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Internationalisierung im E-Commerce Produkte erfolgreich international verkaufen

Autor / Redakteur: Vera Hofer* / Lena Müller

Das Internet hat die Welt stark zusammenwachsen lassen. Selbst Ländergrenzen scheinen durch die digitale Vernetzung Geschichte zu sein. Neben der Möglichkeit der grenzenlosen Kommunikation über den gesamten Globus, können Kunden mittlerweile mit nur wenigen Klicks in Onlineshops nahezu überall auf der Welt einkaufen.

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Neben der Möglichkeit der grenzenlosen Kommunikation über den gesamten Globus, können Kunden mittlerweile mit nur wenigen Klicks in Onlineshops nahezu überall auf der Welt einkaufen.
Neben der Möglichkeit der grenzenlosen Kommunikation über den gesamten Globus, können Kunden mittlerweile mit nur wenigen Klicks in Onlineshops nahezu überall auf der Welt einkaufen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Kein Wunder, dass sich immer mehr E Commerce-Treibende dazu entscheiden, international zu agieren. Doch gerade deutsche Onlinehändler scheuen bislang den ersten Schritt in Richtung Internationalisierung.

Die Faktenlage einer DHL-Studie zeigt klare Ergebnisse: Der grenzüberschreitende E-Commerce wächst doppelt so schnell wie der nationale Onlinehandel. So können Onlinehändler ihre Abverkäufe um bis zu 15 Prozent steigern, wenn sie ihre Produkte international verkaufen. Doch trotz optimaler Voraussetzungen deutscher E-Commerce-Treibenden zögern immer noch einige Unternehmer, neue Absatzmärkte außerhalb des Heimatmarkts zu erschließen und lassen so wichtige Wachstumschancen ungenutzt.

Das gilt es bei der Internationalisierung zu beachten

Bei der Ausweitung des Webshops ins Ausland müssen Unternehmen verschiedene Hürden nehmen. Dabei geraten die Onlinehändler vor verschiedene Herausforderungen, die die Internationalisierung erschweren:

  • Kulturelle und sprachliche Unterschiede
  • Rechtliche Vorgaben
  • Bestell-, Liefer- und Service-Prozesse
  • Finanzielle Aufwände und Risiken

Diese vier Herausforderungen lassen sich jedoch mit einer durchdachten Internationalisierungsstrategie meistern.

Die Besonderheiten jedes Landes verstehen

Auch wenn die Welt durch die globale Vernetzung zusammengerückt ist, funktioniert E-Commerce in jedem Land etwas anders. Damit die Internationalisierung gelingt, ist es für deutsche Onlinehändler unabdingbar, die spezifischen Besonderheiten des Ziellandes zu kennen, um die Mentalität und die Bedürfnisse der potentiellen Käufer zu verstehen. Eine umfassende Marktanalyse liefert Erkenntnisse zum Einkaufsverhalten der Kunden. Zudem sollten Unternehmen vorab Informationen zur Gestaltung der nationalen Onlineshops sowie zu den landestypischen Kommunikationskanälen einholen. Es empfiehlt sich, einen Experten aus dem Zielland zu rekrutieren, der sich nicht nur mit der Sprache auskennt, sondern auch das Land und seine individuellen Einstiegshürden kennt.

Rechtlich auf der sicheren Seite stehen

Andere Länder, andere rechtliche Vorgaben. Bei der Expansion des Webshops ins Ausland sollten Onlinehändler in jedem Fall die rechtlichen Bestimmungen des Ziellandes vorab klären. Hält sich der Onlinehändler bei der Internationalisierung an das deutsche Recht, ist er in vielen Märkten bereits auf der sicheren Seite. Das gilt beispielsweise für folgende Angaben:

  • Impressum mit Informationen zum Unternehmen
  • AGB inklusive Zahlungs- und Lieferbedingungen, Belehrung zum Widerrufsrecht und Muster-Widerrufserklärung
  • Lieferzeiten und Versandkosten für alle Lieferländer
  • Informationen zu etwaigen Zöllen und anfallenden Gebühren

Zudem sind die Produkte nach den jeweiligen nationalen Bestimmungen korrekt zu kennzeichnen und auch die Einfuhrbestimmungen, die Gesetze zum Jugend- und Verbraucherschutz sowie Lizenzregelungen des Ziellandes sollten in jedem Fall beachtet werden. Daneben steigern anerkannte Zertifizierungen die Vertrauenswürdigkeit eines internationalen Onlineshops und garantieren für die Einhaltung von Standards für Verbraucher- und Datenschutz.

Bezahlverfahren, Service und Logistik auf das Zielland ausrichten

Enorm wichtig beim Onlinekaufprozess ist ein einfacher und vertrauenswürdiger Bezahlvorgang. Deshalb sollten sich Händler im Voraus informieren, welche Zahlungsart Kunden im Zielland am häufigsten nutzen und das höchste Vertrauen genießt.

Dazu ist es empfehlenswert, auch den Kundenservice auf das jeweilige Land auszurichten. So sollten Unternehmen Kundenfragen über verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten zeitnah beantworten. Zu einem optimalen Service gehört zudem eine reibungslose Lieferung. Um diese zu garantieren ist es ratsam, die Logistik-Optionen vorab zu eruieren. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, die Ware direkt aus Deutschland ins jeweilige Zielland zu versenden.

Das passende Shopsystem und die richtige Marketing-Strategie wählen

Ebenso entscheidend für eine erfolgreiche Internationalisierung ist neben den bereits genannten Faktoren die eingesetzte Shopsoftware, das Marketing und die passende Vorgehensweise. Onlinehändler sollten deshalb in jedem Fall auf folgende Aspekte achten:

  • Die Wahl eines Multistore-Shopsystems, das verschiedene landesspezifische Shops integrieren kann.
  • Die Berücksichtigung landestypischer Anforderungen hinsichtlich Sprache, Schrift, Sonderzeichen, Währung sowie Längen- und Gewichtsmaße.
  • Die einheitliche Gestaltung, Handhabung und der Grundaufbau des Frontends.

Ebenso ist das Marketing zu berücksichtigen. Der Onlineshop muss im Zielland einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangen und leicht auffindbar sein. Dies kann durch durchdachtes Content-Marketing, durch die Suchmaschinenoptimierung sowie SEA-Kampagnen gelingen.

Sich die vernetzte Welt zum Vorteil machen

Generell ist es ratsam, wenn Unternehmen bei ihrer Internationalisierung Schritt für Schritt vorgehen. Für deutsche Onlinehändler empfiehlt es sich, zunächst in Nachbarländer zu expandieren, da dort das Verständnis in Sachen Mentalität, Kultur und Sprache ähnlich ist. Eine weitere Möglichgeit besteht darin, einzelne Märkte zum Beispiel mit einem abgespeckten Produktportfolio oder einem MVP zu testen. Diese Vorgehensweise bietet neben einer schnellen Time-to-Market zusätzlich die Möglichkeit zu überprüfen, ob der ausgetestete Markt für das Unternehmen attraktiv ist.

Entschließt sich ein E-Commerce-Treibender dazu, mit seinem Onlineshop die Grenzen zu überschreiten und sein anvisiertes Zielland und dessen Besonderheiten sowohl inhaltlich, sprachlich und technisch zu analysieren, ist der Weg für eine erfolgreiche Internationalisierung geebnet.

*Vera Hofer ist Senior E-Commerce Consultant bei netz98.

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