Business Agility Reicht Business Agility noch aus? – Business Trends für 2022

Autor / Redakteur: Timm Urschinger* / Antonia Röper

Es herrscht Einigkeit darüber, dass das Geschäftsleben wie wir es kennen der geforderten Business Agility nicht gewachsen ist – und in Zukunft sogar destruktiv sein wird. Was also können wir tun, um nicht nur zu überleben, sondern zu wachsen?

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Um wirklich agil zu werden braucht es Vertrauen und Transparenz.
Um wirklich agil zu werden braucht es Vertrauen und Transparenz.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Kommt es uns nur so vor, oder wird die Zukunft tatsächlich immer unvorhersehbarer? Ja, der schnelle Wandel, den wir selbst vorantreiben, schafft wirtschaftlichen Fortschritt und gesellschaftlichen Wohlstand. Aber wo bleibt das menschliche Wohlergehen, wenn wir bei exponentiellen Veränderungen nicht nur gewohnt leistungsfähig, sondern stets neugierig, innovativ und kreativ sein sollen? Reicht Business Agility überhaupt noch aus? Folgende Trends zeichnen sich im Business für 2022 ab:

#1 Business Agility braucht überlebensgroße Neugierde

Menschen, denen die Lösung eines Problems wirklich am Herzen liegt, ziehen keine voreiligen Schlüsse. Allen großen und kleinen Erfindungen ging eine überlebensgroße Neugier voraus. Fragen stellen, Zweifel widerlegen, bis es eine Antwort gibt. Als Vater von zwei Kindern im Alter von 2 und 3 Jahren weiß ich genau, wie groß der Wissens- und Lerndrang in dieser Zeit ist. Natürlich haben die beiden nicht die starke Verpflichtung zu ständiger Leistung wie wir Erwachsenen. Aber auch für uns waren das früher genau die Momente, in denen wir gelernt haben, mit Problemen am effektivsten umzugehen und sie am schnellsten zu lösen – und das spielerisch. Daher: Seien Sie wieder mehr Kind!

#2 Vertrauen und Transparenz - Kriterien um agil zu werden

Alle reden über Selbstorganisation und autonome Teams und welche Kriterien man als Einzelner oder im Unternehmen erfüllen muss, um wirklich agil zu werden. Aber womit fängt man an? Auf diese Frage gibt es nur eine einzige Antwort: Die Basis jeder agilen Organisation ist ‚Vertrauen und Transparenz‘. Unternehmen brauchen sich nicht die Mühe machen, mit den technischen Details von Rollen, Prozessen oder Regeln für ein selbstorganisiertes Umfeld zu beginnen, wenn Führungskräfte nicht bereit dazu sind, radikal transparent zu sein und ihren Mitarbeitern sowie sich gegenseitig zu vertrauen.

#3 Trotz Business Agility einen sicheren Raum schaffen

Freiheit, so sehr wir uns danach sehnen, kann den Druck und die Angst erhöhen. Weil wir uns entscheiden müssen und die Gefahr eines Fehlers besteht. Vergessen Unternehmen einen sicheren Raum für ihre Mitarbeiter zu schaffen, ist Selbstorganisation das Schlimmste, was man Menschen antun kann. Und das größte Risiko auf dem Weg zur Agilität. Denn mit der Selbstorganisation kommt auch die Verantwortung. Führungskräfte können (und müssen) ihren Mitarbeitern helfen, indem sie einen Ort schaffen, an dem es in Ordnung ist, nicht in Ordnung zu sein. An dem es o.k. ist, um Rat zu fragen und keine Angst haben zu müssen, beurteilt zu werden. So entsteht Vertrauen!

#4 Kreise sind nicht beweglicher als Pyramiden!

Die Entwicklung neuer Verhaltensweisen sowie das Verlernen alter Muster – das ist es, was wir in einer Transformation wollen. Deshalb stehen im agilen Business Netzwerk-Organisationen hoch im Kurs. Aus pyramidenförmigen Strukturen werden holokratische Kreise. Hilft das wirklich? Menschen sind anpassungsfähig! Deshalb macht es Sinn, für welchen agilen Weg sich Unternehmen auch entscheiden, drei Dimensionen zu beachten: Die kontinuierliche Weiterbildung in agilen Methoden und Tools. Die Investitionen in Denkweisen und Fähigkeiten der Mitarbeiter. Die Entwicklung der richtigen Organisationsstruktur. Damit besitzen Unternehmen die Manövrierfähigkeit in einer komplexen und teilweise chaotischen Welt.

#5 Gerade bei Business Agility muss Purpose einen Sinn machen

Im Business ist es wichtig, Wachstum zu realisieren und damit für Sicherheit zu sorgen. In Zukunft wird neben dem wirtschaftlichen Wachstum aber vor allem ein Punkt immer wertvoller: Purpose! Mitarbeiter, die wissen, WARUM sie etwas tun, sind starke Markenbotschafter – für Produkte ebenso wie für das ganze Unternehmen. Glauben Mitarbeiter daran, dass ihre Arbeit wichtig ist und ihr Tun einen Unterschied in der Welt macht, schafft der Purpose eine tiefe Inspiration, weckt Stolz, fördert die Kreativität und verankert die Mitarbeiter.

#6 Business Agility? Teal ist das zukünftige Organisationsmodell!

Viele Unternehmen streben nach Innovation, brechen aber keine Organisationsmuster. Dabei hat Frédéric Laloux bereits 2016 in seinem Buch „Reinventing Organizations“ dargelegt, dass außergewöhnlich erfolgreiche Pionier-Unternehmen genau das ignorierten, was sie im Studium bzgl. Hierarchien, Bürokratie und Machtstrukturen gelernt haben. Stattdessen suchten sie nach etwas Mächtigerem, etwas mit Autonomie, Seele und Sinn. Drei entscheidende Durchbrüche wurden dabei erzielt: Erstens Selbstführung, das heißt keinerlei Hierarchieebenen und eine verteilte Autorität. Zweitens Ganzheitlichkeit, das bedeutet, dass jeder er selbst sein kann. Bezogen auf die Mitarbeiter wird dadurch eine enorme Energie und Kreativität freigesetzt. Drittens der evolutionäre Sinn, sodass das Unternehmen als lebendiger Organismus betrachtet wird, dem die Mitarbeiter zuhören und folgen. Das mag idealistisch, anarchistisch oder esoterisch klingen, ist es aber nicht! Es ist die Antwort auf alle Unternehmensprobleme – heute, morgen und in Zukunft.

* Tim Urschinger ist Mitgründer und CEO von LIVEsciences.

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