Changemanagement

Veränderungen für nachhaltiges Wachstum

| Autor / Redakteur: Uwe Techt / Annika Lutz

Um sich eine starke Position am Markt zu sichern, müssen Unternehmen Veränderungen durchführen. Viele haben jedoch Angst, dabei zu scheitern.
Um sich eine starke Position am Markt zu sichern, müssen Unternehmen Veränderungen durchführen. Viele haben jedoch Angst, dabei zu scheitern. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Für Unternehmen ist es wichtig, Chancen zu erkennen und notwendige Veränderungen schnell und nachhaltig zu realisieren – denn sie erhöhen damit den Nutzen für ihre Interessengruppen und steigern gleichzeitig die eigene Attraktivität. Oft muss dabei jedoch die Angst zu Scheitern überwunden werden.

Ein häufiger Fehler von Unternehmen ist, Veränderungen zu lange aufzuschieben – weil es „gerade gut läuft.“ Dabei hat nur ein stabiles Unternehmen ausreichende Kapazitäten, um wirksame Veränderungen durchzuführen und so seine starke Position am Markt langfristig zu sichern. Wer wartet, bis die ersten Risse erscheinen, wird es bedeutend schwerer haben. Positive Veränderungen durchzuführen, übersteigt dann oft die Kräfte des Unternehmens. Anstatt stärker, zuverlässiger, besser zu werden, kann es mit hohem Energieaufwand nur noch krampfhaft versuchen, den Anschluss nicht zu verlieren.

Probleme beseitigen statt verbergen

Veränderungen zu vermeiden ist nur allzu menschlich. Die Angst zu scheitern verleitet oft dazu, lieber nichts zu unternehmen als das Falsche. Aber ein „Fehler der Unterlassung“ kann ebenso große negative Folgen haben, wie das „Falsche“ zu unternehmen, zum Beispiel wenn ein Problem nicht beseitigt wird. Viele Unternehmen sind gut darin, Probleme für lange Zeit zu verbergen: Prozeduren werden angepasst, um das Problem zu umgehen, bis es irgendwann vollkommen unsichtbar geworden ist und niemand mehr daran denkt, wie viel effizienter man arbeiten könnte, würde das Problem ein für alle Mal beseitigt werden.

Lokale Optimierung verbessert nicht das Ganze

Oft verfahren Unternehmen nach der – falschen – Annahme „Die Optimierung eines Teils führt auch zur Optimierung des Ganzen.“ Kleinere Verbesserungsinitiativen auf lokaler Ebene tragen ein geringeres Risiko und sind einfacher zu handhaben. Doch die Effekte lokaler Verbesserungen für das gesamte Unternehmen sind oft kaum zu spüren, oder unvorhergesehene Nebeneffekte in anderen Bereichen schaden mehr, als die Veränderung Nutzen bringt. So kann eine Kostensenkung in einem Bereich – etwa durch den Wechsel zu einem günstigeren Lieferanten – dazu führen, dass ein anderes Team plötzlich auf seine Materiallieferungen warten muss. Durchschlagende Ergebnisse werden auf diese Weise nie erzielt!

Veränderungsinitiativen implementieren

Die meisten unternehmensweiten Initiativen werden auf oberer Management-Ebene entschieden und von oben herab eingeführt – ohne Rücksprache mit denjenigen, die sich an der Umsetzung beteiligen sollen und ihre Konsequenzen zu spüren bekommen. Selbst, wenn eine Konsultation stattfindet, ist die Entscheidung meist schon getroffen und etwaige Änderungen sind allenfalls halbgare Kompromisse, um verunsicherte Mitarbeiter zu beschwichtigen. Eine Initiative kann für das Gesamtunternehmen noch so positive Effekte versprechen – wenn der einzelne Mitarbeiter für sich vor allem Unannehmlichkeiten sieht, wird er sich schwertun, sie zu unterstützen. Ohne Unterstützung der Mitarbeiter aber hat die Initiative wenig Chancen, ihre volle Wirkung zu entfalten. Sei es durch Trägheit bei der Umsetzung oder gar aktiven Widerstand. So entsteht ein Teufelskreis stetig wachsender Unzufriedenheit und stetig schrumpfender Ergebnisse.

Mitarbeiter aktiv einbeziehen

Um Mitarbeiter für eine Veränderungsinitiative zu begeistern, ist einer der wichtigsten Schritte, sie von Beginn an mit einzubinden. Dazu gehört, sich Einwände nicht nur ernsthaft anzuhören, sondern die Mitarbeiter sogar zu ermutigen, aktiv Kritik am Projekt zu üben! Haben Mitarbeiter die Möglichkeit, für die ermittelten Probleme und Nebenwirkungen selbst Lösungen zu finden, ja können sie gar die Richtung der Veränderungsinitiative mitbestimmen, werden Einwände und Bedenken nicht zum Hindernis, sondern zur Chance. Gute Ideen kommen nicht nur aus den oberen Führungsebenen, sondern oft genau von den Leuten, die täglich mit dem Betriebsalltag konfrontiert sind. Ihre Erkenntnisse und Intuition sind nicht zu unterschätzen. Doch damit die Mitarbeiter ihre Ideen teilen, müssen sie sich sicher sein, dass sie geschätzt und ernst genommen werden. Wichtig ist in einem solchen Umfeld daher auch, dass gelegentliches Scheitern dem Mitarbeiter nicht angelastet wird, sondern als Teil des Verbesserungsprozesses verstanden wird.

