie wirklich „sehen“ können. Schlussendlich dürfen Sie dann noch definieren, wie Sie sich verpflichten wollen.

Eine Verpflichtung hilft bei der Realisierung

Es gibt Menschen, die setzen sich ein Ziel und ziehen das durch. Punkt. Für viele Menschen ist allerdings eine Verpflichtung Gold wert. Das bedeutet, dass Sie zum Beispiel einen Vertrag mit einem Kollegen schließen, der Ihr Ziel (zum Beispiel jeden Montag, Mittwoch und Freitag um fünf Uhr morgens für eine Stunde joggen gehen) detailliert beschreibt. Dieser Kollege darf Sie dann jederzeit „kontrollieren“ und früh morgens überprüfen, ob Sie wirklich am Joggen sind. Halten Sie den Vertrag nicht ein (die Details dürfen Sie ja selber bestimmen), sind Sie zu einer Zahlung von mindestens 1000 Euro verpflichtet (je höher Sie hier gehen, umso eher wird man Sie auf der Rennstrecke antreffen).
Ein Tipp an diese Stelle: Veröffentlichen Sie Ihr Vorhaben nicht so ohne weiteres auf Social-Media! Warum? Weil Sie dann von lieben Kollegen für Ihr Vorhaben bereits mit Lob und Anerkennung überschüttet werden. Unser Gehirn ist aber darauf programmiert, dass es erst bei Zielerreichung Lob und Anerkennung gibt. Erhalten wir dies zu früh, müssen wir uns ja nicht mehr anstrengen und unser Ziel wirklich erreichen. Deshalb schaltet Ihr Gehirn dann – zu früh – auf „schon erfüllt“ und Sie bleiben morgens wieder im warmen, gemütlichen Bett liegen.

Zeit für sich selbst ergibt Sinn

Ich weiß, dass viele Leser beim Thema Vorsätze oder besser Ziele denken: „Ich müsste schon längst etwas mehr Zeit für mich haben, aber…“ Kein Aber! Sie sind die wichtigste Person – wenn Sie nicht mehr „funktionieren“ ist alles aus (für Sie). Nehmen Sie sich also regelmäßig Zeit für sich (nein, einmal am Ende des Jahres um 23.55 Uhr reicht definitiv nicht). Überlegen Sie sich, was Sie wirklich (wirklich!) wollen im Leben. Ob Sie glücklich sind, und was Sie in den verschiedenen Lebensbereichen verändern wollen, in denen Sie nicht so glücklich sind. Lassen Sie sich dann von keinem „Ja, aber…“ und „So einfach ist das nicht“ aufhalten. Vielleicht ist es nicht einfach. Aber ist es einfach, jahrelang unzufrieden und unglücklich zu sein? Wir haben in unseren Breitengraden so viele Möglichkeiten. Doch leider finden wir immer wieder Gründe, warum etwas nicht geht oder gerade jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist. Nachfolgende Geschichte macht dies deutlich:

Ein 80jähriger Mann (er hat einen Sohn) erzählte mir einmal, dass er nie in seinem Leben einen Kinderwagen geschoben hat. Er hatte damals ständig gearbeitet und immer vor, etwas kürzer zu treten, doch es klappte nicht. Er hoffte lange darauf, dass sein Sohn selber Kinder haben wird, damit er dann doch noch einmal mit dem Kinderwagen spazieren gehen kann. Leider ist dieser Sohn – und auch seine Frau – beruflich so stark eingespannt, dass es wahrscheinlich keine Kinder geben wird.

Raus aus dem Hamsterrad – Jetzt!

Warum also tun sich das mit den guten Vorsätzen so viele Menschen Jahr für Jahr an? Der einzige Grund scheint, weil man einen neuen Kalender an die Wand hängt und dieser mit einer neuen Jahreszahl überschrieben ist. Ein neues Jahr – ein neues Glück. Aber Ziele sollten sich nicht am Faktor Glück orientieren, sondern am Faktor Sinn. Sinn? Ja! Allerdings sind ganz viele Menschen so stark im Alltags-Hamsterrad gefangen, dass sie kaum dazu kommen, sich mehr als einmal im Jahr (ganz kurz) Gedanken über sich und das eigene Leben zu machen. Das ist nicht nur traurig, sondern verantwortungslos! Schließlich haben wir die Verantwortung für unser Leben. Niemand anderes. Man kann sich also weiter etwas vormachen und vorsätzlich Vorsätze vergessen oder verdrängen. Oder Sie übernehmen die Selbstverantwortung für Ihr Leben jetzt. Das müssen Sie nicht auf den 31.12. terminieren. Jedes andere Datum ist genau so gut. Wie wäre es mit heute?

Übrigens: Auf dem Portal neujahrsvorsaetze sowie im kostenlos abrufbaren E-Book „Jahresplanung“ räumt Stefan Dudas endgültig mit scheiternden Vorsätzen auf.

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