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Gartners technologische Trends veröffentlicht Sieben strategische Technologien 2012

| Redakteur: Natalie Wander

Strategisch wichtige Technologien 2012 hat das Marktforschungsunternehmen Gartner ausgemacht. Viele davon überraschen nicht, Gartner gibt jedoch einen guten Überblick, was in den nächsten Jahren wichtig wird. Analysten des Marktorschungsunternehmens Gartner machen sich jährlich auf die Suche nach Technologie-Trends.

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Blick in die Glaskugel: Im Oktober 2011 veröffentlichte Gartner seine Top Ten strategisch wichtiger Technologien 2012, die die meisten Unternehmen in den nächsten Jahren beeinflussen werden.
Blick in die Glaskugel: Im Oktober 2011 veröffentlichte Gartner seine Top Ten strategisch wichtiger Technologien 2012, die die meisten Unternehmen in den nächsten Jahren beeinflussen werden.
(Bildquelle: Gartner)

Ihrer Meinung nach werden diese in den nächsten Jahren die meisten Unternehmen beeinflussen. Unter strategisch wichtig versteht Gartner Technologien die in den nächsten drei Jahren potenziell einen signifikanten Einfluss auf Unternehmen haben werden, in Bezug auf das Geschäftsmodell oder die IT, die Notwendigkeit von Investments oder die Gefahr, zu spät auf den Zug aufzuspringen.

Strategische Technologie können zum Beispiel Technologien sein, die in den nächsten Jahren eine breite Akzeptanz erfahren werden. Es können neu aufkommende Technologien sein, die Early Adopters einen strategischen Marktvorteil sichern oder die für erhebliche Marktumwälzungen in den nächsten fünf Jahren sorgen.

Laut Gartner wird es in den nächsten Jahren nicht den einen beherrschenden Formfaktor für das Mobile-Computing geben.
Laut Gartner wird es in den nächsten Jahren nicht den einen beherrschenden Formfaktor für das Mobile-Computing geben.
(Bild: Nokia)

Media Tablets und ihre weitere Entwicklung

Für ihr Mobile-Computing können Anwender heute unter verschiedenen Formfaktoren wählen. Laut Gartner wird dies in den nächsten Jahren so bleiben, und nicht die eine Plattform, der eine Formfaktor oder die eine Technologie den Markt dominieren. Unternehmen sollten daher von einer diversitären Umgebung ausgehen, mit etwa zwei bis vier intelligenten Clients bis 2015.

Der ungebrochene Trend zu Mobile heißt, Unternehmen müssen eine Mobile-Strategie entwickeln, um die Beziehungen in B2E (Business to Employee), B2B und B2C zu gestalten. Für den B2E-Bereich umfasst dies Ziele auf den Ebenen Soziales, Business, Finanzielles sowie ein Risikomanagement. Für die B2B- und B2C-Beziehungen kommen diverse Aspekte hinzu. Dies sind die Benutzungsschnittstellen für den Zugriff auf Informationen und Systeme, die Integration mit Drittprodukten oder potenziellen Dienstleistern wie Social-Media-Netzwerken und App-Stores.

Auch für IT-Führungskräfte bringt die Diversität zusätzliche Herausforderungen: Sie müssen sich Gedanken machen, wie sie die verschiedenen Formfaktoren verwalten und die unterschiedlichen Smartphones und Tablets behandeln, die Angestellte mit an ihren Arbeitsplatz bringen.

Das Vermächtnis des Steve Jobs: Der inzwischen verstorbene Apple-Gründer prägte mit seinem iPad die Gestaltung von Benutzungsoberflächen für die Zukunft.
Das Vermächtnis des Steve Jobs: Der inzwischen verstorbene Apple-Gründer prägte mit seinem iPad die Gestaltung von Benutzungsoberflächen für die Zukunft.
(Bild: Apple)

Applikationen und Schnittstellen rund um den Mobile-Trend

Da mobile Geräte immer mehr im Mittelpunkt der Kommunikation stehen werden, ändern sich die Paradigmen für die Benutzungsschnittstellen, die seit über 20 Jahren gelten: UIs mit Fenstern, Icons oder Menüs werden Oberflächen weichen, die mit ganz anderen Techniken arbeiten: Touch, Gesten, Spracherkennung, Video. Die Applikationen selbst werden fokussierte und vergleichsweise einfache Angebote sein, die sich einfach in ein komplexeres Gesamtsystem integrieren lassen.

