Interview Interim-Management

„Interimslösungen sind sinnvoll, wenn schnelle Problemlösungen notwendig sind“

| Autor / Redakteur: Dominic Multerer / Annika Lutz

Interimsmanager werden auf Zeit eingesetzt und unterstützen bei der Erreichung vereinbarter Ziele.
Interimsmanager werden auf Zeit eingesetzt und unterstützen bei der Erreichung vereinbarter Ziele. (Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Twinner, ein Start-Up aus Halle, hat einen neuen Autoscanner entwickelt und will damit den Fahrzeughandel revolutionieren. Für die strategische Markteinführung arbeitet Twinner mit Interimsmanagern zusammen. Wir haben mit Dominic Multerer über seine Rolle bei Twinner gesprochen.

Unter Interim-Management versteht man eine zeitlich befristete Art des Managements, weshalb es manchmal auch als „Management auf Zeit“ bezeichnet wird. Häufig werden Interim-Manager im Krisenmanagement oder zur Überbrückung von personellen Ausfällen eingesetzt, mittlerweile aber auch immer mehr im Rahmen von Projekten und Spezialthemen, beispielsweise dann wenn die eigenen Kapazitäten oder das Know-How des Unternehmens nicht ausreichen.
Dominic Multerer gibt uns im Interview Einblicke in seine Arbeit als Interimsmanager bei Twinner.

marconomy: Erklären Sie uns, was macht Twinner und was ist Ihre Mission?

Dominic Multerer: Twinner ist ein Gamechanger für den Automobilhandel. Fahrzeuge digital abzubilden, von Ort und Zeit zu entkoppeln und damit eine neue Ära der Transparenz, Sicherheit und des Vertrauens in einem der größten Handelsmärkte der Welt einzuleiten – so lautet die Mission von Twinner. Twinner produziert von jedem Fahrzeug einen bisher nie dagewesenen Datensatz, einen Digital Twinn® (engl. für Zwilling: Twin). Mit dem digitalen Zwilling sieht der Kunde virtuell mehr, als wenn er persönlich vor dem physischen Wagen steht. Maximale Objektivität: einfach, schnell, auf einen Blick oder wie das Motto verdeutlicht: „More than you can see“ (s. dazu auch das Video weiter unten im Text).

Sie sind im Management-Team von Twinner als Interimsmanager aktiv. Warum?

Twinner hat den Anspruch bei Mitarbeitern und Managern auf Qualität, statt Quantität zu setzen. Damit wir diesen Anspruch gerecht werden, nehmen wir uns Zeit, um die richtige Besetzung für eine Position zu finden. Um dennoch die Vielzahl an Themen mit der notwendigen Qualität vorantreiben zu können, haben wir in den vergangenen Monaten an einigen Schlüsselpositionen auf Interimslösungen gesetzt. Diese Geschwindigkeit wäre ohne Interimslösungen nicht darstellbar gewesen.

Was war genau Ihre Rolle bei Twinner?

Ich durfte in der Zeit das Ressort „Market & Strategy“ führen, welches die Marken- und Produkteinführung des Twinners maßgeblich entwickelt und umgesetzt hat. Darüber hinaus war ich im Executive Board an der Entwicklung der Unternehmensstrategie beteiligt - und verantwortet auch hier den Bereich Marke und Marketing-Kommunikation. Dazu gehörte die Entwicklung und Etablierung der Marke Twinner, Strategie, Konzeption & Durchführung von Markteinführungen, Co-Verantwortung für Sales(-Prozesse) gemeinsam mit dem Interim-CSO und die Mitentwicklung der Unternehmensstrategie und –ziele.

Wir konnten erste Verträge abschließen, zahlreiche Leads / Anfragen generieren, Strukturen für Marketing und Vertrieb aufbauen und Twinner in Bild, Auto Bild, Galileo, VOX und weiteren Medien platzieren. Das hilft gigantisch.

Worin liegt der Vorteil einer Interims-Lösung?

Interimslösungen sind aus meiner Sicht immer dann sinnvoll, wenn schnelle Problemlösungen notwendig sind durch eine erfahrene Führungskraft mit nachweislich und langjährig erprobter Management- und Umsetzungskompetenz. Interimsmanager handeln unternehmerisch. Sie haben keine Status- oder Machtinteressen. Sie konzentrieren sich auf die Erreichung der vereinbarten Ziele. Ihre karrierepolitische Unabhängigkeit sichert die schnelle und kompetente Umsetzung der objektiv besten Lösung für das Unternehmen.

Interimsmanagern wird nachgesagt, dass hohen Kosten anfallen.

Es entfällt ein langer Recruitingprozess für Schlüsselpositionen und Interim Management ist zeitlich befristet. In der Regel liegt der Tagessatz bei 1 % des Bruttojahresgehalt der zu besetzenden Position. Ist die Aufgabe gelöst oder läuft das Projekt, übergibt der Interim Manager an die Mitarbeiter des Unternehmens. Der Auftraggeber zahlt nur die effektiv erbrachten Manntage ohne weitere Folgekosten. Damit ermöglicht Interim Management Unternehmen schnell, flexibel und effizient auf kurzfristigen Managementbedarf zu reagieren.

Welchen Vorteil hast du persönlich, als Interimsmanager in verschiedenen Unternehmen tätig zu sein?

Sehr reizvoll finde ich, dass ich binnen weniger Jahre viele Organisationen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen - über verschiedene Branchen und Gesellschafterstrukturen hinweg - kennenlernen durfte. Unternehmen sind unterschiedlich, Märkte sind unterschiedlich. Aber Kunden sind überall gleich, Probleme sind überall in der Ursache vergleichbar; damit auch beim Lösungsansatz. Es macht extrem Freude sich in neue Geschäftsmodelle, Branchen und Organisationen reinzudenken und diese dann mit „Handwerkszeugs“ auf Kurs zu bringen.

Gibt es auch Nachteile für den Einsatz von Interimsmanagern in Unternehmen? Und für dich selbst in dieser Tätigkeit?

Extrem wichtig ist es, dass man sich super im Team einfindet, um sicherzustellen, dass nach dem Ausscheiden der Interimslösung die erwirkten Ziele fortgeführt werden. Das kann ein Nachteil sein, wenn die Interimlösung zu wenig das „Stammteam“ integriert. Am Ende ist es immer People-Business.

Einen Nachteil sehe ich für mich persönlich nicht: immer neue Eindrücke, Veränderung, Bewegung, neue Märkte – einfach großartig.

Wie geht es für dich bei Twinner weiter?

Wir sind freundschaftlich und geschäftlich weiterhin verbunden: In beratender Funktion werde ich Twinner erhalten bleiben.

Ist die nächste Interimsstelle schon in Aussicht oder stehen bei dir dann erst einmal andere Themen im Fokus?

Es gibt immer wieder Gespräch zwecks Beratungs- oder Interimsprojekten, wo beide Seiten abwägen, ob es passt. Ich führe derzeit Gespräche und schaue, ob ein spannendes Thema dabei ist. Ansonsten arbeite ich an meinem kommenden Buch, welches im Frühjahr 2020 erscheint.

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