E-Commerce

Singles Day – Mischung aus Black Friday und Super Bowl?

| Redakteur: Georgina Bott

Der Singles Day präsentiert sich wie eine Mischung aus Black Friday und dem Super Bowl. Eine mehrstündige TV-Gala fährt Musik-Stars wie Katy Perry und Markenbotschafter wie Daniel Craig, die Beckhams oder Thomas Müller auf.
Der Singles Day präsentiert sich wie eine Mischung aus Black Friday und dem Super Bowl. Eine mehrstündige TV-Gala fährt Musik-Stars wie Katy Perry und Markenbotschafter wie Daniel Craig, die Beckhams oder Thomas Müller auf. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Am 11.11. beginnt hier zu Lande mit dem Fasching oder Karneval, die Zeit der Narren. In China ist es DER Tag des E-Commerce. Am Singles Day schießen die Umsatzzahlen in die Höhe. Allerdings gibt es einige Unterschiede im Kaufverhalten, die Anbieter unbedingt beachten sollten.

Der am 11. November zelebrierte Singles Day aus China hat in den beiden vergangenen Jahren weltweit für Schlagzeilen gesorgt, da er die bisher größten internationalen Shopping Events, wie Black Friday und Cyber Monday, geradezu spektakulär vom Thron gestoßen hat. Für E-Commerce-Unternehmen ist dieses Phänomen gleich zweifach interessant: zum einen schwappen die Angebotswellen bis nach Europa, wo findige Käufer auf entsprechende Rabatte lauern. Zum anderen ist der Singles Day eine ideale Chance, um im attraktiven chinesischen Markt Aufmerksamkeit für sein Angebot zu generieren.

1993 als eine Art Anti-Valentinstag von chinesischen Studenten ins Leben gerufen, hat sich der Singles Day zum weltweit bestaunten Kommerzphänomen entwickelt. Die Verkaufszahlen sind schwindelerregend: Alleine die größte chinesische E-Commerce-Plattform Alibaba meldete 2015 über 14 Milliarden USD Umsatz für den Singles Day – mehr als doppelt so viel wie das gesamte E-Commerce Umsatzergebnis der USA für Black Friday und Cyber Monday, das bei 5,8 Milliarden USD lag. Beim Singles Day 2016 überbot sich Alibaba nach eigenen Angaben mit einem Ergebnis von 17,8 Milliarden USD, die US-Ergebnisse für Black Friday und Cyber Monday lagen bei 6,7 Milliarden USD. Zum Vergleich: Der Singles Day macht damit laut Forbes in 24 Stunden mehr Umsatz als die gesamte E-Commerce-Jahresbilanz in Brasilien und knapp weniger als die von Südkorea.

Am Singles Day wird auch bei ausländischen Anbietern eingekauft.
Am Singles Day wird auch bei ausländischen Anbietern eingekauft. (Bild: CDNetworks)

Chance für internationale Brands

Attraktive Rabatte der Händler locken am 11. November Millionen Menschen auf die Online-Marktplätze. Die Konsumenten gaben laut Nielsen im Schnitt ungefähr 200 USD pro Person aus und kauften im letzten Jahr dabei zu 37 Prozent internationale Waren. Das zeigt, dass viele Konsumenten in China trotz des riesigen Warenangebotes gerne Produkte direkt von Anbietern aus dem Ausland kaufen. Neben der Produktverfügbarkeit bestärken die Angst vor Fälschungen und Zweifel an der Qualität einheimischer Angebote diesen Trend. Zu den Top-Ländern, die am Singles-Day am meisten Waren nach China verkauft haben, zählen: Japan, die USA, Deutschland, Südkorea und Australien. Bekannte Marken wie Nike, Adidas, Zara, Siemens oder Marks & Spencer haben bereits in den letzten Jahren von dem Shopping-Großkampftag profitiert. Aktuell sieht man auch hierzulande bereits viele weitere Marken, die Spezialangebote für den Singles Day bewerben.

