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China Market Insider Volle Kraft voraus – Industrieller E-Commerce in China

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Veronika Kremsreiter

Die Coronakrise hat das Wachstum des B2B-E-Commerce in China stark beschleunigt. Als Peking vor wenigen Tagen die Erholung der heimischen Wirtschaft mit einem BIP-Wachstum von 3,2 Prozent von April bis Juni 2020 bekannt geben konnte, war dies auch der rasant schnellen Adoption digitaler Lieferketten in der Industrie des Landes zu verdanken.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet marconomy regelmäßig über Marketing-Trends in China.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet marconomy regelmäßig über Marketing-Trends in China.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Seit dem Ausbruch von Covid-19 habe der kommerzielle E-Commerce „eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Wiederaufnahme der Produktion zu fördern“, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Li Ying, einen leitenden Beamten in der IT-Abteilung des Pekinger Ministeriums für Industrie und Informationstechnik (MIIT).Bis zum März 2020 hätten 62,5 Prozent aller Unternehmen in chinesischen Schlüsselindustrien digitale Handels- und Service-Plattformen genutzt, schrieb Xinhua. Besonders für die Rohmaterial- und Ausrüstungsbeschaffung seien bereits Plattformen mit einem Transaktionsvolumen von Hunderten von Milliarden Yuan (zehnstellige Eurobeträge) entstanden, berichtete die Agentur.

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Beschaffungsprozesse werden ins Internet verlagert

Besonders in der chinesischen Fertigungsindustrie hat B2B-E-Commerce in den vergangenen Monaten eine Reihe unterschiedlicher Beschaffungsprozesse ersetzt, die noch bis vor kurzem offline stattgefunden haben. Der gesamte Business-Zyklus von der Produktentwicklung, über Design, Herstellung, Verkauf und After Sales sei für viele Unternehmen ins Internet gewandert, heißt es in dem Bericht.

Auch Chinas Staatsbetriebe verlagern ihre Beschaffungsprozesse und andere Geschäftsfunktionen nun mit Macht ins Internet. Die industrielle Internet-Plattform „Zhenkunhang“ zum Beispiel verknüpft bereits 22 Staatsbetriebe auf zentraler Ebene. Procurement, etwa von Wartungs- oder Reparaturdienstleistungen, findet für diese Unternehmen nur noch online statt.

E-Commerce Plattformen für die Industrie

Eine andere Plattform, Gangyin E-Commerce, kooperiert mit Lange Stahl und wickelt Bestellungen von staatlichen Stahlkonzernen bei Zulieferern ab. Die E-Commerce-Plattform verdient ihr Geld unter anderem durch die Bereitstellung üblicher Finanzdienstleistungen bei solchen Transaktionen. Andere E-Commerce-Plattformen sammeln die verschiedensten Daten, mit deren Hilfe die Geschäftsabwicklung zwischen großen chinesischen Staatsbetrieben und ihren vor- oder nachgelagerten Lieferanten und B2B-Kunden erleichtert wird. Ein Beispiel ist die „Jwell IoT Industrial Internet Platform“, ein digitales Tochterunternehmen der Panzhihua Iron and Steel Group.

Jwell sammelt Daten aus der vorgelagerten Stahlproduktion, etwa in den Bereichen Ausrüstung, Energie, und Logistik. Der Materialtransport von und zur Fabrik, der Lagerbestand, der Vertriebsstatus werden ebenso transparent gemacht wie das Recycling von Abfallstoffen.

Das „Yunzhu Network“, eine von der staatlichen China Construction Group gegründete E-Commerce-Plattform, bietet ebenfalls eine Reihe von Dienstleistungen an. Ausschreibungen sind ein wichtiger Teil, aber auch HR, Finanzdienstleistungen sowie Funktionen des industriellen Internets (IIoT) während der Produktionsprozesse von Kunden in der Bauindustrie.

Mit B2B-Plattformen zur digitalen Transformation

Die Volumen, die auf diesen noch relativ jungen B2B-Plattformen gehandelt werden, lassen ihre Bedeutung für die digitale Transformation der chinesischen Industrie in den kommenden Jahren erahnen. Die Yunzhu-Plattform etwa hatte bis Ende vergangenen Jahres bereits 490.000 Ausschreibungen und 46.000 Auktionen abgewickelt und einen kumulativen Gesamtumsatz von drei Billionen Yuan (rund 376 Milliarden Euro) erzielt. Der B2B-E-Commerce habe in China „den Push und Pull eines nukleargetriebenen Flugzeugträgers“, zitierte der auf E-Commerce spezialisierte Think Tank Ebrun einen Branchenkenner.

*Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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