Fortschritte regelmäßig kommunizieren

Der beste Weg bei Verbesserungsprojekten Mitarbeiter zu begeistern, ist ein schnelles, überzeugendes Resultat. Die ersten, spürbaren Ergebnisse sollten schon sehr bald eintreten. Genauso wichtig ist es natürlich, Erfolge und Fortschritte regelmäßig zu kommunizieren. So können sich Mitarbeiter nicht nur darüber informieren, dass die Veränderungen dem Unternehmen tatsächlich nutzen. Offene Kommunikation fördert zudem das Gemeinschaftsdenken und hilft dabei, dass alle Beteiligten sich involviert fühlen und gerne ihren Beitrag zu den Veränderungen leisten.

Die Qual der Wahl – richtig entscheiden

Die Entscheidung, welche der potentiellen Verbesserungen ein Unternehmen als Nächstes in Angriff nehmen sollte, ist nicht zu unterschätzen. Eine falsche Entscheidung kann nicht nur Zeit und Geld verschwenden, sondern auch unerwartete negative Effekte haben und das Unternehmen schwächen. Es gilt, die richtige – dringendste, wirkungsvollste, durchschlagendste – Verbesserung erst einmal ausfindig zu machen. Theoretisch ergeben sich mehrere Optionen. Tatsächlich aber macht es nur Sinn, an genau der Stelle anzusetzen, die die Leistung des Unternehmens derzeit am stärksten einschränkt – am Engpass.

Radikales Umdenken ist notwendig

Diese Entscheidung, mit der Nutzung und der Verbesserung am Engpass anzusetzen, bedeutet auch, dass sich alle anderen Bereiche des Unternehmens diesem Weg unterordnen müssen. Dies steht im Gegensatz zu der derzeit häufig geltenden Vorgehensweise, in vielen Abteilungen lokale Verbesserungsprojekte voranzutreiben. Die egozentrische Sicht des Menschen und schwelende Konflikte spielen hier mit, um Widerstände in allen nicht betroffenen Bereichen zu schüren. Für den Erfolg einer Initiative ist ein ganzheitlicher Ansatz aber unvermeidlich. Radikales Umdenken ist notwendig: Ein Wechsel vom Bereichs- oder Stammesdenken zur holistischen Zusammenarbeit aller Mitarbeiter auf ein gemeinsames Ziel hin. Auch ist es unerlässlich, dass die Geschäftsleitung voll hinter den Veränderungen und angekündigten Paradigmenwechsel steht.

Ein guter Plan als Roadmap

Robuste Planung ist unabdingbare Voraussetzung jeder erfolgreichen Initiative. Zu oft wird dieser Aspekt vernachlässigt – erscheint er doch vielen Managern als realitätsfern. Sie möchten lieber gleich „zur Tat schreiten.“ Doch wer keinen Plan hat, kommt schnell vom Pfad ab. Bei guter Planung hingegen läuft die Umsetzung fast von selbst: Eine übersichtliche Roadmap ist nur noch abzuschreiten. Etwaige unerwünschte Nebenwirkungen sind durchgearbeitet und Gegenmaßnahmen ergriffen. Zugleich hilft sie bei der Überwachung der Fortschritte oder notwendiger Kurskorrekturen. Es macht also durchaus Sinn, bei der Planung mit der nötigen Sorgfalt vorzugehen.

Sich auf Unabsehbares einstellen

Zu berücksichtigen ist auch der Faktor Variabilität. Selbst mit der besten Planung ist es nicht möglich, alles vorherzusehen. Die Tendenz, jede mögliche Entwicklung vorwegnehmen zu wollen, führt dazu, dass Pläne zu rigide, zu detailliert und zu komplex werden. Trotzdem klopft die Realität bald an und schmeißt Zeitpläne und Prioritäten über den Haufen. Übermäßige Planung ist also nicht nur unnötiger Aufwand, sondern kann dem Unternehmen sogar aktiv schaden. Akzeptieren Unternehmen stattdessen, dass Ungewissheit unvermeidlich ist und es vollkommen unmöglich ist, alle Eventualitäten vorauszusehen, können sie sich gegen Variabilität absichern und stehen bedeutend stärker da. Auch eine mittlere Katastrophe kann ihnen nun nichts mehr anhaben.

Auf Signale achten

Messbare Ziele sowie solide, fortlaufende Kontrollmechanismen sind bei jeder bedeutenden Verbesserungsinitiative unerlässlich, um Fortschritte – aber auch Rückschritte – zu messen: Wurden alle Taktiken durchgeführt? Alle Strategien erreicht? Wo besteht eine Lücke? Haben wir alles getan, wie wir es beschrieben hatten? Wenn ja, warum ist der Effekt nicht eingetreten? Wenn nein, dann tun wir es jetzt und schauen, ob dann der Effekt kommt. Die Gefahr ist groß, in die Falle zu tappen, nach Anlauf der Initiative die „Situationsanalyse“ als abgeschlossen anzusehen. Doch der Markt, wie auch das eigene Unternehmen, sind im ständigen Wandel. Fortlaufende Marktrecherche und Feedbackmechanismen können rechtzeitig warnen. Selbst schwache Signale sollten nicht ignoriert werden.

Analysieren als Vorsorge

Stellt ein Unternehmen von Anfang an sicher, dass fortlaufendes Monitoring integrale Komponente einer Veränderung ist, schützen Warnsysteme vor Überraschungen. Wird man doch einmal überrumpelt, sollte man daraus lernen, also analysieren, wie es dazu kam und man sich beim nächsten Mal besser gegen eine derartige Begebenheit wappnen kann. Variabilität lässt sich nie ganz ausschließen. Nicht zuletzt ist es unerlässlich, den Verbesserungsprozess niemals als beendet anzusehen. Leistung und Weiterentwicklung müssen fortlaufend überwacht und vorangetrieben werden, denn das Umfeld ist im ständigen Wandel und die Konkurrenz schläft nicht.

Uwe Techt
Über den Autor

Uwe Techt

Geschäftsführer

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