„Prädikate wie ‚Made in Germany‘ haben einen hohen Stellenwert in China – eine ideale Chance also, auch für europäische Marken vom Kaufrausch am 11.11. zu profitieren oder die geballte Aufmerksamkeit von Konsumenten und Medien zu nutzen, um die eigene Marke im chinesischen Markt bekannt(er) zu machen“, erklärt Alex Nam, Managing Director CDNetworks EMEA. „Allerdings sollten westliche Anbieter dabei einige wichtige Unterschiede für den E-Commerce in China beachten.“

1. Verkaufsplattformen
Seit 2014 können auch ausländische Anbieter ohne chinesische Niederlassung vom Singles Day profitieren. Das funktioniert natürlich über eine eigene chinesische Website oder über die Nutzung von chinesischen Cross-Border-Marktplätzen für den direkten Bezug von Waren aus dem Ausland. Dabei können Firmen ihre Produkte in verschiedenen Store-Typen anbieten, inklusive eigener „Flagship-Stores“ für ihre Marken, und die Waren nach dem Verkauf direkt aus Europa versenden.

Wichtig ist allerdings, sowohl bei der eigenen Website als auch bei der Wahl eines Plattform-Anbieters, unbedingt auf die Ladezeiten der Sites zu achten. Laut einer Studie von CDNetworks sind die hohen Latenzzeiten aufgrund der speziellen Anforderungen in China eine der größten Herausforderungen im dortigen Markt, an der insbesondere Anbieter aus dem Ausland häufig scheitern.

2. Shopping-Kultur

Cyber Monday und Singles Day im Vergleich.
Cyber Monday und Singles Day im Vergleich. (Bild: CDNetworks)

Im Gegensatz zum Westen ist Online Shopping in China ein absolutes Lifestyle-Thema und wird als soziales Gemeinschaftserlebnis oder Sport betrachtet. Entsprechend präsentiert sich auch der Singles Day wie eine Mischung aus Black Friday und dem Super Bowl. Eine mehrstündige TV-Gala fährt Musik-Stars wie Katy Perry und Markenbotschafter wie Daniel Craig, die Beckhams oder Thomas Müller auf. Medienberichten zufolge nutzen immer mehr europäische Anbieter E-Commerce als weniger riskanten Einstieg in den chinesischen Markt, um den Appetit und die Vorlieben der chinesischen Konsumenten besser verstehen zu lernen. Dabei darf der Singles Day als wichtiger Stichtag für die Planung natürlich nicht fehlen.

3. Social Shopping
Forrester bezeichnet den chinesischen Lifestyle als „hypersozial“, was sich auf das Privat- und Berufsleben sowie die Nutzung von Internet und die sozialen Medien bezieht. Vermutlich ist das auch der Grund, warum Shopping in China eine sozialere Angelegenheit ist als in anderen Ländern. Die Verbraucher tauschen eifrig Informationen über geplante Einkäufe aus und bitten andere Verbraucher um Rat bezüglich besserer Alternativen. Die in China beliebtesten Social Media-Plattformen WeChat, Weibo und Youku sind daher extrem wichtig, um im Onlinehandel erfolgreich zu sein. Anders als hierzulande bieten diese Plattformen auch weit mehr Möglichkeiten, die direkt mit dem Onlineverkauf verknüpft sind.

WeChat lockt Käufer beispielsweise mit Spielen, bei denen sie Coupons gewinnen können und belohnt die Nutzer zusätzlich, wenn sie Freunde zum Spiel einladen. Eine direkt in WeChat integrierte Zahlungsfunktion über eine virtuelle „Brieftasche“, die mit einer Bank oder Kreditkarte verknüpft wird, macht das mobile und soziale Einkaufen noch einfacher. Ausländische Anbieter sollten daher unbedingt eine Verknüpfung mit den chinesischen Social Media Plattformen sowie entsprechende „Gamification“-Optionen berücksichtigen.