Diese neuen Rahmenbedingungen verlangen dem Entwickler und Designer zusätzliche Fähigkeiten und Kenntnisse bei User-Interface-Design und Programmierung ab. Neue Tools für die Applikationsentwicklung und Mobile-Enterprise-Plattformen sollen die Aufgaben erleichtern, die diese neue Cross-Plattform-Umgebung mit sich bringen.

HTML5 bescheinigt Gartner in diesem Kontext längerfristig gutes Potenzial, um diverse der neuen Herausforderungen zu adressieren. Bei der Diskussion um die richtige App-Technologie sagt Gartner bis 2015 insbesondere den plattformübergreifend nutzbaren sogenannte Web Apps Wachstum voraus, für die sich Dank HTML5, Java und diverser Tools immer mehr Funktionen und Möglichkeiten realisieren lassen.

Dem gegenüber stehen die native Apps, die jeweils für eine bestimmte Plattform entwickelt werden. Gartner geht aufgrund einer erheblichen Weiterentwickung der mobilen Webtechnologien davon aus, dass etwa 50 Prozent der Apps, die 2011 noch nativ entwickelt worden wären, 2015 als Web App umgesetzt werden.

Mit Hilfe von context-aware Computing sollen dem Anwender proaktiv und möglichst zielgruppenspezifisch die gewünschten Dienste oder Informationen geliefert werden.
Mit Hilfe von context-aware Computing sollen dem Anwender proaktiv und möglichst zielgruppenspezifisch die gewünschten Dienste oder Informationen geliefert werden.
(Bild: context-aware Computing)

Kontextuelle und Social-User-Experience

Das sogenannte context-aware Computing nutzt Informationen über den Endanwender oder ein Objekt, über Aktivitäten, Beziehungen oder Vorlieben um die Qualität der Interaktion mit dem Anwender oder dem Objekt zu optimieren. Ein solches System antizipiert die Bedürfnisse des Anwenders und liefert proaktiv den passenden und kundenspezifischen Content, das passende Produkt oder den potenziell besten Dienst.

Bereits bis 2013 sollen Applikationen mit diesen Fähigkeiten in Bereichen wie Location-Based-Services, Augemented Reality oder mobile Commerce Einzug halten. Auch soziale Informationen werden eine Schlüsselquelle für kontextuelle Informationen sein um bessere Suchergebnisse zu liefern oder das Verhalten von Applikationen zu optimieren.

Das Wachstum des "Internet of Things" macht rasante Entwicklungen bei Schlüsseltechnologien wie Identifikation, Sensorik und Kommunikation möglich.
Das Wachstum des "Internet of Things" macht rasante Entwicklungen bei Schlüsseltechnologien wie Identifikation, Sensorik und Kommunikation möglich.
(Bild: VBM-Archiv)

Internet of Things

Auch das Internet of Things nennt Gartner als eine der strategischen Technologien für 2012. Dieses Konzept beschreibt die Ausweitung des Internets um physische Geräte, die mit Sensoren und Intelligenz ausgestattet und mit dem Internet vernetzt werden. Ein Beispiel ist der Einsatz von RFID-Transpondern als mobile Datenspeicher auf Fördergut für neue Konzepte der Materialflusssteuerung.

Auch wenn dieses Konzept nicht ganz neu ist: Gartner sieht insbesondere eine Beschleunigung bei Menge und verschiedenen Typen von Geräten, sowie wesentliche Fortschritte bei den zugrundeliegenden Technologien für Identifikation, Sensorik und Kommunikation. Zu den Schlüsseltechnologien gehören Embedded-Sensoren, Bilderkennung und Near Field Communication.

