Online-Marketing

Verdrängen WhatsApp Business, Chatbots und Vermittlungsportale die klassische Website?

| Autor / Redakteur: Steffen Heym* / Muteber Karacan

Gewinnen WhatsApp Business, ChatBots und Vermittlungsportale mehr Wert als klassische Webseiten?
Gewinnen WhatsApp Business, ChatBots und Vermittlungsportale mehr Wert als klassische Webseiten? (Bild: gemeinfrei / CC0)

Im Online-Marketing sind mittlerweile jede Menge Tools verfügbar – seien es Chatbots oder die Öffnung der WhatsApp-Business-API, die Fantasien kennen (fast) keine Grenzen mehr. Verdrängen diese Kanäle und Tools nun die klassische Unternehmens-Website?

Mit der Öffnung der WhatsApp-Business-API im August 2018 hat Facebook die Fantasien von Konzernen und Unternehmen beflügelt – ebenso die von Online-Marketing-Agenturen – was nun mit Hilfe einer der weltweit meistgenutzten Apps im Geschäftskontext möglich sein wird. Und solche Impulse sind auch notwendig, um den Fokus darauf zu verschärfen, was im Online-Marketing an Tools und damit verbundenen Optionen vorhanden, vor allem aber was wofür sinnvoll einsetzbar ist. Zudem ist eine Unterscheidung zwischen Traffic-generierenden und Kunden-konvertierenden Kanälen in der Nutzung der verschiedenen Medien wichtig.

WhatsApp Business

PRO
Die Nutzung von WhatsApp im Unternehmenskontext als Kommunikationskanal mit den Kunden hat einen großen Vorteil: Sie holt den Kunden dort ab, wo er sich sowieso gefühlte zehn Stunden am Tag aufhält. Absender erfahren nachgewiesenermaßen hormonelle Glücksgefühle, wenn sich das doppelte Häkchen blau färbt, weil der Sender die Nachricht gesehen hat – nicht vergleichbar mit einer Telefonhotline mit Warteschleife. Die Kommunikationsbarriere zwischen Unternehmen und Kunden ist mit Hilfe von WhatsApp deutlich geringer, was mehr Kundenkontakt bedeuten kann und damit verbunden mehr Möglichkeiten für Sales schafft.

KONTRA
Die DSGVO macht die Nutzung der Messenger-App für Unternehmen jedoch nicht einfach. Umfangreiche Opt-In-Einverständnisse müssen vom Kunden eingeholt werden, dazu muss Auskunft über die Datenspeicherung gegeben werden. Das ist kein einfaches Unterfangen für WhatsApp und den dazugehörigen Mutterkonzern Facebook, der aufgrund seiner praktizierten Daten-Handhabungen regelmäßig in der Kritik steht. Zudem wirkt der Kommunikationskanal WhatsApp allein, also ohne eine glaubwürdige Präsenz des chattenden Unternehmens in Form von physischen Büros bzw. in der Online-Welt einer Website, schnell unglaubwürdig und unseriös.

Social Media

PRO
Je nach Definition gehört WhatsApp auch in die Riege der Social-Media-Kanäle, wenngleich es eine gewisse Sonderposition hat. Dennoch gilt auch hier Ähnliches wie schon zuvor bei WhatsApp aufgeführt: Wenn Unternehmen Social Media in ihre Online-Marketing-Aktivitäten einbinden – und hierbei gibt es bekanntlich vielfältigste Wege und Möglichkeiten – holen sie ihre Kunden auch hier wieder dort ab, wo er sich sowieso schon befindet.

Das senkt die Kommunikationsbarriere. Zudem bieten die verschiedenen Plattformen jeweils auch unterschiedliche Funktionalitäten zum Posten, Teilen und Interagieren mit Inhalten sowie Direct-Messaging-Tools zum Kommunizieren mit den Unternehmern (oder auch Influencern).

Regelmäßige und qualitativ hochwertige Postings mit inhaltlichem Mehrwert erhöhen hier schnell die Sichtbarkeit einer Marke und helfen bei der aktiven Positionierung von Unternehmen. Zudem lassen sich Zielgruppen präzise auswählen und ansprechen, und ein Unternehmen erhält direktes Feedback zu Image und Produkten.

KONTRA
Neben dem im Internet leider immer noch recht verbreiteten Trollen ist die aktive Nutzung von Social-Media-Kanälen für Unternehmen auch sehr aufwändig und endet häufig nicht direkt mit einem Verkaufsabschluss. Mit Hilfe eines gezielten Funnels hin zu eigenen Verkaufskanälen, wie beispielsweise der firmeneigenen Website, lässt sich dies jedoch ändern.