4. Mobile Shopping
Chinesische Onlinenutzer sind bevorzugt mobil im Internet unterwegs. 74 Prozent der Bevölkerung besitzen ein Smartphone und rund 95 Prozent aller Internetnutzer gehen in China von Mobilgeräten aus online. Auch beim letzten Singles Day wurden 82 Prozent aller Online-Einkäufe von Mobilgeräten aus getätigt. Das heißt, 800 Million Chinesen haben ein mobiles Einkaufszentrum in der Tasche, resümiert Forbes.

Es ist also besonders wichtig, eine für den mobilen Zugriff optimierte Site anzubieten. China-Kenner setzen dazu statt eines „Responsive Designs“ der Hauptwebsite auf eigenständige, speziell für den Mobilzugriff optimierte Mobile Sites sowie „Light Apps“ oder Micro Sites. Das unterstützt die Konversionsraten und sorgt dank schneller Ladezeiten auch für ein gutes Ranking in Suchmaschinen. Zudem sind vereinfachte Zahlungsmethoden ein wichtiger Erfolgsfaktor (s. Social Shopping).

5. Suchmaschinen berücksichtigen
Nicht nur bei der Informationssuche, sondern auch beim Online-Einkauf sind Suchmaschinen in China weit wichtiger als in anderen Ländern. 65 Prozent der Chinesen nutzen beim Online-Einkauf eine Suchmaschine, in Deutschland sind es nur 38 Prozent. Entsprechend sind SEO und SEM besonders wichtig für den Erfolg im E- und M-Commerce. 70 Prozent aller Anwender nutzen die in China dominierende Suchmaschine Baidu. Einige generelle Kriterien für eine gute SEO sind wie bei anderen Suchmaschinen – allerdings gibt es auch wesentliche Unterschiede. Die Suche mit Google ist so ausgerichtet, dass die Suchmaschine genau „weiß“, was wichtige Informationen sind beziehungsweise wo sie zu finden sind. Bei Baidu hingegen kann die Positionierung den Ausschlag darüber geben, ob die Daten überhaupt indiziert werden. Hinzu kommt, dass Inhalte nach der Überprüfung durch die sogenannte „Great Firewall“ blockiert oder von den automatischen Suchalgorithmen fälschlich als bedenklich eingestuft werden. Da einige Social-Media Sites, wie Facebook oder Twitter, in China verboten sind, können Sites auch komplett blockiert werden, falls entsprechende Social Media Buttons in einer Seitenleiste auftauchen. Auch bei SEO und SEM haben die Ladezeiten und die häufig davon abhängigen Crawl- und Bounce-Rates einen entscheidenden Einfluss auf die Seiten-Indexierung und das Ranking. Inhalte auf Sites mit niedriger Performance werden automatisch als qualitativ minderwertig eingestuft.

Über CDNetworks

CDNetworks ist ein globales Content Delivery Network (CDN) mit vollständig integrierter Cloud-Security-Lösung. CDNetworks garantiert Geschwindigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit für die Bereitstellung von Web-Inhalten, auf allen Gerätetypen, Browsern und Netzen. Sie sorgen dafür, dass alle Nutzer weltweit ein schnelles und sicheres Web-Erlebnis haben – unabhängig davon, ob es sich um den B2B oder B2C-Bereich, mobile Mitarbeiter oder Niederlassungen im Ausland handelt.
CDNetworks bietet Web-Performance und Sicherheit für Websites und Anwendungen über ein strategisch aufgebautes Netzwerk von weltweit verteilten Präsenzpunkten (PoPs). Sie sind Spezialisten für die Regionen, in denen es besonders schwierig ist, Web-Inhalte zugänglich zu machen: Festlandchina, Russland, Südostasien und der Mittlere Osten. Seit 2000 bieten sie ihren Kunden über ihre kompetenten und spezialisierten Techniker-Teams überall auf der Welt ausgezeichneten Kundenservice und Support. CDNetworks hat Niederlassungen in China, Deutschland, Japan, Singapur, Südkorea, den USA und im Vereinigten Königreich.

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