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Kommentar Verunsicherung und Angst sind kein guter Ratgeber im Umgang mit Künstlicher Intelligenz

| Autor / Redakteur: Martin Reiner* / Julia Krause

Menschen finden es beängstigend, dass sie von intelligenten Maschinen ersetzt werden könnten.Häufig werden leider in Vorträgen, den Medien und der Politik diese Ängste auch durch falsche oder übertriebene Aussagen und Darstellungen geschürt und Menschen deshalb verunsichert.

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Der künstlichen Intelligenz fehlt noch die Software, um an die menschliche Intelligenz anzuknüpfen.
Der künstlichen Intelligenz fehlt noch die Software, um an die menschliche Intelligenz anzuknüpfen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Ja, es ist wahr, dass Super-Computer und KI-Systeme bis zu 100.000-mal schneller bei einzelnen Rechenvorgängen sind als das menschliche Gehirn und somit viel leistungsfähiger.

Allerdings ist es auch wahr, dass der künstlichen Intelligenz noch die Software fehlt um an die menschliche Intelligenz anzuknüpfen. Hier wird geforscht, gearbeitet und ausprobiert. Der SpiNNaker-Supercomputer an der University of Manchester wurde 2018 nach 12 Jahren Bauzeit und 17 Millionen Euro Kosten fertiggestellt und kann gerade einmal knapp ein Prozent des menschlichen Gehirns simulieren. Ein Embryo hat nach acht Wochen beinahe das ganze Gehirn vollständig angelegt (also fast 100 Prozent der circa. 100 Milliarden Nervenzellen) – fast kostenfrei.

KI sind Algorithmen, die auf Basis gelernter Regeln und großer Datenmengen (als Lernbasis) versuchen die bestmögliche Lösung für ein Problem zu finden und aus gelernten Erfahrungen neue Lösungswege selbstständig zu entwickeln. Wenn es aber um komplexere, nicht mathematische Regeln geht, wie beispielsweise der menschlichen Kommunikation ist dies schon deutlich schwieriger wie auch Microsoft mit dem 2016 entwickelten Chat-Bot „Tay“ leidlich erfahren musste, als dieser anzügliche und beleidigende Tweets versendete. Kommen dann noch mehrere Bedeutungsebenen und Emotionen hinzu, setzen sich – Stand heute – die vielen menschlichen, parallelen Verbindungen der Nervenzellen durch.

Die Hirnforschung bestätigt, dass ALLES, was ein Mensch je gesehen, erlebt, geschrieben, gelesen oder gehört hat im Gehirn gespeichert wird. Allerdings optimiert sich unser Gehirn ab dem 10. Lebensjahr, so dass die wenig oder nicht benutzten Verbindungsstellen (Synapsen) wieder abgebaut werden. Vermutlich füttern diese Informationen unser Unterbewusstsein. Unser Unterbewusstsein leitet bei größeren Entscheidungen oft unser Bauchgefühl. Aufgrund unseres Bauchgefühls entscheiden wir Menschen oft nicht rational, aber dennoch richtig, wie sich am Ende herausstellt.

Die 2017 im Fachforum für autonome Systeme skizzierte „Autonomy Wave“, bei der physische Arbeit und menschliche Fähigkeiten automatisierbar sein sollen und KI auch in komplexen Umgebungen mit vollständiger Reaktion auf die Umwelt agieren können, soll frühestens ab 2030 beginnen.

Faszinieren wir uns doch mehr an den Innovationen im Bereich der KI, als dass wir uns von ihnen ängstigen lassen. Nutzen wir die Vorteile, die unser Leben vereinfachen, so wie wir es schon immer getan haben oder nutzen sie noch Landkarten, wenn sie sich ins Auto setzen oder doch ein Navi, Google Maps oder Siri: „Hey Siri, zeig mir den Weg nach Hause.“ Fahren sie überhaupt ein Auto oder reiten sie noch auf einem Pferd zur Arbeit oder nehmen die Postkutsche anstatt der Bahn oder dem Fernreisebus.

Nutzen wir die Zeit um den Wandel zu gestalten, uns moralisch zu orientieren und uns der ethischen Verantwortung in Bezug auf KI bewusst zu werden, so wie dies beispielsweise auch im Bereich der Gentechnik seit Jahren diskutiert wird – veränderte Babys auf der einen, menschlich werdende Maschinen auf der anderen Seite und dazwischen der Mensch im Norm-Format und dennoch einzigartig.

* Martin Reiner ist CEO und Gründer der ConsSys IT AG.

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