Das Potenzial der Unternehmen, speziell in bestimmten Branchen, wie beispielsweise dem Baugewerbe, wird aber noch längst nicht ausgeschöpft. Übrigens gilt auch hier: Ohne eine eigene Unternehmenswebsite als Legitimation, Referenz und idealerweise als Sales-Hub wirken Firmen schnell unglaubwürdig.

Der Einsatz von WhatsApp in der B2B-Kundenkommunikation

Interview Messenger-Marketing

Der Einsatz von WhatsApp in der B2B-Kundenkommunikation

01.11.18 - WhatsApp bietet seit Anfang August eine offizielle Business-Schnittstelle (API) an. Inwiefern Messenger Marketing für den B2B-Bereich spannend ist, was die Einbindung in die Kundenkommunikation bedeutet und welchen Einfluss das auf Marketing und Vertrieb nimmt, wollten wir von Sylvia Feja im Interview wissen. lesen

Vermittlungsportale

PRO
Plattformen wie Booking.com und Co. haben den großen Vorteil, dass sie allein aufgrund ihrer großen Reichweite viele Menschen auf einmal erreichen. Zudem bieten sie jede Menge Features wie Buchungstools und e-Payment an, die eine komplette Verkaufsabwicklung von der Präsentation von Unternehmen und ihren Produkten hin zu Verkauf und Abrechnung ermöglichen. Gerade für kleinere Unternehmen ist dies ein beliebter Weg für die Neukundengenerierung. Auch hoffen sie auf eine erhöhte Sichtbarkeit.

KONTRA
Doch wer sich vollends auf Vermittlungsplattformen verlässt, ist im gesamten Online-Marketing-Mix nicht gut beraten. Die Konkurrenz auf solchen Plattformen ist sehr hoch, sowohl um die Sichtbarkeit als auch in preislicher Hinsicht. Hinzukommen die Gebühren, die für Online-Profil, Produktkatalog und Buchung anfallen – entweder performanceorientiert oder unabhängig davon über einen wiederkehrenden Pauschalbetrag. Auch der direkte Zugriff auf Kunden- und Marketing-spezifische Daten ist oftmals recht eingeschränkt – zumindest verglichen mit einer eigenen Website.

Die Website als Hub

Mit all den neuen Möglichkeiten, die das Online-Marketing in Sachen Kanälen und Medien den Unternehmen bietet, wird die Relevanz der Website in klassischer Form immer häufiger in Frage gestellt. Eine Unternehmenswebsite ist jedoch heute notwendiger denn je, allerdings eben nicht in ihrer klassischen Ursprungsform. Eine Website ist für Unternehmen als Hub zu betrachten, denn sie steht im Zentrum des Sales-Funnels und stellt die Möglichkeiten für Buchungen, Zahlungsabwicklungen, Anfragen, Kundenkommunikation und vieles andere an Mehrwert zur Verfügung.

Die klassischen Funktionen einer Website - die Information und Darstellung eines Unternehmens sowie das Verleihen von Glaubwürdigkeit und Vertrauen durch Referenzen und Teamvorstellungen – sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil, der beim Design der eigenen Website berücksichtigt sein muss. Doch viele Unternehmen betrachten die Website nach wie vor als erweiterte Visitenkarte im Internet. Dabei unterschätzen sie die tatsächliche Bedeutung als Hub.

Sicherlich braucht ein funktionierender Hub vor allem Traffic. Die Unternehmenswebsite für sich genommen generiert ohne begleitende Online-Marketing-Maßnahmen in aller Regel nicht viel davon. Darum ist es umso bedeutsamer, die Unternehmenswebsite im Kontext mit den Traffic-generierenden Chat- und Social-Media-Kanälen und Vermittlungsportalen als Türöffner zu sehen und als Konvertierungstool zu verstehen. Mit einem kritischen Blick auf die Customer Journey und User Experience der eigenen Website gibt es inzwischen eine große Auswahl an sinnvollen Add-ons und Plugins, die dort integriert und wertsteigernd zur Kundenkonvertierung und -bindung eingesetzt werden können.

Die Investition in die stärkere Nutzung der eigenen Website, insbesondere in Synergie mit den Traffic-Generatoren des Online-Marketings, lohnt sich definitiv, zahlt sie sich doch in Form von direktem Kundenkontakt sowie 100%-Einnahmen der Daten sowie dort konvertierten Umsätzen aus.

* Steffen Heym ist Geschäftsführer von web4business.

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