Erfolgsfaktoren für den Mittelstand Shop-Integration leicht gemacht

Autor / Redakteur: Kian Hemmasi* / Lena Müller

Im vergangenen Jahr standen viele Unternehmen und Anbieter vor der Herausforderung, einen eigenen Onlineshop auf die Beine zu stellen. Doch was macht einen guten Shop sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich aus? Eines ist klar: Er darf nicht isoliert von den anderen digitalen Angeboten des Shop-Betreibers als Insellösung betrachtet werden.

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Egal ob im B2B- oder B2C-Bereich: Unternehmen wollen ihren Kunden stets das Beste bieten – digital oder persönlich. Ein Onlineshop hilft dabei enorm.
Egal ob im B2B- oder B2C-Bereich: Unternehmen wollen ihren Kunden stets das Beste bieten – digital oder persönlich. Ein Onlineshop hilft dabei enorm.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Jeder kennt das Gefühl: Man besucht eine Website und erwartet ein intuitiv bedienbares Angebot, das den User ohne Umwege und Stolpersteine zum gewünschten Ziel führt. Websites wirken gut gemacht, wenn sie genau diese Erwartungen erfüllen. Was einfach erscheint, ist jedoch meist Ergebnis konzentrierter Anstrengungen interdisziplinärer Teams, Komplexes simpel aussehen zu lassen. Blickt man hinter die Kulissen, zeigt sich: Nutzer agieren unbemerkt mit einer Vielzahl von Systemen, die hinter einer Website oder einem Onlineshop stecken und dedizierte Aufgaben optimal abgestimmt erledigen.

So bezieht ein Onlineshop nicht nur im B2B-Bereich beispielsweise seine Produktdaten aus einem PIM-System, übergibt diese für das Fulfillment an ein ERP-System, bietet eine Newsletter-Registrierung über ein angebundenes Newsletter-System oder holt sich kundenspezifische Preislisten aus einem CRM-System. Diese unterschiedlichen Systeme zu verknüpfen wird meist durch ihre modulare Architektur, ihre Programmierschnittstellen (APIs) sowie durch verbreitete Datenaustauschformate ermöglicht. Auf diese Weise sorgt Technologie im Hintergrund dafür, Fehlerquellen zu reduzieren, Prozesse zu beschleunigen und die Grundlage für erfolgreichen E-Commerce zu legen.

Um Kunden ein optimales digitales (Einkaufs-)Erlebnis zu bieten, muss jedoch nicht nur der Onlineshop reibungslos funktionieren. Ebenso gilt es, diesen nahtlos in die bestehende Plattform eines Anbieters zu integrieren. Hierbei sollten einige zentrale Faktoren berücksichtigt werden.

Erfolgsfaktoren für die nahtlose Shop-Integration

Eine System-Integration auf Basis von APIs ist nicht immer das Mittel der Wahl – sei es aus Kosten-/Nutzen-Überlegungen oder auch weil die bestehende Systemlandschaft sich hierfür schlicht nicht anbietet. Was ist also zu beachten, wenn Systeme nicht nur im Hintergrund angeschlossen werden, sondern eine User Journey sich über die Frontends mehrerer Systeme erstreckt? In solchen Fällen ist es die Aufgabe der Entwicklungsteams, die verwendeten Systeme so zu verzahnen, dass User beim Absprung beispielsweise von der Produkt-Website in den Shop keine Brüche bemerken. Das konsistente Verhalten der Systeme entlang der gesamten Journey erweckt somit den Eindruck, es würde nur ein System bedient.

Ganzheitliches Denken im Entwicklungsteam

Dabei können Entwicklungsteams auf eine ganze Palette an Zutaten zurückgreifen, die sich nicht nur auf Technologien beschränken. Angefangen bei einem tiefen Verständnis der Nutzerbedürfnisse, Geschäftsziele und User Journeys müssen die richtigen Softwarekomponenten ausgewählt und Arbeitsweisen etabliert werden, die den Umgang mit Komplexität erleichtern. Vorbereitende Formate wie Anforderungs-Workshops ermöglichen hierbei für das gesamte Entwicklungsteam die Beantwortung von projektspezifischen, organisatorischen und teamspezifischen Fragestellungen. Ganzheitliches Denken im Entwicklungsteam ist somit der erste Schritt zu einer erfolgreichen Shop-Integration.

