Digitale Ethik

Mensch, Moral, Maschine – BVDW veröffentlicht Diskussionspapier

| Autor / Redakteur: Viviane Krauss / Georgina Bott

Trotz intelligenter Technologien ist nach einem Diskussionspapier der BVDW der Mensch für die Auswirkungen von KI auf die Gesellschaft verantwortllich und muss dementsprechend ethische Maßstäbe für das digitale Zeitalter übersetzen.
Trotz intelligenter Technologien ist nach einem Diskussionspapier der BVDW der Mensch für die Auswirkungen von KI auf die Gesellschaft verantwortllich und muss dementsprechend ethische Maßstäbe für das digitale Zeitalter übersetzen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

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Der Einsatz neuer Technologien, wie etwa Künstliche Intelligenz (KI), stellt an die Gesellschaft neue ethische Anforderungen. Um sich praxisorientiert mit der digitalen Ethik auseinander zu setzen, publizierte der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) auf Basis einer Umfrage ein Diskussionspapier.

Der Einsatz von KI bietet in vielen Bereichen eine wertvolle Hilfestellung. Vor diesem Hintergrund stellen die Autoren des Diskussionspapiers „Mensch, Moral, Maschine – digitale Ethik, Algorithmen und künstliche Intelligenz“ gleich zu Beginn dar, dass durch Algorithmen herbeigeführte Entscheidungen gerichtlich überprüfbar sein müssen. Es sollen Chancen und Risiken aktueller und künftiger technischer Entwicklungen aufgegriffen werden. Dies geschieht vor allem im Bereich der Medizin. Das Diskussionspapier befasst sich aber auch mit zahlreichen weiteren Gebieten, in denen nach dem BVDW ethische Fragen gestellt und entsprechende Diskussionen angestoßen werden müssen.

Ethische Maßstäbe für das digitale Zeitalter übersetzen

Zu Beginn beschreibt der BVDW die unterschiedlichen Seiten des technologischen Fortschritts. Zum einen soll es Sorgen diesbezüglich geben, wie Überwachung und Kontrollverlust. Allerdings bietet die Digitalisierung auch viele Chancen und Vorteile. Es wird dargestellt, dass durch die Technik das heutige Leben stark vereinfacht wurde. Auch auf die praktische Anwendung von KI geht der BVDW ein. Einer Umfrage zufolge glauben 18 Prozent der Befragten, dass KI das Leben verschlechtern und 21 Prozent sagen, dass sie das Leben verbessern wird. Die Mehrheit (53 Prozent) denkt, dass sich die positiven und negativen Effekte ausgleichen werden. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft erläutert, dass mit dem Diskussionspapier versucht werden soll, bewährte ethische Maßstäbe für das digitale Zeitalter zu übersetzen und manche ethische Debatten neu zu führen, die bislang als wenig relevant empfunden wurden.

Auswirkungen intelligenter werdender KI

Künstliche Intelligenz wurde in den letzten Jahren sehr schnell weiterentwickelt und der BVDW beschreibt, dass diese Entwicklung rasant weiter zu verfolgen ist. In den nächsten Jahren soll KI soweit fortgeschritten sein, dass Aufgaben wie Übersetzen von Sprachen, Fahren eines LKWs und Arbeiten im Einzelhandel von Künstlicher Intelligenz übernommen werden kann. Das Diskussionspapier beschreibt auch die Gefahren, die durch eine hochentwickelte KI entstehen können – die sogenannte Dual-Use-Problematik. Allerdings sollen KI-Systeme im Moment noch weit davon entfernt sein, der menschlichen Intelligenz zu gleichen. Beschrieben werden solche Systeme als „Fachidioten“, die zwar bei bestimmten Tätigkeiten überlegen sein können, aber darüber hinaus an einfachen Aufgaben scheitern.

Wie entscheiden Algorithmen?

Im weiteren Verlauf gehen die Autoren auf die unterschiedlichen Einsatzbereiche von Algorithmen ein. Auch die Unterschiede, die entstehen, wenn ein Algorithmus statt eines Menschen bestimmte Entscheidungen trifft, werden klar gestellt – diese sollen transparenter, fairer und gerechter ausfallen. Vorausgesetzt ist ein passendes, vom Mensch erstelltes, Lernmuster. Anschließend wird an mehreren Beispielen erläutert, nach welchen Kriterien die Algorithmen programmiert und trainiert werden sollen und wer die Verantwortung trägt, wenn ein Fehler passiert.

Eines der 14 aufgeführten Fallbeispiele beschäftigt sich mit der Frage „Wie soll sich ein automatisiertes Auto in einer unlösbaren Unfallsituation entscheiden?“. Hier wird diskutiert, wie der Algorithmus eines autonomen Fahrzeugs bei einem unvermeidbarem Zusammenstoß abwägt, ob zum Beispiel gegen eine ältere Dame oder ein kleines Kind gelenkt wird. Allerdings würde die Entscheidung von Algorithmen für autonome Fahrzeuge nicht konkret und ad hoc, sondern abstrakt und ex-ante gefällt werden.

In einem weiteren Beispiel geht es um Augmentierung und ob diese zu einem Verlust der Privatsphäre in der eigenen Umgebung führen kann. Nach dem BVDW wäre es technisch denkbar, dass eine Augmented-Reality-Brille Informationen über eine vorbeigehende Person einblenden könnte. Aber auch sozial gewinnbringende Punkte – wie AR als Hilfestellung in der Industrie – werden aufgeführt.

Zukunftsaussichten

Als grundlegendes Fazit der Auswirkung von KI auf die Gesellschaft erläutern die Autoren von „Mensch, Moral, Maschine – digitale Ethik, Algorithmen und künstliche Intelligenz“, dass der Mensch trotz intelligenter Technologien verantwortlich für die Programmierung und damit auch für eine vorausschauende Regulierung ist. Eine weitere Umfrage der deutschen Digital-Unternehmen zeigt, dass 78 Prozent der Befragten glauben, dass Deutschland keine Vorreiterrolle bei KI spielen wird. Allerdings soll durchaus das Potential für eine gute Gestaltung des digitalen Wandels vorhanden sein. Das Ziel in diesem stetig wandelnden Bereich soll lauten, den technischen Fortschritt auch zu einem gesellschaftlichen Fortschritt zu machen.

Mehr zu dem Thema finden Sie kostenlos in dem Diskussionspapier der BVDW.

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