Corporate Learning

Mit Chatbots personalisierte Lernerlebnisse schaffen

| Autor / Redakteur: Holger Bräunlich* / Georgina Bott

Jeder hat einen anderen Wissensstand und unterschiedliche Anforderungen an die Weiterbildung. Chatbots können dabei helfen, sich individuell weiterzuentwicklen.
Jeder hat einen anderen Wissensstand und unterschiedliche Anforderungen an die Weiterbildung. Chatbots können dabei helfen, sich individuell weiterzuentwicklen. (Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Weiterbildungen nach „Schema F“ waren gestern. Heute setzen Unternehmen auf personalisierte Lernerfahrungen, die dank intelligenter Algorithmen bedarfsgerechter denn je sind. Das Integrieren in den Arbeitsalltag ist der Schlüssel.

Endlose Vorträge, veraltete Schulungsmaterialien, fachlich irrelevante Lerninhalte: So unverzichtbar Bildung im Unternehmen ist, sie muss auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugeschnitten sein. Sonst sorgt sie nur für Langeweile – und verdirbt damit schlimmstenfalls sogar die Freude am Lernen. Organisationen verspielen enormes Potenzial, wenn sie die Lust auf Neues nicht zu einem Kerncredo ihrer Unternehmenskultur erheben. Technologisch stehen die Zeichen längst auf Grün: Kluge Lösungen, die sich Machine Learning und Künstliche Intelligenz (KI) zunutze machen, evaluieren gleichermaßen den Wissensstand in den Teams als auch das übergeordnete Bildungsbedürfnis aus unternehmensstrategischer Sicht.

Personalisiertes Know-how statt Einheitswissen

Einer der größten Vorteile von KI-basierten Lernumgebungen besteht darin, dass sie aus vorangegangenen Aktionen eine Nutzerhistorie erstellen, auf deren Basis individuelle und bedarfsgerechte Vorschläge für personalisierte Lernpfade entwickelt werden. Für das Corporate Learning steht mit derartigen Lernlösungen ein Paradigmenwechsel ins Haus: Der Trend geht ganz klar weg von standardisierten, starren Kursabfolgen, mit denen – völlig losgelöst von der beruflichen Realität eines Einzelnen – die komplette Belegschaft unter einen Hut gebracht werden soll.

Stattdessen werden Wissens- und Lerneinheiten harmonisch in die Arbeitsabläufe eingebettet und können an eine organische Suche nach Information anknüpfen. Der lernpsychologische Clou liegt darin, dass die Mitarbeiter die Erweiterung ihrer Kompetenzen nicht als Pflicht, sondern als natürlichen Vorgang empfinden, und damit aus der eigenen Neugier heraus motiviert sind, ihren Wissensbedarf zu stillen. Dank automatisierter Lösungen erfolgt die Bereitstellung personalisierter Lerneinheiten exakt im Moment des Bedarfs.

Unternehmenswissen mit Verstand bereitstellen

Knowledge Management alleine reicht für clevere Geschäftsprozesse nicht aus. Wenn es darum geht, das geballte Wissen eines Unternehmens voll auszuschöpfen, ist es wichtig, den Lernenden und damit die Bereitstellung der Daten in den Vordergrund zu stellen. Learning Experience-Plattformen (LXP), die auf KI-Technologien setzen, können aus dem Wissenspool eines Unternehmens die passenden Informationen in genau dem Format liefern, mit dem den Lernenden am besten geholfen ist. Vor dem Hintergrund, dass der Wissensstand in den Unternehmen exponentiell und damit mit rasender Geschwindigkeit wächst, ist eine Aufbereitung und Nutzung dieser bedeutenden Ressource ohne technische Unterstützung inzwischen unmöglich.