Einheitliche Produktvision und Experience Design

Einen Onlineshop in eine bestehende Plattformlandschaft einzugliedern bedeutet oft, nicht nur am neuen, sondern auch an den vorhandenen Systemen Anpassungen vorzunehmen. Hierbei sind in der Regel mehrere Development Teams involviert. Um ein hochwertiges Nutzererlebnis der Gesamtlösung sicher zu stellen, sind eine übergeordnete und übergreifende Produktvision und Entwicklungsarbeit im Experience Design notwendig. So lassen sich auch alle Beteiligten für die Produktvision begeistern. Diese allein ist aber nicht ausreichend für ein Team. Eine gemeinsame Definition der kurz- und langfristigen Ziele ist für die Zusammenarbeit und Anforderungen essentiell. Nur so entsteht am Ende der Eindruck, dass der integrierte Shop wie „aus einem Guss” zur bestehenden Systemlandschaft gehört.

Identity Management und Authentifizierung über Single Sign-on

Ein offensichtlicher und in vielen Fällen hinderlicher Bruch in der User Journey entsteht dort, wo eine Authentifizierung notwendig ist. Der Download von Marketingvorlagen sollte einem Händler mit den gleichen Credentials möglich sein, die er auch für die tatsächliche Bestellung nutzt. Ebenso wenig sollte er sich mehrfach hintereinander einloggen müssen. Dies kann durch die Verwendung eines geeigneten Identity Managements Systems vermieden werden, das einen Single Sign-on (SSO) bereitstellt. So besitzt der Kunde nur einen einzigen Login, zu dem er einmalig aufgefordert wird, da die Systeme eine gültige Authentifizierung im Hintergrund austauschen.

Die Vermeidung von Redundanz beschränkt sich nicht nur auf Zugangsdaten, sondern auf alle weitere User-spezifischen Informationen, wie zum Beispiel Adressen, Bestellhistorie oder Einstellungen. Falls hierdurch unterschiedliche Unternehmen an der Verarbeitung personenbezogener Daten beteiligt sind, müssen natürlich die notwendigen datenschutzrechtlichen Vorkehrungen getroffen werden.

Systemisches User Interface Design und UX-Writing

Auch ein einheitlicher visueller Eindruck zwischen allen System-Frontends stützt eine nahtlose User Journey. Anstatt zu versuchen, die verschiedenen User Interfaces – so gut es geht – unabhängig voneinander an einen bestehenden Styleguide anzupassen, bieten Designsysteme, die modular nach dem Prinzip des Atomic Design aufgebaut sind, einen praktischen Gegenentwurf. Technisch über Pattern Libraries realisiert, steht ein Baukasten zur Verfügung, der zentral alle benötigten Styles vorhält. Zukünftige Änderungen werden nur einmal vorgenommen und zeitgleich auf alle angebundenen Systeme vererbt.

Doch nicht nur visuell, auch inhaltlich sollte Einheitlichkeit über alle Systeme hinweg bestehen. Ist der Tonfall der Ansprache identisch? Ist die Strukturierung von Texten und die Kombination mit grafischen Elementen einheitlich? Kommt auch die Microcopy wie Call-to-Actions (CTAs), Fehlermeldungen oder Buttonlabels aus einer Hand? Ein übergeordnetes UX-Writing stellt dies sicher.

Viele Köche, ein gelungener Brei

Eine Shop-Integration erfolgt oft durch zeitgleich arbeitende, interdisziplinäre Development Teams, die in Abhängigkeit zueinanderstehen. Das erfordert ein schnelles Reaktionsvermögen auf Veränderungen über alle Arbeitsschritte hinweg. Agile Methoden wie Scrum bieten hier eine gute Lösung. Damit mehrere Scrum-Teams zielgerichtet arbeiten können, sind eine gemeinsame Produktvision, zentrale und aktive Product Ownership sowie eine weitsichtige Release-Planung unabdingbar. In Verbindung mit dem Abgleich der Teams über einen Scrum of Scrums trägt all das zu einem Ergebnis bei, das nicht nur für den User, sondern auch für den Plattformanbieter mehr ist als die Summe seiner Einzelteile.

Keine Insel-, sondern eine einheitliche Lösung

Egal ob im B2B- oder B2C-Bereich: Unternehmen wollen ihren Kunden stets das Beste bieten – digital oder persönlich. Beachtet man die genannten Erfolgsfaktoren, steht einer nahtlosen System-Integration und erfolgreichem E-Commerce nichts mehr im Wege. Es wird ein herausragender Service über alle Ebenen hinweg gewährleistet, der ein optimales Erlebnis für die Nutzer eines Shop-Anbieters garantiert – ohne Stolpersteine und mit einer konsistenten User Journey, der Spaß macht und dazu beiträgt, Geschäftsziele zu erreichen.

*Kian Hemmasi ist Chief Operating Officer bei 21TORR.

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