A new way to work: Mit iPad in Business bewirbt Apple heute bereits Geschäftsapps z.B. für Mail, Office Dokumente oder WebEx for iPad. Der Trend zur Unternehmens-App wird sich laut Gartner verstärken.
A new way to work: Mit iPad in Business bewirbt Apple heute bereits Geschäftsapps z.B. für Mail, Office Dokumente oder WebEx for iPad. Der Trend zur Unternehmens-App wird sich laut Gartner verstärken.
(Bild: iPad in Business)

App Stores und elektronische Marktplätze

Gartner erwartet bis 2014 über 70 Milliarden Downloads von Mobile-Applikationen pro Jahr. Dabei wird sich neben den Angeboten für den Privatanwender insbesondere das Segment Apps für Unternehmen und Business ausweiten.

Mit diesen Enterprise App Stores wird sich die Rolle der IT-Abteilungen verschieben, vom zentralisierten Planer hin zum Markt-Manager, der Anwendern Richtlinien und Brokerage-Dienste zur Verfügung stellt sowie dem Unternehmer potenziell ein Ecosystem bereit stellt, um ihn in seinen Aufgaben zu unterstützen.

Beispiel für Cloud-Services: IBM testete Ende 2010 gemeinsam mit einem Industriekonsortium um Chiphersteller NXP ein auf Cloud Computing basierendes System für eCall - und bescheinigte dem System Marktreife.
Beispiel für Cloud-Services: IBM testete Ende 2010 gemeinsam mit einem Industriekonsortium um Chiphersteller NXP ein auf Cloud Computing basierendes System für eCall - und bescheinigte dem System Marktreife.
(Bild: NXP)

Cloud Computing

In der Cloud sehen die Analysten von Gartner eine starke Kraft, die langfristig breite Umwälzungen in den meisten Industrien zur Folge haben wird. Für 2011 und 2012 sieht Gartner den Markt noch in einem frühen Status. Für die kommenden zwei Jahre haben jedoch Anbieter wie Oracle, IBM und SAP Initiativen aufgesetzt, um dem Markt ein breites Angebot an Cloud-Diensten anzubieten. Auch Microsoft baut sein Cloud-Angebot aus und sowohl der Wettbewerb als auch die Cloud-Angebote auf Enterprise-Ebene werden weiter wachsen.

Unternehmen, die potenziell Cloud-Dienste einsetzen, bewegen sich von der Phase des “Verstehens” hin zu grundlegenden Entscheidungen für die Implementierung von Cloud-Lösungen. Ein wesentlicher Fokus in 2012 wird auf dem Hybrid Cloud Computing liegen, das externe Public-Cloud-Dienste und interne, private Cloud-Dienste zusammen bringt. Für Datensicherheit sollen Zeritifizierungsprogramme wie FedRAM und CAMM sorgen.

Energiesparen bleibt Trumpf: Low-Energy-Server auf Basis von Low-Power-Prozessoren können weniger rechenintensive Aufgaben übernehmen.
Energiesparen bleibt Trumpf: Low-Energy-Server auf Basis von Low-Power-Prozessoren können weniger rechenintensive Aufgaben übernehmen.
(Bildquelle: Geralt, Pixelio.de)

Low-Energy Server

Low-Energy-Server-Systeme basieren auf stromsparenden Prozessoren, wie sie üblicherweise in mobilen Geräten eingesetzt werden. Der potenzielle Vorteil liegt im Einsatz von vielen Prozessoren in einer Server-Einheit mit niedrigerer Stromaufnahme als bei aktuellen Serveransätzen. Dieser Ansatz eignet sich jedoch nur für nicht rechenintensive Aufgaben wie z.B. die Auslieferung von statischen Objekten auf einer Webseite.

Gartner stellt seine “Top 10 Strategic Technologies” jährlich vor. Als weitere strategisch wichtige Technologien für 2012 nannte Gartner die Bereiche “Big Data” (Daten-Management-Technologien im Kontext Datengröße, Komplexität und Übertragungsgeschwindigkeit), In-Memory-Computing sowie neue Analysemethoden (im Kontext Data Mining, Data Warehouse, Inline-Analyse).

Der Beitrag wurde auf ELEKTRONIKPRAXIS von Martina Hafner publiziert.

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