Suchen

Nachhaltigkeit Warum der B2B-E-Commerce „grüner“ werden muss

| Autor / Redakteur: Stephan Engau* / Julia Krause

Das Thema Nachhaltigkeit dominiert – auch im E-Commerce. Shopbetreiber priorisieren das Thema zunehmend, weil durch einen “grünen” Shop oder nachhaltig produzierte Artikel das Ansehen beim Kunden gesteigert wird.

Firma zum Thema

Das Thema Nachhaltigkeit dominiert – auch im E-Commerce.
Das Thema Nachhaltigkeit dominiert – auch im E-Commerce.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Verbraucher wollen auch im Internet bewusst shoppen. Sie setzen sich intensiver mit den Anbietern auseinander und wollen wissen, wie sich das Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentiert und welche Bestrebungen es zum Thema Nachhaltigkeit anstellt. Um sich als Unternehmen dazu glaubwürdig platzieren zu können, brauchen Kunden nicht nur ausreichende Produktinformationen.

Der Kunde ist König

Genauso wichtig, wie bei Partnern die besten Konditionen auszuhandeln, ist es heute, in Nachhaltigkeit zu investieren. Schlussendlich entscheidet der Kunde, wo er kauft. Und es ist schade, wenn ein Kauf scheitert, weil man die falschen Versandoptionen anbietet oder nicht die Produktinformationen liefert, die der Kunde braucht. Wer seinen Shop “grüner” gestalten will, sollte sich auf strategischer Ebene damit beschäftigen, was die Bedürfnisse und Anforderungen der Zielgruppe sind. Bei vielen Anbietern liegen die Herausforderungen derzeit bei den internen Prozessen. Für die Kundenbeziehung ist es nachhaltiger, diese nachzubessern, anstatt ökologische Wahrhaftigkeit zu schaffen und daraus grüne Inhalte resultieren zu lassen. Die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Themas hat definitiv gezeigt, dass sich künftig auch die B2B-Branche damit beschäftigen muss.

Die Kundenerfahrung macht den Onlineshop

Die User Experience ist das Herzstück des Onlineshops. Kunden wollen heute möglichst viele Informationen auf einen Blick erhalten. Das erleichtert nicht nur die Kaufentscheidung, sondern lässt sich ein Kauf mit mehr Informationen auch leichter rechtfertigen. In Sachen Darstellung kann man hier hervorragend mit Labels arbeiten. Entsprechende Filterfunktionen vereinfachen die Produktsuche der Kunden. Denkbar ist an dieser Stelle auch eine eigene Unterkategorie für Fairtrade-Produkte. Die Maxime dabei sollte immer sein: So viele Informationen wie möglich bereitstellen. Auch hier lohnt sich ein Blick auf das, was man bereits leistet. Wie nachhaltig ein Shop ist, hängt stark von den Möglichkeiten des Betreibers ab. Ökostrom zur Betreibung des Onlineshops zu verwenden ist ein erster Ansatz – sowohl im eigenen Unternehmen als auch seitens des Hosters oder für den Versand nachhaltige Polstermaterialien. Alle Bemühungen sollte man schon wegen der Glaubwürdigkeit ehrlich meinen und auch an die Zielgruppen kommunizieren. Nachhaltigkeit muss aus einer inneren Überzeugung heraus angegangen werden und nicht nur als Reaktion auf Kundenwünsche.

Thema Infrastruktur

Nicht nur die angebotenen Produkte können und sollten nachhaltig sein. Auch die Infrastruktur von Shop-Betreibern kann entsprechend gestaltet werden. Angefangen bei der Grundlage des modernen Lebens: Elektrizität. Klingt banal, aber bezieht Ihr Unternehmen Ökostrom? Das Ganze lässt sich auch auf die Partner erweitern: Woher kommt der Strom für den eigenen Onlineshop? Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man Anbieter wie Serverhoster nutzen, die sich (genau wie man selbst) Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben. Zugegeben: Was die technologische Infrastruktur angeht, ist der “ökologische Handlungsspielraum” beschränkt. Aber man kann auch einen Schritt weiter gehen. Haben Sie schon einmal über ein “paperless Office” nachgedacht? Können Sie für Ihre Drucker nachhaltige Patronen verwenden? Welche Firmenwagen nutzen ihre Mitarbeiter? Potenziell sind das alles Dinge, die sich hervorragend nach außen kommunizieren lassen – und zusätzlich ihre Stakeholder interessieren. Wer sich intensiv mit dem Thema und Verbesserungspotential seiner eigenen Öko-Bilanz auseinandersetzt, entdeckt ungeahnte Optimierungsmöglichkeiten.