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Natural Language Generation

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02.11.18 - Im B2B sind häufig Beschreibungen für jede Menge Produkte und Services gefragt. Der Natural Language Generation-Algorithmus liefert auf Basis strukturierter Produkt- und anderer Daten werbende Texte, die korrekt und konsistent sind – auf Knopfdruck! lesen

Hier tragen Natural Language Processing (NLP) und KI dazu bei, dass die Corporate Knowledge nicht ungenutzt in den digitalen Archiven schlummert. NLP kann zahlreiche Dateiformate – sowohl strukturierte Daten aus Dokumenten als auch unstrukturierte Informationen aus Audio- und Videodateien – verarbeiten und in Kombination mit Machine Learning-Mechanismen Zusammenhänge und Korrelationen zwischen Inhaltselementen finden. Aus der Verbindung beider Technologien ergibt sich ein Werkzeug, mit dem der Arbeitskontext eines Nutzers gemessen und potenzielle Lernanforderungen vorhergesagt werden können.

Ein Beispiel: Findet sich die Antwort auf eine spezifische Frage in einem fünfstündigen Video, wird kaum jemand die Zeit finden, sämtliche Inhalte in voller Länge anzuschauen. NLP findet im Zusammenspiel mit visueller Erkennung allerdings genau den Moment im Video, an dem das benötigte Wissen Erwähnung findet. Eine derartige kontextabhängige Suche spart Zeit und liefert Antworten, die exakt auf den Lernbedarf des Mitarbeiters passen.

Ein Chatbot übernimmt die Funktion eines Personal Trainers

KI-Assistenten werden mehr und mehr zum Bestandteil alltäglicher Anwendungsszenarien. Der Google Assistant oder Amazon Echo sind nur zwei Beispiele für Lösungen, die sich in der Interaktion mit dem Anwender lernfähige Algorithmen zunutze machen. Auch in der betrieblichen Weiterbildung ergeben sich zahlreiche interessante Szenarien für den Einsatz von automatisierten Assistenzsystemen. Eine Möglichkeit ist die Einführung KI-gesteuerter Chatbots als Ansprechpartner und Lernbegleiter. Sie können unkompliziert in bestehende Wissens- und Kommunikationskanäle integriert werden und mit den Lernenden kommunizieren. Sie liefern schnell und unkompliziert Antworten, die mithilfe von NLP und Machine Learning in Echtzeit ermittelt werden und schlagen proaktiv weiterführende Informationseinheiten vor. Sie können so als virtuelle Personal Trainer übergeordnete Maßnahmen begleiten und die Lerneffizienz von Einarbeitungsmaßnahmen, Mitarbeiterschulungen oder auch Compliance- und Sicherheitstrainings deutlich optimieren.

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Kluges Onboarding: Willkommen im Team!

Ein anschauliches Beispiel für den zielführenden Einsatz von KI und Chatbots im Corporate Learning bietet das Onboarding. Traditionell werden während der Einarbeitung in einem Unternehmen oder einem neuen Team, gerne standardisierte Lernmaterialien bereitgestellt. Diese spiegeln jedoch selten den wirklichen Wissens- und Lernbedarf frischer Mitarbeiter wider. Ideal ist es hingegen, wenn kluge Algorithmen Erfahrungen mit vorangegangenen Einarbeitungsphasen und den persönlichen Lernvorlieben integrieren und so das Onboarding nicht nur reichhaltiger gestalten, sondern obendrein beschleunigen. Wenn also die neue Kollegin im Vertrieb wissen möchte, was sie bei der Einreichung ihrer Reisekostenabrechnung beachten muss, dann muss sie nur den Chatbot fragen.

In unserem Beispiel wird er der virtuelle Assistent eine kleine Einführung in das interne Tool zur Reisekostenerfassung anbieten und zudem auf Wunsche einen Kontakt zu den verantwortlichen Mitarbeitern vermitteln. Neue Team-Mitglieder, die auf diese Weise schnell relevantes Wissen und damit wichtige Kompetenzen erhalten, um sich optimal in ihre neuen Aufgaben einzuleben, müssen sich nicht lange mit unnötigen formellen Herausforderungen aufhalten, vielmehr sind sie von Beginn an zufriedener und motivierter, weil sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Die Einarbeitung mit Unterstützung eines Lernassistenten durchzuführen, hat einen weiteren Vorteil: Die neuen Mitarbeiter begreifen Lernen von der ersten Stunde an als natürlichen Bestandteil von Arbeitsprozessen und Unternehmenskultur.

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* Holger Bräunlich ist Business Development Manager bei Valamis.

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