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Industrie 4.0 Start-Ups machen den Mittelstand zukunftsfähig

Autor / Redakteur: Bernhard Schindler* / Clara Hartmann

Über 99 Prozent der deutschen Unternehmen gehören dem Mittelstand an. Mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in Deutschland sind dort angesiedelt. Der Maschinenbau ist hier eine Schlüsselindustrie. Durch die Kooperation mit Start-Ups meistert er die Industrie 4.0.

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Eine Kooperation zwischen dem Mittelstand und einem Start-Up kann den Weg in die Zukunft ebnen.
Eine Kooperation zwischen dem Mittelstand und einem Start-Up kann den Weg in die Zukunft ebnen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Das Gründen eines Unternehmens war früher wie heute ein Wagnis. Am Anfang steht seit jeher die Idee, ein bestimmtes Business-Problem oder ein technologisches Problem zu lösen. Viele inhabergeführte Mittelständler, gerade im Maschinenbau, sind in ihrem Segment Weltmarktführer. Gleichzeitig genießen sie in ihrer Region eine hohe Reputation, sind nah am Kunden und nah am Mitarbeiter.

Diese Unternehmen fingen mal klein an. Die Gründer, meist junge Ingenieure, haben sich zu Unternehmerpersönlichkeiten entwickelt. Neben technischer Exzellenz haben sie finanzielle Unabhängigkeit geschaffen und sind mit einer hohen Eigenkapitaldecke ausgestattet.

Die klassische deutsche Disziplin des Maschinenbaus hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Viele Mitarbeiter, klassische Babyboomer wie die Gründer selbst, gehen in den Ruhestand, und es herrscht ein Mangel an qualifizierten Fachkräften, um sie zu ersetzen. Hinzu kommt der Wandel durch Industrie 4.0: Im Maschinenbau kommen vermehrt Roboter zum Einsatz, es entstehen Smart Factories oder automatisierte Produktionsstraßen. Mittelständische Unternehmen benötigen das entsprechende Know-How, um diese neuen Technologien erfolgreich und gewinnbringend zu implementieren. Auch die Anforderungen an die Logistik, schneller und fehlerfrei zu liefern, nehmen zu. Automatisierung ist ein großes und schwieriges Thema in produzierenden Unternehmen.

Diese stehen daher unter einem hohen Innovationsdruck, dem sie nur mit einer hohen Innovationsbereitschaft begegnen können.

Start-Ups: Innovation als Geschäftsmodell

Ein Perspektivwechsel: Start-Ups sind in einer Phase, die alteingesessene Gründer hinter sich haben. So tun sie sich schwer, an Wagniskapital zu kommen und sind noch nicht so weit, dass sie sich über ihr operatives Geschäft finanzieren können.

Gleichzeitig kennen sich technologieorientierte Start-Ups mit Themen rund um Industrie 4.0, Vernetzung, M2M-Kommunikation oder Industrial IoT bestens aus. Sie sind in diesem sich wandelnden, digitalen Umfeld sowie in der Industrie 4.0 zu Hause und denken diese weiter. Jedoch reichen Ideen, Innovationen und Fachwissen alleine nicht aus, wenn der funktionierende Vertrieb und auch das Vertriebs-Know-How fehlen. Wie baut man als Start-Up eine Sales-Pipeline auf? Woher kommen die Kontakte?

Dabei ergänzen sich Start-Ups und Mittelständler wie zwei Puzzleteile: Die Schwächen des einen sind die Stärken des anderen, und anders herum. Start-Ups haben das, was Mittelständler im Maschinenbau brauchen.

„Gründer agieren schnell und flexibel. Sie haben den Mut, neu zu denken und Regeln zu brechen. Wir neigen oft dazu, uns mit dem Status Quo zufrieden zu geben, doch wir brauchen dynamische Denkweisen – wie Start-Ups sie haben – und müssen diese mit etablierten Konzepten verbinden“, kommentiert Marcell Jansen, Unternehmer, ehemaliger Fußballnationalspieler und Mitglied des Advisory Boards von SalsUp.

Kooperationen als gegenseitiger Vorteil

Wenn die Welt der Mittelständler, gegründet von Ingenieuren der alten Schule, und die der jungen, dynamischen Start-Ups aufeinander treffen, ergeben sich für beide immense Vorteile. In diesem Spannungsfeld können sich mittelständische Maschinenbauer und Start-Ups, die auf Industrie 4.0 fokussiert sind, gegenseitig ergänzen: Mittelständler finden die Innovatoren, die sie für die Weiterentwicklung und die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen brauchen, während Start-Ups Partner finden, mit denen sie ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und monetarisieren können.

Kooperationen zwischen Mittelstand und Start-Ups sind ein Schlüssel zu beidseitigem Erfolg: Bei 70 Prozent der gemeinsamen Projekte werden die gesteckten Ziele ohne Abweichung erreicht (Studie: Mittelstand meets Startup 2018) und sogar 96 Prozent der KMUs würden in Zukunft wieder mit einem Start-Up zusammenarbeiten. Dennoch sucht die Mehrzahl der mittelständischen Unternehmen nicht aktiv nach Start-Up-Kooperationen: 73 Prozent der Kontakte zu Start-Ups kommen rein zufällig zu Stande (Studie: Mittelstand meets Startup 2018), obwohl sie eigentlich Bestandteil der Unternehmensstrategie sein sollten. Doch aktuell arbeitet weniger als die Hälfte aller Mittelständler mit Start-Ups zusammen. Anhand dieser Zahlen werden Wichtigkeit und Nutzen solcher Kooperationen noch einmal bestätigt.

*Bernhard Schindler ist Gründer und CEO von SalsUp.

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