Neue Kundenauthentifizierung im E-Commerce SCA seit dem 1. Januar für viele Online-Zahlungstransaktionen verpflichtend

Autor / Redakteur: Marcos Raiser* / Lena Müller

Online-Shops haben in der Krise noch einmal gehörig an Attraktivität zugelegt – sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich. Seit dem 1. Januar 2021 ist nun die Starke Kundenauthentifizierung (SCA) für die meisten Online-Zahlungstransaktionen verpflichtend. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Insgesamt nutzen nach einer Studie des Digitalverbands Bitkom inzwischen 83 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 16 Jahren das Internet zum Einkaufen.
Insgesamt nutzen nach einer Studie des Digitalverbands Bitkom inzwischen 83 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 16 Jahren das Internet zum Einkaufen.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Vor Jahrhunderten trafen sich Händler in Europa in den großen Hansestädten und besiegelten ihre Geschäfte mit einem Handschlag. Ihr Handel dehnte sich schließlich auf alle Kontinente aus. Heute sind Orte wie die Häfen von Hamburg, Rostock oder Bremen immer noch eine Drehscheibe für den grenzüberschreitenden Handel. Nur ist der Handel mittlerweile größtenteils virtuell geworden, und ein Handschlag wird nicht erst seit Corona als etwas veraltet angesehen. Da die meisten Handelstransaktionen über das Internet abgewickelt werden, hat sich auch das Finanzwesen online etabliert.

Heute finden sich die eifrigsten Online-Shopper der EU in Deutschland. Insgesamt nutzen nach einer Studie des Digitalverbands Bitkom inzwischen 83 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 16 Jahren das Internet zum Einkaufen – also 57 Millionen. 79 Prozent der Deutschen kauften 2019 nach Zahlen von Eurostat mindestens einmal wöchentlich im Internet ein. Dieser Wert dürfte sich 2020 noch einmal erhöht haben. Drei Viertel der Online-Shopper klicken mehrmals monatlich auf den Bestell-Button. Europaweit führende E-Commerce-Unternehmen wie Otto, Zalando oder MediaMarkt stammen aus Deutschland. Die über eine Million Händler der E-Commerce-Plattform Shopify machten im Jahr 2020 am „Black Friday/Cyber Monday“-Wochenende einen Umsatz von über 4,26 Milliarden Euro. Weltweit ist das ein Anstieg von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr – in Deutschland betrug das Wachstum satte 189 Prozent.

B2B-Unternehmen fahren ihre E-Commerce-Bereiche immer weiter nach oben

Online-Shopping hat für die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher in der Krise noch einmal an Attraktivität gewonnen. Und auch im B2B-Bereich nehmen die Online-Transaktion zu. Unternehmen wie Personio, Jimdo und Twilio vermelden starke Wachstumszahlen. Dabei steigen auch der grenzüberschreitende Handel und Online-Zahlungen. Der Europäische Binnenmarkt macht’s möglich.

Es versteht sich von selbst, dass diese Rekordumsätze ohne nahtlose Zahlungsabwicklung und reibungslose Checkout-Prozesse nicht erreicht werden könnten. Dabei spielt – egal bei welcher Zahlungsmethode – Sicherheit eine große Rolle. Um die zu erhöhen, wurde am 1. Januar 2021 die Starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentication, SCA) für die meisten Online-Zahlungstransaktionen verpflichtend. SCA ist Teil der zweiten Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD2) der EU. Ziel ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU vor Betrug und Cyberangriffen zu schützen. Sobald die neue Zahlungsrichtlinie in Kraft tritt, gilt für die meisten Online-Transaktionen die Zwei-Faktor-Authentifizierung, wobei Transaktionen durch mindestens zwei der folgenden drei Faktoren bestätigt werden müssen:

  • Wissen, zum Beispiel Passwort, Sicherheitsfrage, PIN,
  • Besitz, zum Beispiel Token, Smartphone,
  • Inhärenz, zum Beispiel biometrische Eigenschaften wie Fingerabdruck, Gesichtserkennung.

Komplexität für Händler steigt mit neuer Regelung

Ein zusätzlicher Authentifizierungsschritt führt allerdings zu einer höheren Komplexität im Kaufvorgang. Händler sollten daher umso mehr darauf achten zu vermeiden, dass Zahlungen abgelehnt und damit Kundinnen und Kunden Käufe nicht durchführen können. Bestimmte Arten von Zahlungen mit geringem Risiko, wie zum Beispiel monatlich wiederkehrende Abonnements oder Beträge unter 30 Euro, sind von den SCA-Anforderungen ausgenommen und können ohne zusätzliche Authentifizierung getätigt werden. Der richtige Payment-Partner kann helfen, mit dieser Komplexität umzugehen und Ausnahmen intelligent zu verwalten, um die Auswirkungen auf die Conversion-Rates eines Händlers zu minimieren. Die Authentifizierungslösung 3D Secure 2 (3DS2) ist eine gute Grundlage, aber nicht genug, um eine reibungslose Customer Journey und eine gute Conversion zu garantieren. Stattdessen setzen Payment-Plattformen Machine Learning ein, um Transaktionen mit geringem Risiko und SCA-Ausnahmen zu identifizieren – und sogar um diejenigen Zahlungsmethoden zuerst vorzuschlagen, die im jeweiligen Fall die geringsten Reibungsverluste versprechen.

Die Chancen, die der europäische E-Commerce bietet, sollten von Internetunternehmen optimal genutzt werden. Dabei kann der richtige Zahlungsanbieter einem Händler helfen, auf vielen internationalen Märkten erfolgreich zu sein und die komplizierten neuen Regeln mit den geringsten Reibungsverlusten umzusetzen. Die Weihnachtszeit 2020 ist vorüber – trotz Pandemie, Shutdowns und wirtschaftlicher Rezession. Online-Unternehmen sollten das Beste daraus machen und sich auf die SCA-Welt vorbereiten, die uns im Jahr 2021 erwartet.

*Marcos Raiser do Ó ist Head of DACH and CEE bei Stripe.

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