Nachhaltigkeit verbessert das Ansehen

Vor allem im B2B ein nicht zu unterschätzender Effekt: Richtig kommuniziert, verbessert ein nachhaltiges Unternehmenskonzept maßgeblich das Image. Es ist eine immer noch unterschätzte Chance, sich damit bei den Zielgruppen zu platzieren. Nachhaltigkeit ist vom Trend zum innovativen Treiber geworden. Hier zeigt sich, dass vor allem Unternehmen im E-Commerce mit Transparenz punkten können. In puncto Nachhaltigkeit geht es hier vor allem um Produktionsbedingungen, faire Löhne und ressourcenschonende Produktion und Distribution. Wer Produkte solcher Partner anbietet, darf das auch nach außen kommunizieren. Den meisten Konsumenten imponiert eine solche Offenheit. Und es zeigt auch, dass das Unternehmen bereit ist, sich Konsequenzen für Fehlverhalten zu stellen. B2B-Unternehmen können sich einiges aus dem B2C-Bereich abgucken. Hier bieten bereits einige Anbieter den Service, dass der Kunde auf alle Schritte von der Produktion über Ein- und Weiterverkauf bis hin zum Versand der Ware, völlig transparenten Einblick in alle Prozesse und Kosten hat. So kann der Kunde genau nachvollziehen, unter welchen Bedingungen die Ware produziert wurde und wie sich die Kosten für das Produkt zusammensetzen. Durch solche Maßnahmen lassen sich die Zusatzkosten, die durch klimaneutralen Versand und ähnliches entstehen, besser verargumentieren.

Als Unternehmer begibt man sich hier auf dünnes Eis, wenn man nicht das vorlebt, was man predigt und kommuniziert. Es sollte trotzdem als eine Chance gesehen werden, sich bei der Kundschaft und potentiellen Partnern zu positionieren.

Nachhaltigkeit beeinflusst Partnerschaften

Eine starke Partnerschaft macht vieles leichter. Konsumenten schauen zunehmend auch “hinter die Kulissen” und interessieren sich dafür, mit welchen Unternehmen ein Shop-Betreiber kooperiert. Hier gilt die Devise: Lohnt es sich, einen Partner auszuwählen, der zwar bessere Konditionen bietet, dafür aber weniger nachhaltig operiert? Gleiches gilt für die angebotenen Produkte und Marken im eigenen Onlineshop. Die Verbraucher werden kritischer; das ist Gut und Recht. Wer sich hier aus falschem Stolz querstellt, verpasst unnötig große Umsatzpotenziale. Durch Partnerschaften können ganz neue und interessante Angebote entstehen. Was bei Co-Brandings wie bei Lego und Star Wars funktioniert, kann auch funktionieren, wenn man mit umweltbewussten Partnern zusammenarbeitet. So profitiert die eigene Marke von den positiven Eigenschaften der anderen.

Planung und Realität liegen dann doch zu oft auseinander

So viel wir heute über die positiven Effekte von Nachhaltigkeitsstrategien wissen, werden sie heute leider immer noch zu selten umgesetzt. Das Problem: Planung und Realität weichen in der Praxis stark voneinander ab. Mal werden für wenige Monate Strategien verfolgt und gute Konzepte entwickelt, die dann aber nicht umgesetzt oder wieder eingestampft werden. CSR-Aktivitäten steigern erwiesenermaßen die Conversion Rate. Für Shop-Betreiber sollte CSR und Nachhaltigkeit ebenso ein Task sein wie Suchmaschinenoptimierung und SEA. Wer sich ernsthaft mit dem Thema befassen will, muss die Informationen auch transparent kommunizieren. Es kommt natürlich nicht gut, wenn Unternehmen sich mit nachhaltigen Aktionen positionieren wollen, am Ende herauskommt, dass die Maßnahmen nicht umgesetzt wurden. Wenn die Anstrengungen des Unternehmens ernst gemeint sind und Nachhaltigkeit in der Strategie fest verankert ist, wird es für den Kunden glaubhaft und wirklich. Da spielt die Größe des Shops keine Rolle.

*Stephan Engau ist Geschäftsführer der E-Commerce-Agentur KOSMONAUT.

(ID:46483522)